Traktoren als Mahnwache vor Aldi
Christel Grommel | am

AGRARDIALOG erzielt erste Ergebnisse

Landwirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Verarbeitungswirtschaft haben im AGRARDIALOG mehrere Modellprojekte auf den Weg gebracht.

In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Konflikten zwischen dem LEH und der Landwirtschaft, es gab zahlreiche Proteste. Grund waren Preispolitik und Wertschöpfungskette. Nun will man gemeinsam produktive Lösungen erarbeiten. 

Der AGRARDIALOG ist eine Gesprächsplattform, an der Vertreter landwirtschaftlicher Gruppierungen (Land schafft Verbindung e. V., LsV D, Europäisches Milchboard EMB, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM, FREIE BAUERN, 39/60) und der LEH-Unternehmen Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl und Rewe teilnehmen. Auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) ist dabei. Ziel ist es, wirksame Lösungen zu erarbeiten, die einen Beitrag zur Stärkung der Landwirtschaft in Deutschland leisten können.

Mit den Modellprojekten erproben die Arbeitsgruppen mehrere Ansätze zur Stärkung landwirtschaftlicher Erzeuger. Die vereinbarten Maßnahmen sind ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg, die deutsche Landwirtschaft langfristig zu stärken.

Die Vertreter der teilnehmenden Organisationen und Unternehmen haben sich in den Arbeitsgruppen Milch, Schwein und Herkunftskennzeichnung auf diverse Maßnahmen verständigt.

Schwein: Wertschöpfungskette verbessern

Die AG Schwein analysiert die Rahmenbedingungen für eine gemeinsame vertragliche Zusammenarbeit auf Basis der Vollkosten und Risikozulagen in der Produktion der gesamten Wertschöpfungskette. Mit der Erhebung von Datengrundlagen (Produktionsdaten, Mengen, Kosten, Kundenstrukturen, Qualitäten, Veredelungstiefe), ihrer Kalkulation und vertraglichen Einbindung soll unter strikter Beachtung aller kartellrechtlichen Anforderungen ein besseres Verständnis der Wertschöpfungskette untereinander erreicht werden.

Dabei wird sowohl der Strang "Fleisch in Selbstbedienung" als auch der Strang "Bedientheke" bearbeitet. Im Projekt engagieren sich Schweinehalter (Ferkelerzeuger und Mäster), Unternehmen der Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung sowie der Lebensmitteleinzelhandel.

AG Milch: Lieferbeziehungen modernisieren

In der AG Milch werden verschiedene Wege, wie für die Milchviehhaltung potenziell höhere Erlöse in der Wertschöpfungskette nachhaltig erzielbar wären, ausgelotet. Dabei werden diverse Möglichkeiten der Mehrwertgenerierung, die auf eine Verminderung der Austauschbarkeit zielen, in Vergleich zu einem Basisprodukt herausgearbeitet und priorisiert. Im Mittelpunkt stehen hier die Fragen, welche Leistungen und Qualitäten zu Mehrwerten führen können und wie die Staffelung der einzelnen Zusatzleistungen und ihr Mehrwert gestaltet werden kann.

Intensiv wird vor allem über die aus Sicht der landwirtschaftlichen Vertreter notwendige Modernisierung der Lieferbeziehungen diskutiert. Die Vertreter der Landwirtschaft sehen zwingenden Handlungsbedarf für die Installierung marktwirtschaftlicher Instrumente, die zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Marktstellung und zu einer nachhaltigen Anhebung des Milcherzeugerpreisniveaus führen. Mit einer mit jeweils drei Vertretern der Molkereiwirtschaft und Landwirtschaft besetzten Unterarbeitsgruppe sollen gemeinsam getragene Lösungsansätze erarbeitet werden.

Herkunftskennzeichnung für Produkte

Die AG Herkunftskennzeichnung wird Modellprojekte zur Herkunftskennzeichnung bei ausgewählten Milchprodukten, Fleisch, Mehl und für frische Salate konzipieren. Neben technischen Prozessen sind die notwendigen Voraussetzungen zur Trennung von Herkünften und Ihrer Deklaration zu klären.

Die Kennzeichnung soll gemeinschaftlich und freiwillig sein und Handels- als auch Herstellermarken umfassen. Dabei werden die Erkenntnisse aus den AG Schwein und Milch integriert.

"Eine produktive Zusammenarbeit"

Jürgen Beselbecke von Land schafft Verbindung (LsV) sieht die Zusammenarbeit positiv: "Die landwirtschaftlichen Gruppen arbeiten gut und ergebnisorientiert zusammen. Die Arbeitsgruppen agieren produktiv."

Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten sei man auch mit dem LEH auf einem produktiven Weg und arbeite sehr gut zusammen. 

Mit Material von PM AGRARDIALOG
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