Weizenernte in der Ukraine

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Meinung | Madeline Düwert | am

Agrarpolitik ohne Denkverbote

Der Ukraine-Krieg hat schwere Folgen, viele sind noch gar nicht richtig abzusehen. In der Agrarpolitik ist deshalb ein Umdenken ohne Verbote notwendig.

Hufgeklapper, ein Schnauben, vielleicht ein Wiehern – hört sich so das Ende an? Erst kam ein Reiter und brachte uns die Seuche, der zweite Reiter brachte uns den Krieg, der dritte den Hunger und der vierte den Tod. So werden die vier apokalyptischen Reiter in der biblischen Offenbarung des Johannes beschrieben. Sie sind die vier Boten, bevor es zur Apokalypse, zum Jüngsten Gericht kommt. Und in letzter Zeit muss ich immer öfter an sie denken. Denn diese Weissagung passt zu unserer derzeitigen Situation – erschreckend! Doch diese Aussichten sind mir zu düster.

 

Özdemir beharrt auf Klimaleistungen

Lethargisch ließ Bundesagrarminister Cem Özdemir vor Kurzem noch verlauten, dass in Deutschland aufgrund des Krieges keine Auswirkungen bei der Versorgung mit Lebensmitteln zu erwarten sind. Für Deutschland sind die Weizenimporte aus der Ukraine mit 0,3 Prozent tatsächlich verschwindend gering. Der ukrainische Anteil für Raps und Sonnenblumen liegt laut Bundesamt für Statistik allerdings bei 8,4 Prozent und für Mais bei fünf Prozent. Trotzdem alles halb so schlimm, beteuert der Grünen-Politiker. So sehr, dass er sein Ökoflächen-Ziel fest im Blick behält und weiter auf Klima- und Umweltleistungen der Landwirte setzt. Zurecht fand Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast dafür klare Worte: Das ist Untätigkeit!

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Der Ukraine-Krieg wird für Hunger sorgen

Denn es geht um so viel mehr. Es geht nicht nur um uns, die auf der Insel der Glückseligen immer noch – zwar teurere, aber wahrscheinlich ausreichende - Nahrungsmittel haben werden. Es geht vor allem um die ärmeren Schwellen- und Entwicklungsländer, die viel abhängiger von russischen und ukrainischen Importen sind als wir. Allein aus der Sahel-Zone in Afrika werden etwa 30.000 Flüchtlinge erwartet, die wegen des Hungers ihr Land verlassen.

In Russland sieht es nicht besser aus, bringen die Wirtschaftssanktionen den für unabhängig gehaltenen Riesen doch tatsächlich ins Wanken: Nach Einschätzungen der US-Großbank JPMorgen, wird die russische Wirtschaft einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt könnte um 20 Prozent schrumpfen und die Inflation wird bei mindestens zehn Prozent liegen. Damit wird Putin die russische Bevölkerung nicht nur ärmer machen, sondern sicher auch hungrig.

Jetzt muss Özdemir richtig entscheiden

Nur gut, dass Otte-Kinast gemeinsam mit ihren Amtskollegen jetzt auf den Tisch haut – in Berlin, aber auch in Brüssel. Denn in der Burg Warberger Erklärung fordern sie Cem Özdemir und die EU zum Umdenken auf. Sie wollen eine Agrarpolitik ohne Denkverbote, die von Ökozielen erst einmal ablässt, um die Ernährung zu sichern. Pauschale Flächenstilllegung im Tausch gegen Krisenfestigkeit!

Aber ist Özdemir schon so weit? Er muss sich jetzt trauen, richtige Entscheidungen zu treffen. Die Landwirte sind dazu bereit, wenn er sie lässt. Das könnte jetzt ihre Sternstunde werden, indem sie das tun, was sie am besten können: zuverlässig Lebensmittel produzieren. Dann wäre auch klar, dass sich eine Offenbarung nicht immer erfüllen muss. Denn die deutsche Landwirtschaft ist stark.

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