Agrardiesel und die wirtschaftlichen Folgen: Wettbewerbsnachteile
Das „grüne Kennzeichen“ bleibt, teilte die Bundesregierung mit. Doch es soll auch bei dem schrittweisen Abbau der Agrardieselbeihilfe bleiben. Was bedeutet die Kürzung für die Betriebe aus wirtschaftlicher Sicht?
Folgen für die Betriebe
In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Folgen die Kürzungen der Agrardieselbeihilfe für die Betriebe wirtschaftlich haben werden.
Für einen durchschnittlichen Haupterwerbsbetrieb betrug die Erstattung von 21,48 Cent/l Diesel im Wirtschaftsjahr 2020/2021 insgesamt 2.883 Euro. Im Einzelfall sind aufgrund der betrieblichen Gegebenheiten große Unterschiede festzustellen. In der Landwirtschaft gibt es viele energieintensive Prozesse auf dem Acker und in der Nutztierhaltung. Bei Milchviehbetrieben schlägt vor allem die Grundfutterbereitstellung beim Dieselverbrauch zu Buche. Ein mittlerer Milcherzeuger erreicht hier schnell die 10.000-l-Marke.
Welche Betriebsform hat welche Einbußen?
Je nach Betriebsform machte die Agrardieselvergütung je Unternehmen laut dem Agrarbericht 2023 der Bundesregierung folgende Beträge aus:
- Ackerbau 3.886 Euro,
- Gartenbau 935 Euro,
- Weinbau 746 Euro,
- Obstbau 1.052 Euro,
- Milch 3.238 Euro,
- sonst. Futterbau 2.176 Euro,
- Veredlung 2.257 Euro,
- Gemischtbetrieb 3.017 Euro.
Durchschnittliche Mehrkosten
Durch die Kürzungen haben die Betriebe durchschnittliche Mehrkosten von etwa zehn Euro/ha in 2024, in 2025 etwa 19 Euro/ha und 2026 etwa 28 Euro/ha. Das entspräche für 2024 im Mittel einem Verlust von etwa 1.000 Euro und ab 2027 von knapp 3.000 Euro je Betrieb. Viehstarke Milchviehbetriebe sind besonders stark betroffen.
Die Medien beziehen sich häufig auf das Wirtschaftsjahr 2022/2023, in dem das Unternehmensergebnis der Landwirte nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes bundesweit im Schnitt um 45 Prozent auf 115.000 Euro gestiegen ist. Daraus wird dann abgeleitet, dass der ökonomische Schaden „verkraftbar“ sei.
Abgesehen davon, dass das zurückliegende Wirtschaftsjahr ein Ausnahmejahr war, sollte aufgrund der großen Preis- und Kostenschwankungen nicht auf einzelne Wirtschaftsjahre geschaut werden, sondern auf den Durchschnitt mehrerer Jahre.
Höhere CO2-Steuer
Dazu kommt, dass die CO2-Steuer für fossile Energieträger auf 45 Euro/t CO2 erhöht wurde, fünf Euro höher als zuvor geplant. Dies führte ab Januar 2024 zu einer Preiserhöhung bei Diesel um circa 4,5 Cent/Liter.
Zudem steigen die nationalen Kosten im Agrarbereich aufgrund der höheren CO2-Bepreisung bis 2027 und addieren sich zu weiteren Wettbewerbsnachteilen. Ab 2026 steigt der nationale CO2-Preis auf 55 bis 60 Euro/t, das bedeutet etwa 19 Cent/Liter Diesel. Die Kosten beider Maßnahmen liegen bei einem Agrardieselverbrauch von zwei Milliarden Liter/Jahr ab 2027 laut BMEL voraussichtlich bei rund 700 Mio. Euro/Jahr. Nicht nur im Ackerbau geht Deutschland in vielen Bereichen weit über den von der EU gesetzten Standard hinaus, wenn man die nationalen Umwelt-, Tierschutz- und Sozialstandards berücksichtigt. Gleichzeitig werden internationale Handelsabkommen vorangetrieben, die den Preisdruck an den EU-Agrarmärkten erhöhen dürften.
Verzerrter Wettbewerb
Fazit
- CO₂-Steuer und Agrardieselkürzung summieren sich ab 2027 auf Zusatzkosten von rund 700 Mio. Euro
- Viehstarke Futterbaubetriebe sind überproportional betroffen
- Der EU-Vergleich zeigt, dass Deutschland eine Spitzenposition bei den Agrardieselpreisen einnimmt
- Ende Januar wird der Bundestag über den Agrar- und Bundeshaushalt beschließen
- Für Anfang Februar ist die Abstimmung im Bundesrat geplant