Technik

Zukunftsvision
23.07.2008 | 11:58

Feldroboter erobern Landwirtschaft

Die Agrarwirtschaft hat sich zu einem hoch technisierten Bereich mit weltweiter Bedeutung für Ernährung, Energie und Landschaftspflege entwickelt. Die Nachfrage nach neuen Ideen für technische Lösungen, die wirtschaftliche Vorteile mit sozialer und ökologischer Verträglichkeit verbinden, ist groß.
Das Team von der Fachhochschule Osna­brück konnte sich mit dem Roboter „Agronaut“ einen guten vierten Platz sichern. Seit 2004 nimmt die Gruppe erfolgreich an den Wettbewerben teil. Foto: FH Osnabrück
Eine wesentliche Plattform für die Entwicklung autonomer Feldroboter ist der von der  Universität Wageningen ins Leben gerufene Field Robot Event. Seit 2003 regt die Veranstaltung nicht nur zur Entwicklung autonomer Feldroboter, sondern auch zur interdisziplinären Kooperation und zum Wissensaustausch zwischen allen Beteiligten an. Von Anfang an dabei ist die Fachhochschule Osnabrück, die den Wettbewerb in diesem Jahr im Juni ausgerichtet hat. Für die Roboter galt es, in speziell angelegten Maisfeldern verschiedenen Aufgaben zu bewältigen: Das Navigieren in gekrümmten Maisreihen, inklusive Wendevorgang, das Erkennen von Fremdkörpern in Form von Golfbällen und das Abfahren von Maisreihen stellten Herausforderungen unter extremen Bedingungen dar.
 
Intelligente Helfer
Was zunächst als technische Spielerei daher kommt, soll in Zukunft konkrete Bedürfnisse der Landwirtschaft befriedigen. Wo die Bauern unter Preisdruck stehen, da ist auch die Nachfrage nach Automatiserung groß. Ganz im Sinne einer effizienten Feldbearbeitung könnten die intelligenten Helfer nicht nur Unkraut beseitigen sowie Saatgut und Dünger ausbringen. Im Idealfall erkennen sie auch den Schädlingsbefall der Pflanzen und den Reifegrad der Früchte – und das alles ohne Fernsteuerung. Auch in anderen Bereichen besteht ein hoher Bedarf an Rationalisierung. „Die selbstfahrende Futtermischtechnik ist ein großes Thema“, verdeutlicht Jurymitglied Dr. Johannes Marquering.
Zehn Teams maßen sich während des Wettbewerbs in den verschiedenen Aufgabenstellungen. Die Fachhochschule selbst nahm mit  dem Team „Agronaut“ am Wettbewerb teil. Monatelang tüftelten 15 Studenten unter Anleitung von Ingenieurwissenschaftler Prof. Dr. Arno Ruckelshausen an ihrem Roboter und der Programmierung der dazugehörigen Software. „In den Wochen vor dem Event haben wir zwölf bis 16 Stunden täglich gearbeitet“, erklärt Teammitglied Timo Brenningmeyer. Chancen auf den Gesamtsieg rechneten sich die Osnabrücker dagegen nicht aus: „Das werden wohl die Teams aus Braunschweig und Helsinki unter sich ausmachen“, vermutet Brenningmeyer.
Und er sollte recht behalten: Die Studenten aus Helsinki um den Roboter mit dem schlichten Namen „4M“ überzeugten mit einem systematischen Konzept und einer sehr guten Umsetzung in die Mechanik, Elektronik und Software. Die Gruppe von der Technischen Universität Braunschweig trat mit ihrem Roboter „Helios“ an und platzierte sich hinter den Finnen auf dem 2. Rang. Vor drei Jahren wurde die Gruppe auf Initiative der Universität gegründet. Im Jahr 2006 hatte das neunköpfig zum ersten Mal an einem Wettbewerb in Hohenheim bei Stuttgart teilgenommen. Der Unterbau des damaligen Roboters stammte von einem Monstertruck, der mit entsprechenden Sensoren, einer Kamera und Software bestückt wurde. Nach einer damaligen Platzierung im Mittelfeld konnte die Gruppe im vergangenen Jahr den Gesamtsieg für sich verbuchen.
 
Praxisnahe Erfahrung
Auch verschiedene Diplomarbeiten der Studenten sind in die Weiterentwicklung von Helios eingebracht worden. Die Arbeit an dem Roboter ist daher nicht nur eine praxisnahe Erfahrung, sondern gleichzeitig auch eine Prüfungsleistung für die Teammitglieder. Auch die Braunschweiger haben über Wochen ihre gesamte Freizeit auf die Fertigstellung des Roboters verwendet und manche Nacht zum Tag gemacht. „Gefrühstückt haben wir mittags in der Mensa“, erklärt Markus Robert augenzwinkernd. Den Studenten im zehnten Semester reizen neben der Praxiserfahrung besonders die Fachgespräche und die beruflichen Kontakte während des Events. Und die waren während der Veranstaltung reichlich vorhanden, denn im Rahmen des Events fand auch eine Ausstellung von Firmen und Institutionen statt. Für die Studenten eine hervorragende Möglichkeit, sich durch ihre Arbeit zu positionieren und schon mal auf Tuchfühlung mit möglichen späteren Arbeitgebern zu gehen.
Nicht nur für Studenten bot der Field Robot Event Möglichkeiten, praktische Fähigkeiten zu präsentieren. Zum zweiten Mal wurde der Wettbewerb „Field Robot Junior“ ausgetragen, der auf große Resonanz stieß: Insgesamt 30 Schülerteams hatten einen einsatzbereiten Roboter und lieferten sich einen spannenden und unterhaltsamen Wettstreit. Die Roboter mussten innerhalb eines Parcours dem Verlauf einer weißen Linie folgen. Die Strecke war im ersten Abschnitt völlig eben, während der zweite Abschnitt wies dagegen Unebenheiten und Steigungen aufwies. Die zweite Aufgabe forderte ein Entlangfahren einer durch Banden und künstliche Maispflanzen begrenzten Strecke. Die ersten beiden Plätze errangen die Teams Kopi-Rob 1 und 2 vom Kopernikus Gymnasium in Rheine. Den dritten Platz teilten sich die Teams Kampfkekse und Blubb vom Goethe Gymnasium in Hamburg. Einige Universitäten präsentierten dem Publikum autonome Roboter, die schon fast das Stadium der Serienreife erreicht haben. Darunter befand sich auch der Mähroboter Casmobot, der an der University of Southern Denmark entwickelt wurde. Der Mäher könnte in Fußballstadien oder in Parkanlagen eingesetzt werden.
 
Zukunftsfähige Technik
Neben den Wettbewerben und Vorführungen kam der Wissens­austausch zwischen den betei­ligten Stundentengruppen nicht zu kurz. In einem wissenschaftlichen Symposium tauschten sich die Teilnehmer über den jeweiligen Entwicklungsstand aus. Ingesamt war auf dem Field Robot Event 2008 viel niedersächsisches Know-how vertreten. Sowohl die studentischen Gruppen als auch die Teilnehmer am Field Robot Junior überzeugten durch zukunftsweisende Leistungen.
 
Cornelia Bley

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