Albert Schulte to Brinke, Präsident des Landvolk Niedersachsen
Maren Diersing-Espenhorst | am

Abschieds-Interview: Niedersachsens Landvolk-Präsident zieht Bilanz

Am 3. Dezember wird gewählt: Nach fast vier Jahren macht Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke Platz für einen Nachfolger. Im Interview zieht er Bilanz zu seiner Amtszeit.

Herr Präsident, sind Sie schon aufgeregt, wenn Sie an die Wahl denken?

Albert Schulte to Brinke: Ich kann mir das im Moment noch gar nicht vorstellen. Es ist noch so viel los, da bleibt einiges für meinen Nachfolger zu tun. Doch wir haben im Landvolk Niedersachsen das Glück, zwei sehr gute Kandidaten zur Wahl präsentieren zu können. Das gab es in der Geschichte des Landvolks bisher so nicht, die Spannung war noch nie so groß.

Was würden Sie als Erfolg sehen?

Albert Schulte to Brinke: Das ist ganz klar der Niedersächsische Weg. Ohne die Kompetenz der Mitarbeiter in der Landvolk-Geschäftsstelle in Hannover wäre das nicht machbar gewesen. Die Skepsis war anfangs im Vorstand riesengroß, es gab viel Gegenwind. Gerade die Vertreter der Grünlandregionen meinten, dass ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Wir haben einen Riesenschritt gemacht, wir haben mit den politisch Verantwortlichen eine neue Form der Diskussion auf Augenhöhe etabliert. Bei Umweltproblemen, von denen wir besonders betroffen sind, können wir mitreden – statt immer neue Auflagen übergestülpt zu bekommen. Davon war am Ende unser Vorstand überzeugt und votierte einstimmig. Der Niedersächsische Weg dient nun als Blaupause für weitere Themen und kann auch in anderen Bundesländern Vorbild sein.

Was ist nicht so rund gelaufen?

Albert Schulte to Brinke: Die Landesdüngeverordnung ist überhaupt nicht zufriedenstellend für uns. Das Verursacherprinzip ist nach unserer Meinung nicht umgesetzt und die Mangelernährung unserer Pflanzen mit der Minus-20 Prozent-Düngung unter dem Bedarf der Pflanzen wird uns auf lange Sicht auf die Füße fallen.

Wir brauchen eine Perspektive für Betriebe, die nicht Teil des Problems sind, die ihre Düngung in Ordnung haben. Schon dieses Jahr konnten wir nicht genug Qualitätsbackweizen ernten. Hält die Politik daran fest, wird zukünftig der gesamte Qualitätsweizen importiert werden. Die Mühlen kaufen jetzt schon aus dem Ausland zu.

Welche Probleme stehen aktuell für Bauern und Landvolk an?

Albert Schulte to Brinke: Der Schweinepreis macht unseren Schweinehaltern und Ferkelerzeugern große Sorgen. Ich sage ganz deutlich: Da stopfen sich manche auf Kosten der Bauern die Taschen voll.

Die Handelsspanne war noch nie so groß wie heute: Die Schweinepreise sind im Keller, die Verbraucherpreise für Waren in den Läden sinken aber nicht. Das kann und wird so nicht weitergehen. Ich höre immer öfter, dass viele Schweinehalter aufhören wollen. Dann gibt es Schweine und Ferkel aus dem Ausland, wo die Tierschutzstandards geringer sind als bei uns.

Ist das gewollt? Tierschutz ist wichtig, aber wir brauchen endlich einheitliche Regeln für unseren gemeinsamen Markt. Wir müssen die Ausgestaltungsmöglichkeiten, die die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung noch bietet, nutzen, sonst ist hier wie einst bei den Enten und Hühnern Feierabend! Das Flüssig-Ei für unsere Nudeln und Backwaren kommt schon lange nicht mehr aus Deutschland, genau wie viele der Enten. Das können wir in der Sauenhaltung nicht akzeptieren.

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