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TitelgeschichtenLemwerder
11.03.2009
| 09:26
Vom Hobbyreiter zum Profizüchter
Wie ein selten gepflegtes Hobby zum leidenschaftlich ausgeübten Beruf werden kann, lässt sich sehr gut am Beispiel Gerd Sosath studieren: Bis vor 15 Jahren betrieb er auf seinem seit 1646 in Familienbesitz befindlichen Hof Bullenmast. Heute gehört er samt seiner Familie zu denjenigen Pferdezüchtern, die sich weltweit einen Namen gemacht haben.
Die „Karriere" des Pferdes begann als Seriensieger in rund 40 Springpferdeprüfungen. Als „Familienpferd" ist er seit neun Jahren beständig in Klasse S erfolgreich und hat mit allen drei reitenden Mitgliedern der Familie Sosath S-Springen gewonnen. Nun „jobben" er und zwanzig weitere Hengste von Anfang Januar bis Ende Juli zusätzlich als Samenspender auf dem Pferde- und Hengsthof Sosath in Lemwerder.
Ihr „Arbeitsplatz" ist ein kleiner Raum, in dem nicht viel mehr zu finden ist, als ein kleines Metallgeländer und eine – für menschliche Augen schwer zu erkennende – Stutenattrappe namens „Phantom". Wenn es einmal nicht von selbst klappen will, helfen Anblick und Beschnupperung einer echten Stute meist weiter. Diese bleibt dann, geschützt vor dem männlichen Luststurm, hinter dem Geländer in Sichtweite und wartet geduldig ab.
An der Attrappe vorbei
Auch drei qualifizierte „Besamungsbeauftragte" braucht es, damit die Samenabgabe der Hengste zum geschäftlichen Erfolg führen kann. Einer von ihnen hält und führt das Tier, während der zweite eine Art mit Plastik ausgefütterte und mit warmem Wasser gefüllte, große Röhre hält. Darin wird der an der Stutenattrappe vorbei geführte erigierte „Schlauch" des Hengstes eingeführt und der abgegebene Samen in einer kleinen Flasche aufgefangen. Weiter geht es in den Hygieneraum, wo das mit Samenflüssigkeit gefüllte Fläschchen über eine Durchreiche zum zwingend in einem separaten Raum agierenden dritten Mitarbeiter ins Labor gegeben wird. Dieser wiederum reinigt, misst und portioniert die Spende zu verkaufsfähigen Teilen, welche die moderne Besamungsstation dann letztendlich per Versanddienst in Richtung Kundschaft verlassen.
Insgesamt 21 Hengste, davon 20 in Lemwerder, zirka 30 Zuchtstuten und 50 Reitpferde nennt Gerd Sosath sein Eigen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Inga und seinen Kindern Janne und Hendrik hat er sich vollkommen der Reiterei verschrieben – was sich sowohl beim Vater als auch bei den Kindern schon in manch guter Platzierung bei Wettkämpfen gezeigt hat.
Viele Schritte folgten
Gerd Sosath selbst hat den im 17. Jahrhundert erbauten Hof, ein ehemaliges Rittergut, 1983 von seinem Vater übernommen. Damals war der Betrieb mit Hühnern, Bullen und Schweinen nur rein landwirtschaftlich ausgerichtet. Pferde stellten für den jetzigen Pferdezüchter ein Hobby dar. Eher zufällig ist es zum Beruf geworden: Mit seinem Hengst „Landor S" fuhr Sosath zu einer Körung nach Oldenburg und erhielt sofort sehr viele Besamungsanfragen. Gut 15 Jahre ist das nun her. Kurze Zeit später richtete er eine zunächst kleine Besamungsstation ein, für die er ein Jahr später die EU-Zulassung bekam. Der erste Schritt war getan, viele weitere folgen. Heute ist Sosath ein angesehener Pferdezüchter und Hengsthalter mit zehn festen Mitarbeitern und Kunden aus aller Welt.
Am Samstag, den 11. April weiht die Familie ihre neue Reithalle ein und veranstaltet für die Besucher einen Tag der offenen Tür mit verschiedenen Hengstvorführungen.
Peter Andryszak
Kontakt: Gemeinde Lemwerder, Stedinger Straße 51, 27809 Lemwerder, Tel.: 0421-67390, Internet: www.lemwerder.de
Lemwerder ist eine Gemeinde mit 7.500 Einwohnern. Sie und umfasst das Gebiet der
bis zur oldenburgischen Gebietsreform 1933 selbstständigen Gemeinden Altenesch und Bardewisch. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1063 n. Chr. Mit der Errichtung des Weserdeiches um 1100 begann die eigentliche Besiedlung, vorwiegend durch niederländische Einwanderer, des „Landes am Gestade“. Ein immer wiederkehrender Feind war das Wasser. Über 50 verheerende Sturmfluten haben das Land geprägt. Zuletzt löste die Flutkatastrophe von 1962 in der Folgezeit umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen aus. Bereits im Mittelalter gab es eine Fähre zwischen Lemwerder und Vegesack. Von 1500 bis 1862 stellte Lemwerder den weitaus größten Anteil aller Eismeermannschaften für den Robben- und Walfang. Die Nachfahren fanden Arbeit in den bis heute wachsenden Boots- und Schiffswerften am Stedinger Deich.
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