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TitelgeschichtenEversmeer
03.03.2010
| 09:37
Wo die „arme Sau“ mal Schwein hat
Das Paradies für Schweine liegt in einem kleinen Ort, hoch oben in Ostfriesland. Auf einer grünen Weide mit „Eigenheim“, inklusive täglicher Streicheleinheit und Leckerchen, dürfen sich die Sorgenkinder unter den Borstentieren für den Rest ihres Lebens sauwohl fühlen.
Unterschätzter Instinkt Hier, in Deutschlands einzigem Schweineparadies, können sie nach Herzenslust die Sau raus lassen, im Matsch wühlen und ihre Rüssel in die Frühlingssonne halten. Der Gnadenhof in Eversmeer gibt Tieren eine zweite Chance, um die sich sonst kein Schwein mehr kümmert. Es sind ausgesetzte Findelkinder, unerwünschte Hochzeitsgeschenke, Scheidungsschweine oder solche, die ihren privaten Besitzern einfach über den Kopf gewachsen sind. Gäbe es Sabine und Holger Duda nicht, würden sie als „arme Würstchen“ unweigerlich beim Schlachter landen. Damit das nicht passiert, haben die Beiden ein Freilandgehege auf ihrem Resthof eingerichtet. Derzeit tummeln sich 18 Ringelschwänze auf dem 10. 000 Quadratmeter großen Areal. Verhältnisse, von denen ein Schwein normalerweise kaum zu träumen wagt. Für sie und die Vereinsmitglieder der Schweinefreunde e.V. sind die „abgeliebten“ Borstenviecher eben mehr als Leberwurst und Schnitzel - liebenswerte Zeitgenossen, die ein würdiges Dasein verdienen. Der Bedarf an Beratung, Vermittlung oder einer letzten Zuflucht ist groß. Täglich klingelt bei den Duda‘s das Sorgentelefon. Aus ganz Deutschland, sogar aus Frankreich und Spanien rufen verzweifelte Menschen an, um die Schweineexpertin um Hilfe zu bitten. „Viele Leute, die sich spontan ein Minischwein anschaffen, ahnen gar nicht, was da auf sie zukommt“, bedauert Sabine Duda. „Die denken, das bleibt so klein. Aber irgendwann entwickle sich das süße Ferkelchen zur Zwei-Zentner-Schmusebacke. Und wenn die im Haushalt ihre instinkthaften Verhaltensweisen auslebt, hat das die Wirkung einer Abrissbirne! Kuscheln und Kraulen Um es ganz deutlich zu sagen: Die Tiere fangen an, die Tapete von den Wänden zu reißen und montieren auch mal die Fußleisten ab. Oder sie gucken, was sich unter dem Teppichboden befindet. Zudem ist die Haltung - selbst von Minipigs - in Wohngebieten verboten. „Wenn das Ordnungsamt dahinter kommt, müssen die weg“, erklärt Duda. Aber wohin? Der Tierarzt schläfert keine gesunden Tiere ein. Und zum Metzger? „Das bringen die meisten nicht übers Herz.“ Hauptberuflich ist Sabine Duda Krankenschwester Wenn sie von der Nachtschicht erschöpft nach Hause kommt, führt ihr erster Weg zum Schweine-Knuddeln. „Ich mach ein bisschen Quatsch mit denen, und schon geht’s mir wieder besser.“ Voller Begeisterung berichtet sie von der Intelligenz und den Eigenarten Ihrer Schützlinge. Hängebauchschwein James - sein Name leitet sich von der Ohrmarke 007 ab - habe das Kommando „Sitz“ innerhalb von zehn Minuten gelernt, viel schneller, als Hofhund Monti. Und Johannes, das Deutsche Edelschwein, verzieht die Schnute beim Kraulen zu einem seligen Grinsen. Kuscheln sei wichtig für die sensiblen Rüsseltiere. „Sie duften wie eine Mischung aus Maggi und Blümchen“, sagt die Hüterin vom Schweineparadies. Was stinkt, seien die Exkremente, und: „Geruchslose Kacke gibt’s nun mal nicht!“
Karin Peters
Das Schweineparadies beruht auf einer Initiative der „Schweinefreunde e.V.“ und ihrer 1. Vorsitzenden, Sabine Duda. Zusammen setzen sie sich für die Rettung, Unterbringung und artgerechte Haltung von Mini- und Großschweinen ein. Allerdings ist die Aufnahmekapazität des Gnadenhofes sehr begrenzt. Der Verein freut sich daher über jede erfolgreiche Vermittlung, die über das Internet erfolgt. Auch Patenschaften für die mit viel Sorgfalt, Fachverstand und Liebe betreuten Rüsseltiere sind zu vergeben. Ansprechpartnerin für „Notfälle“ ist Sabine Duda, Königsweg 1, 26556 Eversmeer. Internet: www.schweine-paradies.de
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