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03.09.2008
| 15:10
So klappt es mit dem Nachbarn
Familie Richter bewirtschaftet in Lastrup, Landkreis Cloppenburg, einen Betrieb mit deutlich über 500 Sauen, die Ferkel werden bis etwa 30 kg aufgezogen und überwiegend an Mäster in der Region verkauft, ein kleinerer Teil wird auf dem eigenen Betrieb gemästet. Die Wärme für die Ställe und auch das Wohnhaus liefert – kostengünstig – die Biogasanlage des Nachbarn.
Wärme wird verbraucht Mit der anfallenden Wärme des Blockheizkraftwerkes werden nicht nur die Ställe und das Wohnhaus von Familie Grever sowie eine Angestellten-Wohnung beheizt, sondern auch „Haus und Hof“ von Familie Richter und ein weiteres Zweifamilienhaus, das auf der Strecke zwischen Biogasanlage und Betrieb Richter liegt. Die Entfernung zwischen der Abzweigung der Wasserleitung beim betrieb Grever und dem Betrieb Richter beträgt etwa 150 m, die Kosten für die Verlegung einer isolierten Wasserleitung dazwischen teilten sich die beiden Landwirte, zusammen mit den Kosten für die „Verteilung“ der Wärme auf dem eigenen Betrieb investierte Familie Richter rund 37.000 €. Zugute kam ihnen dabei, dass ein Großteil der Abferkelabteile bereits mit Warmwasser beheizt wurde und hier keine großen Umrüstarbeiten notwendig wurden. Die Wasserleitung von der Biogasanlage kommt im Vorraum/Zentralgang des Aufzuchtstalles an, der direkt an den Abferkelstall grenzt. Hier im Vorraum ist der Wärmetauscher installiert, ebenso die Verteilung zu den vier einzelnen Wasserkreisläufen „Aufzuchtstall“, „Abferkelstall“, „Deckstall“ und „Wohnhaus“. Hier wird sowohl der Wasserdurchfluß als auch die Temperaturdifferenz zwischen ankommendem und zurückfließendem Wasser gemessen. Der Aufzuchtstall, der, wie schon erwähnt, direkt an den Abferkelstall anschließt, ist vor etwa zehn Jahren gebaut worden und auch ansonsten sehr gut wärmegedämmt. Er umfasst acht Abteile. Die Ferkel haben, eine Besonderheit im Betrieb Richter, alle Zugang zu einem Auslauf, der den Tieren je nach Witterung zur Verfügung steht. Um die Zuluft für diese Abteile zu erwärmen, wurde zum Einen am Anfang des Zentralganges, dort wo die Frischluft einströmt, ein Heißwasserkonvektor eingebaut. Dieser kann die Zuluft bereits im Zentralgang erwärmen. Vor den Zuluftöffnungen zu jedem Abferkel- und Aufzuchtabteil hat Familie Richter gebrauchte, entsprechend dimensionierte Heizkörper eingebaut, die die ausführende Heizungsfirma besorgte und die über den Klimacomputer gesteuert werden. Im Abferkelbereich werden die Ferkelnester größtenteils mittels Warmwasser beheizt, ein Rest wird noch per Elektroheizung und Gasstrahler versorgt. Diese sollen jedoch auch ausgetauscht werden, so Paul Richter. Im Deckbereich ist ebenfalls eine Fußbodenheizung mit Warmwasser eingebaut, die aber nur zum Einsatz kommen muss, wenn es draußen sehr kalt ist, der Wärmebedarf hier ist sehr gering. Bei niedrigen Außentemperaturen erwärmt noch ein Gaskonvektor den Wartestall. Außerdem werden beim Einstallen in die Aufzuchtabteile Gasstrahler für die Erwärmung der Nester eingesetzt. So musste er im letzten Jahr beispielsweise noch 5.500 € an Gaskosten an den örtlichen Stromversorger zahlen, im Jahr davor waren es 4.200 €. Die Hälfte des Gaspreises Noch in Betrieb ist der frühere Heizkessel für die Gasheizung der Ställe: „Er würde bei einem eventuellen Störungsfall der Biogasanlage die Heißwasserversorgung übernehmen“, erzählt der Landwirt. Außerdem wird der Heizkessel als Vor- und Rücklauf genutzt, um das ankommende, ca. 80 °C heiße Wasser auf dei gewünschte temperatur zu reduzieren. Für die abgenommene Wärme von der Biogasanlage zahlt Familie Richter jeweils die Hälfte des aktuellen Gaspreises, der im letzten Jahr beispielsweise gemittelt bei 5,5 Cent/kWh lag, 2006 hatte er noch 4,9 Cent/kWh betragen, sprich, pro verbrauchter kWh zahlte er somit 2007 beispielsweise 2,75 Cent weniger, als wenn er „normal“ Gas bezogen hätte. Der entsprechende Abnahmevertrag mit Walter Grever hat eine mehrjährige Laufzeit, sodass sich die getätigten Investitionen auf jeden Fall bezahlt machen werden. Im letzten Jahr lagen die Heizkosten im Betrieb Richter bei 33 €/Sau/Jahr inklusive der Ferkelaufzucht, 2006 waren es 29 €/Sau/Jahr gewesen. Laut Landwirtschaftsmeister Tobias Richter liegen die durchschnittlichen Heizkosten bei seinen Arbeitskreis-Kollegen etwa zwischen 40 und 45 €/Sau/Jahr. „Wir haben schon immer sehr großen Wert auf ‚Wohlfühltemperaturen’ sowohl im Abferkelstall als auch in der Aufzucht gelegt“, erläutert er noch zu den Zahlen, „und heizen seit der Anbindung an die Biogasanlage eher noch ein bisschen großzügiger.“ Gleiches gilt nach Auffassung auch seiner Eltern wohl auch für das Wohnhaus, das rund 300 qm groß ist. Grever erhält als Betreiber der Biogasanlage – neben der Vergütung von seinen beiden Nachbarn – für die genutzte Wärme zusätzlich den Kraft-Wärme-Kopplungs-Bonus, der derzeit bei 2 Cent/kWh liegt und das Ganze auch für ihn noch einmal lukrativer werden lässt.
Christa Diekmann-Lenartz
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