Forstwirtschaft

Neuheitenwettbewerb
21.07.2010 | 11:18

Interforst: 12 mal Gold für Forsttechnik

Nach einem fünftägigen, im wahrsten Sinne des Wortes hitzigen Messebetrieb ist am vergangenen Sonntag die Interforst 2010 auf dem Münchner Messegelände zu Ende gegangen – mit zufriedenen Besuchern, zuversichtlichen Ausstellern und zwölf herausragenden Neuentwicklungen, die Antworten auf die gestiegenen technischen Anforderungen geben.
 
Auch vermeintlich ausgereifte Technik bietet noch Entwicklungspotenziale. Das bewiesen findige Entwickler, die mit einer Fülle von Neuheiten auf der Interforst aufwarteten. Foto: Messe München International
Der Optimismus ist in die Forstbranche zurückgekehrt. Zu dieser Ansicht kommen einhellig die an der diesjährigen Forstausstellung Interforst beteiligten Untenehmen und die Messeleitung. Die Positivmeldung machen sie an Rekordergebnissen und erreichten Geschäftsabschlüssen fest: 410 Aussteller, die 10 % mehr Fläche beanspruchten, mit einem deutlichen Plus bei den ausländischen Ausstellern; dazu eine hohe Resonanz bei den 50.000 Besuchern aus 80 Ländern – alles in allem Erfolge, die noch im vergangenen Jahr undenkbar gewesen wären.
 
Es liegt im Wesen einer Messe, dass die Aussteller mit ihren neuesten Entwicklungen aufwarten. Zwölf besonders innovative Neuheiten wurden auf der Interforst mit der Innovationsmedaille des KWF (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.) ausgezeichnet. (Das KWF, das als gemeinnütziger Verein bundesweit und länderübergreifend tätig ist, prüft und zertifiziert forstliche Arbeitsmittel und Schutzausrüstung und vergibt das KWF-Gebrauchswertzeichen, das KWF-Testzeichen, aber auch die DPLF- und GS-Zeichen.)
 
Für die Prämierung wählte eine herstellerunabhängige Expertenkommission aus den Bereichen Arbeitssicherheit, Holzernte, Holzbringung, Bioenergie sowie Bodenschutz und Forstschutz nach folgenden Kriterien aus: die Funktion des Produktes musste sich entscheidend geändert haben; durch den Einsatz sollte ein neues Verfahren ermöglicht oder ein bekanntes Verfahren wesentlich verbessert werden; zudem sollten positive Auswirkungen auf den Gebrauchswert, auf die Betriebswirtschaft, den Arbeitsschutz, die Umwelt und die Energiesituation zu erwarten sein.
 
Der KWF-Neuheitenwettbewerb wurde bereits zum fünften Mal ausgetragen. Die begehrten Auszeichnungen erhielten in den verschiedenen Bereichen folgende Produkte:
 
Produktbereich Holzernte:
 
HSM Hohenloher Spezial-Maschinenbau entwickelte das Energiespeichersystem im Harvester HSM 405H2. Es bietet die für kurzzeitige Spitzenbelastungen erforderlichen Leistungsreserven und sorgt für beschleunigtes Ansprechen der Hydraulik bei geringerem Leistungsinput. Durch reduzierten Schadstoffausstoß und Verschleiß sowie der Geräuschminderung entsteht eine verbesserte Gesamtleistungsbilanz.
 
Gleich zwei Medaillen erhielt Stihl: In der Motorsäge Stihl MS 261 wurden in der Profiklasse erstmals alle neusten ergonomischen und schadstoffreduzierenden Motorsägenkomponenten in einer Maschine vereint. Dies verspricht bei guter Leistung auch große ergonomische und sicherheitstechnische Vorteile.
 
Eine Zusammenführung aller verschleißfreien Werkzeuge für die Wartungsarbeiten an der Motorsäge in einem Multitool bietet das Stihl Multifunktionswerkzeug. Mit dem Tool, das in einer Tasche am Arbeitsgurt getragen werden kann, ist man auch im Wald stets mit den richtigen Werkzeugen ausgerüstet.
 
Produktbereich Bodenschutz:
 
Schonende Befahrung von Gelände und Straße gewährleistet ein neuartiger Direktantrieb von Haas Maschinenbau.
Der neuartige Direktantrieb für Rückezug und Harvester mit Gummielementband, entwickelt von Haas Maschinenbau, gestattet die schonende Befahrung von Gelände und Straße ohne Umrüstung. Bei gleicher Zuladung werden im Gelände deutlich geringere Spurtiefen verursacht.
 
Produktbereich Bioenergie:
 
Guntamatic Heiztechnik wurde für den leistungs- und feuerungsgeregelten Stückholzvergaserkessel Guntamatic Biosmart ausgezeichnet. Der „Beistellkessel" ist mit 14 kW bzw. 22 kW Leistung ausgestattet und besitzt eine hochwertige Regelungstechnik mit permanenter Kontrolle der Verbrennungsqualität durch eine Lambdasonde. Diese Technologie ermöglicht eine effiziente, umweltfreundliche und komfortable Nutzung der Biowärme aus Holz bei Einhaltung der verschärften Grenzwerte der novellierten BImSchV Stufe 1.
 
HDG Bavaria hat eine neuartige Heizbox mit Schubboden-Raumaustragung entwickelt, die es ermöglicht, dass die Heizzentrale und das Brennstofflager für Biomassefeuerungen schnell, variabel und entsprechend den brandschutzrechtlichen Vorschriften erstellt werden können. Zudem gewährleistet die HDG Heizbox eine sichere Brennstoffzuführung. Die direkte Befahrbarkeit und das aufschiebbare Dach ermöglichen eine schnelle und einfache Befüllung des Brennstofflagers mit landwirtschaftlichen Kippern.
 
Produktbereich Holzbringung:
 
Mit einer Ergänzung des Stratos Seilprogramms hat Teufelberger nicht nur Arbeitserleichterung herbeigeführt, sondern auch einen Zugewinn an Sicherheit. Der „Stratos Easyglide" Seilgleiter zeichnet sich durch ein geringes Gewicht aus, das durch die Verwendung von hochfestem Kunststoff und einer Seilschlinge aus UHMPE Faser zur Aufnahme einer Verbindungslasche erreicht wird. Der große asymmetrisch ausgeführte Seileinlauf mit großem Umlenkradius und guten Gleiteigenschaften reduziert das Abdrücken und Aufreiben des Seiles durch die Chokergleiter. Der Seilpuck weist neben geringem Gewicht eine vertiefte Seilführung für quetschfreies Auflaufen der Seilgleiter auf.
 
Der WF trac 2010 der Werner GmbH Forst- und Industrietechnik ist ein Forstspezialschlepper mit Drehkabine und Achsschenkellenkung der neuesten Generation und mit modernster SCR Motorentechnologie. Die modulare Bauweise sichert Flexibilität beim Andocken verschiedenster Arbeitseinheiten in der Holzernte für Kurz- und Langholz.
 
Bereich Arbeitssicherheit
 
Das neuartige AKS (Anti-Kipp-System) der Firma Biastec KG für Forstschlepper mit Funkseilwinden überwacht permanent die Fahrzeugneigung während des Zuzugs und stoppt die Seilwinde bei Kippgefahr.
 
Der Forstschutzhelm Protos Integral von Pfanner Schutzbekleidung ist ein spezieller Forsthelm mit Gesichts- und Gehörschutz als Integral-Lösung. Er verspricht mehr Sicherheit, höheren Tragekomfort, leichtere Bedienbarkeit, besseren Schweißtransport und besseren Halt am Kopf.
 
Das Gemeinschaftsprojekt RIBADE, ein Forstwindenprüfsystem gestattet die Überprüfung der Qualität und sicheren Funktion von Forstwinden. Es liefert und dokumentiert aussagekräftige, vergleichbare Ergebnisse bei minimalem Aufwand. Mit einem speziell entwickelten Datenerfassungssystem werden die Messwerte in einem anerkannten Mess-protokoll erfasst.
Produktbereich Forstschutz:
 
Mit der Complion (TM) Technologie bietet BASF ein neues wirkungsvolles und umweltschonendes Forstschutzverfahren für Holzpolter gegen rindenbrütende Insekten an, bei dem die Nachteile bisheriger Spritzverfahren nicht mehr auftreten sollen.
 
Heidrun Mitze

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