Landtechnik

Kooperation
04.02.2009 | 14:29

Es ist absolute Schlagkraft gefordert

In Ostfriesland, genau in der Region um Emden und Krummhörn, bereitet der gute Kleiboden nicht nur Freude. Starke Niederschläge stehen schon mal länger auf den Flächen und das Zeitfenster für die Bearbeitung bzw. Ernte ist nicht sehr groß.
 
Mit der neun Meter Universaldrille und dem Quadtrac wird deutlich weniger Fläche befahren und die Erträge sind steigen. Foto: Odinga
Unter anderem diese Faktoren haben Landwirt Gerhard Odinga aus Wybelsum dazu bewogen sich näher mit der Thematik „Bodenbearbeitung" zu beschäftigen. Wer im Jahresmittel mit 72 optimalen Mähdruschstunden auskommen muss, überlegt fast ständig, wie er zurecht kommt. Und auch das milde Lächeln von Berufskollegen aus anderen Ecken der Republik lässt die Ostfriesen kalt. Natürlich sind sie oft übermotorisiert, weil Schlagkraft und Flexibilität bei den Landwirten ganz oben auf der Liste steht. Oft sind 24 Stunden am Tag einfach noch zu wenig.
 
Acker- statt Grünland
 
Odinga hat den Betrieb vor neun Jahren von seinem Vater übernommen und sofort überlegt, wie man das Grünland besser nutzen kann. Zwei Drittel der Betriebsflächen bestanden aus dieser Nutzungsform, sonst Ackerland, die Erträge lagen z. B. bei 65 bis 70 dt/ha Weizen. Die Bodenbearbeitung wurde seinerzeit mit einem 125-PS-Schlepper und Dreischarpflug durchgeführt. Es folgte zweimal die Kreiselegge, dann die Drillkombination und Ringelwalze. Relativ wenig Chancen für hohe Erträge, geschweige denn Deckungsbeiträge. Es herrschte eine gewisse Unzufriedenheit bei ihm. Er stieß schließlich eher zufällig auf eine Direktsaatmaschine. Mit ihr probierte er viele Saatvarianten, um sich auf seinen Flächen an die Möglichkeiten der Maschine heranzutasten.
 
Er hat sich dann als Ackerbauer noch intensiver mit dem Grünland beschäftigt: „Heute sage ich, es ist kein Grünlandstandort, sondern er ist pflugfähig oder nicht." Speziell die Niederschläge, die im Jahresmittel zwischen 850 mm und 950 mm liegen, bereiten immer wieder Probleme auf den gepflügten Flächen, die bis zu 2,5 m unter dem Meeresspiegel liegen.
Von den Versuchen mit der Drillmaschine haben sich die Mulchsaatvarianten am effektivsten gezeigt, vom tiefen Lockern bis zum feinen Grubberstrich, je nach Bedingungen. Seine Weizenerträge liegen mittlerweile bei 85 bis 90 dt/ha, Winterraps um 45 dt/ha und die Kosten konnten erheblich gesenkt werden. Die eigenen Versuche mit der Mulchsaat auf den verschiedenen Standorten zeigten Erfolge und Berufskollegen begannen sich mehr und mehr mit seinem Verfahren zu befassen und stellten Fragen.
 
Sein Ackerbaukonzept: Für seine Sommerrapsvermehrung wird der Boden nach Stoppelbearbeitung im Januar/Februar einmal flach gegrubbert, weitere Früchte, die er dann aussät sind Ackerbohnen, Sommergerste und Hafer. „Sollten im Herbst schlechte Wetter- und Bodenverhältnisse herrschen und Winterraps nicht optimal ausgebracht werden können, dann lasse ich die Flächen liegen und es folgen die Sommerfrüchte", sagt Odinga. Bei Bedarf werden diese Flächen mit einem Tiefenlockerer im Herbst entsprechend bearbeitet. Der Amazone-Grubber Centaur (7,5 m breit) wird im Januar/Februar eingesetzt und die Fläche wieder glatt gezogen, nicht zu tief. „Es sollte ein schöner Grubberstrich sein, sodass die Fläche saatfertig ist, ohne Verdichtungen. Der Boden friert dann normalerweise noch mal durch, und mit Hilfe der Witterung setzt sich das Saatbett. Ohne jegliche Bearbeitung wird die Saat dann in den abgesetzten Boden gelegt", erklärt der Ackerbauexperte.
 
Das ganze System sei aber auch eine Frage der Fruchtfolge, denn man könne nicht erst Mitte März überlegen, was man nun aussäen möchte: „Ich muss meine Flächen kennen und wissen, was im Boden los ist. Ich muss sie fühlen. Auf pflügenden Betrieben ist der Arbeitsablauf häufig eingespielter und die Gewohnheit macht es selbstverständlich. Wenn man bei uns grubbert und nicht pflügt, hat man häufig das Gefühl, man muss sich rechtfertigen. Das sollte nicht sein. Jeder muss selbst erkennen, was für seine Person, seinen Betrieb und seine Böden das Beste ist. Wobei jeder für sich das Beste auch definieren sollte", betont Odinga.
 
Mitstreiter gefunden
 
Durch seine Ideen und Überlegungen zum Ackerbau, Bodenbearbeitung und Fruchtfolgen, kam er zum Schluss, dass auch ein Raupentraktor auf seinen Flächen Sinn machen würde. „Ich will die Flächen optimal bewirtschaften und den Boden gesund erhalten. Denn mein Nachfolger soll schließlich auch einmal viel Freude mit dem Betrieb haben", erklärt der Landwirtschaftsmeister.
 
Schließlich wurde die Idee einer Arbeitserledigungsgesellschaft, die AckerPower GbR mit rund 1.000 ha, geboren. Sieben Landwirte fanden sich und waren von der Bodenbearbeitung des Quadtrac mit dem Grubber überzeugt. So wurden der Schlepper und der Grubber in die GbR aufgenommen, voll finanziert und es wird nach Arbeitsleistung abgerechnet. Jährliche Kosten werden durch die geleisteten Stunden geteilt und die jeweiligen Stunden beim Landwirt abgerechnet. Aber auch die Möglichkeit des überbetrieblichen Einsatzes wird von der GbR angeboten. Voraussetzung ist, dass vorher alle Mitglieder zu ihrem Recht gekommen sind.
 
Die Maschine wird zentral gesteuert, das heißt, nicht der Landwirt fährt, sondern das Gespann wird mit Fahrer zu den jeweiligen Flächen beordert. Er ist dann auch mit für die Arbeitsqualität verantwortlich. Eine 9-m-Drillmaschine wurde inzwischen zusätzlich angeschafft, um den Boden auch bei der Saat noch weniger zu belasten und die optimalen Termine besser zu nutzen.
 
Mittlerweile hat sich Landwirt Odinga einen weiteren, gebrauchten, Quadtrac für seinen Betrieb gekauft. Er ist überzeugt, dass diese Maschinen sich wirtschaftlich und Boden schonend auf den ostfriesischen Flächen einsetzen lassen. Zusätzlich konnte er mit dieser Investition auch die Schlagkraft, auch der AckerPower GbR, deutlich erhöhen. Mehr Infos auch unter Tel. 0171-7516685.
 
Cord Leymann

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