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TitelgeschichtenTarmstedt
29.06.2010
| 14:03
Mit neuen Impulsen präziser ackern
„Precision Agriculture“ ist kein Schlagwort mehr. Landwirte und Lohnunternehmer setzen dieses Werkzeug bereits erfolgreich zur Optimierung ihrer Betriebe ein. Die 62. Tarmstedter Ausstellung zeigt, was möglich ist. LAND & Forst sprach mit Henning Christian Paulsen, Vorsitzender des VDMA Fachverbandes Landtechnik, über innovative Technologien.
Die Effizienz steigern Die Eröffnungsfeier am 9. Juli steht unter dem Motto „Landtechnik gestern - heute - morgen“. Als Festredner konnte die Ausstellungsleitung den Landtechnik-Spezialisten und Geschäftsführer der Claas Vertriebsgesellschaft Henning Christian Paulsen gewinnen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich eine technische Revolution auf den Betrieben abgespielt. Was Landtechnik zu leisten vermag, verdeutlicht Paulsen mit einer Statistik: „In den 50er-Jahren hat ein Bauer etwa zehn Menschen mit seinen Erzeugnissen versorgt. Heute produziert er Lebensmittel für 134 Bürger!“ Vorbei ist in Deutschland die Zeit der kleinen „Schrebergärten-Betriebe“. Mit wachsender Fläche muss noch effizienter gearbeitet werden. Das schließt auch eine zunehmende Arbeitsteilung ein. So lohnen sich bestimmte Investitionen, wie die großen Mähdrescher oder Häcksler, bei der hiesigen Feldstruktur nur für überregional tätige Dienstleister. „Viele Landwirte konzentrieren sich heute lieber auf ihr Herdenmanagement, ihren Schweinemastbetrieb oder eben ihre Sonderkulturen. Da sind sie Spezialisten. Für das Raufutter oder die Getreideernte schalten sie einen Lohnunternehmer ein“, weiß der Experte. Die Effizienzsteigerung bei Mähdreschern sei inzwischen so enorm, dass die 600 PS starken Kolosse innerhalb von nur einer Stunde den täglichen Getreidebedarf einer 350.000-Einwohner-Stadt ernten können. Noch besser managen Eine umfangreiche Datenerfassung, wie im Kuhstall schon lange üblich, setzt sich nun auch draußen bei der Feldarbeit durch. Paulsen geht davon aus, dass zum Beispiel Navigationsgeräte auf Traktoren schon bald zum technischen Standard gehören. Damit erzielt der Landwirt „Pi mal Daumen“ eine Kostenreduzierung von 10 Prozent. „Ohne Navi muss ich überlappend fahren, um den Acker lückenlos zu bearbeiten“, lautet seine Begründung. „Das heißt, ich habe mehr Spritverbrauch, die Arbeit dauert länger und ich bringe mehr Dünger aus, als unbedingt nötig.“ Auch die Öko-Bilanz fällt für ihn so wesentlich freundlicher aus „Je präziser ich zum Beispiel Spritzmittel dosieren kann, desto besser für den Boden“ Im Idealfall würden sämtliche Aktivitäten auf den Höfen datenmäßig erfasst und vernetzt, um die Betriebe noch besser managen zu können. Deutschland ist heute weltweit führend in puncto Landtechnik. „Unsere Landwirte sind sehr gut ausgebildet“, ist Paulsen überzeugt. „Der Dialog, den wir als Landmaschinenhersteller mit diesen Praktikern führen, bringt neue, wirklich bahnbrechende Innovationen hervor.“ Die „old economie“ hat sich zur absoluten Zukunftsbranche entwickelt. Zumal Agrarflächen auch zunehmend für die Gewinnung von Bioenergie genutzt werden. „Wir müssen Neues wagen und ausprobieren. Man kann nur allen jungen Leuten raten, einen Beruf in der Landwirtschaft, der Landtechnik oder der vor- und nachgelagerten Industrie zu ergreifen“, macht er dem Nachwuchs Mut.
Karin Peters
„Precision Agriculture“ bezeichnet ein Verfahren zur ortsdifferenzierten und zielgerichteten Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen. Sinn und Zweck dieses Präzisions-Ackerbaus ist es, die natürlichen Unterschiede des Bodens und der Erntefähigkeit innerhalb eines Feldes zu berücksichtigen und die Produktionsmittel bedarfs- und umweltgerecht zu dosieren. Dabei kommen zum Beispiel Traktoren und Landmaschinen mit satellitengesteuerten Lenk- und Spurführungssystemen, GPS-gestützter Leistungserfassung und technischer Funktionskontrolle zum Einsatz. Millimetergenau verrichten sie ihre Arbeit auf dem Feld. Die punktgenaue Dosierung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln führt zur Kostenreduktion und ökologischen Entlastung.
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