Soziales

Diskussionen
06.09.2007 | 16:49

Die Entwicklung ländlicher Räume mitgestalten

Die jährliche Klausurtagung des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) fand in diesem Jahr beim Landesverband Niedersachsen-Hannover in Lüneburg statt. Das Thema lautete „Wie verändert die Energieproduktion ländliche Räume - das Beispiel Gorleben im Wendland.
 
Die erste dlv-Vizepräsidentin Hannelore Wörz (li.) und dlv-Hauptgeschäftsführerin Dr. Evelyn Schmidtke verfolgen die Klausurtagung zumt Thema "Wie verändert die Energieproduktion ländliche Räume?" Foto: Breitenfeld
Es ist das erste Mal, dass auf einer Klausurtagung des dlv ein Thema aufgegriffen wird, das sich aus der Region ergibt, berichtet Brigitte Scherb. Gorleben ist nicht weit von Lüneburg entfernt und dieser Ort ist bundesweit nur bekannt als Brennelemente-Lager, als Zentrum des Anti-Atomkraft-Protestes, einer Gegend, in der vermummte Gestalten gegen die Anlieferung weiteren Materials für das Brennelemente-Lager protestieren. „Wir haben heute erst erfahren, dass sich in Gorleben zwar das Zentrallager befindet, dass die Behälter aber bisher oberirdisch gelagert werden", erzählt die Präsidentin des dlv.
Während die LandFrauen ihre Klausurtagung abhielten, protestierten Hunderte von Atomkraftgegnern vor dem Atommüllzwischenlager in Gorleben. Die Demonstranten machten auf die ungelösten Fragen der Endlagerung von Atommüll aufmerksam. Der Protest gegen die geplante Atommülllagerung im Salzstock Gorleben geht im schönen Wendland bereits in die dritte Generation. Marianne Fritzen, die 83-jährige Atomkraftgegnerin der ersten Stunde war auch diesmal wieder dabei. Aber zuvor hat die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz den Bundesvorsitzenden der LandFrauenverbände im Hotel Bergström die Problematik von Gorleben und des Wendlandes erklärt.
 
Zukunft des ländlichen Raumes
Die Demokratie habe in diesem Landstrich schweren Schaden genommen. Gorleben habe die Regionen gespalten , leider auch in den Familien - zwischen Eltern und Kindern. „Dabei ist dieser Landkreis eine Region mit der größten Dichte an ökologischen Betrieben", stellt Scherb fest. „Hier gibt es sehr viele Direktvermarkter und Hofcafebetreiber."
Mit Vertretern der Brennelemente-Lagergesellschaft, Bürgerinitiativen des Umweltschutzes und Jürgen Schulz, Landrat des Kreises Lüchow-Dannenberg diskutierten die LandFrauen die Problematik dieser Region. Aber auch, ob die Landwirtschaft Vorteile für die Erzeugung von Biostrom ziehen kann. „Ist es langfristig gesehen überhaupt möglich, genügend Strom mit der Landwirtschaft zu erzeugen?" Mit dieser Frage setzten sich die LandFrauen sehr auseinander.
 
Politik der kleinen Schritte
Aber es ging nicht nur um die Energieproduktion der ländlichen Räume. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff griff das Thema „Ehrenamt im ländlichen Raum" auf. Der Ministerpräsident machte den LandFrauen deutlich, dass er ihr Engagement sehr schätze. „Ehrenamt war und ist uns immer wichtig", bekräftigte Scherb, „denn wir wollen die gesellschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum mitgestalten. Die dlv –Präsidentin zeigte sich allerdings enttäuscht, dass das Engagement bei der Reform des Gemeinnützigkeitsrechts keine Beachtung gefunden habe. „Wir haben gefordert, dass unsere Ortsvorsitzenden in die sogenannte Übungsleiterpauschale mit einbezogen werde. Das sei leider nicht der Fall, bedauerte Scherb. Es konnte nur ein kleiner Erfolg erzielt werden: jährlich können jetzt 500 Euro für ehrenamtliches Engagement abgesetzt werden.
 
Informationsfahrt in den Landkreis
Nach all den vorangegangenen Diskussionen fand am Samstag eine Informationsfahrt des dlv in den Landkreis Lüchow-Dannenberg statt. Stationen waren nicht das Brennelementelager in Gorleben, sondern die wirtschaftliche Bedeutung dieses Landstrichs wurden vorgestellt: ein Milchviehbetrieb in Hitzacker, die Firma Steinicke, die die Nahrungsmittelindustrie mit Gewürzpflanzen beliefert; sowie das Stoffkontor Kranz in Lüchow. Hier werden Stoffe aus Brennesseln hergestellt. 
Maria Zdravkovic

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