Bauernprotest vor Aldi-Zentrallagern in Niedersachsen
Maren Diersing-Espenhorst | am

Aldi-Proteste: Molkereien werden unter Druck gesetzt

Bauern demonstrierten vor Lagern von Aldi-Nord. Aldi gibt auf Anfrage der LAND & FORST an, dass man sich für die Verhandlungen an Weltmarktpreisen orientiere.

Landwirte demonstrierten am vergangenen Wochenende vor Lagern von Aldi-Nord. In Hesel im Landkreis Leer standen am Abend rund 300 Traktoren vor dem Betrieb, wie die Polizei mitteilte. In Weyhe bei Bremen demonstrierten rund 100 Landwirte mit ihren Traktoren. Bereits am Donnerstag hatten sich dort rund 20 Trecker positioniert.
Hintergrund dieser Proteste ist, dass Aldi die Molkereien unter Druck setzt. Ausgangspunkt ist der neue Verhandlungsstil des Aldi Global Sourcings, berichtete die Lebensmittel Zeitung vergangene Woche. Demnach verhandelt diese Einkaufszentrale in Salzburg die Kontrakte für Aldi Nord und Süd gemeinsam. Dabei habe der verantwortliche Einkäufer, Nicholas Bond, den Verhandlungszeitpunkt für die Halbjahres-Kontrakte ab 1. Mai um einige Wochen vorgezogen und wolle bis Mitte März die neuen Preise festlegen.

 

Landvolk: Finanzielle Auswirkungen für Milchbauern

Branchenkenner vermuten hinter diesem Vorgehen, dass sich globale Milchpreise in den darauffolgenden Wochen erholen könnte. Die Coronavirus-Situation könnte, so die Mutmaßung, dann schon ganz anders aussehen und des Weiteren sei der Bedarf in China nach wie vor da, nur sei die Logistikkette dort aufgrund der Epidemie ins Stocken geraten.
Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke zeigt sich enttäuscht von der Vorgehensweise des Discounters: „Es ist ein fatales Zeichen gerade jetzt, wo eine sichere Warenversorgung für die Bevölkerung wichtig ist, die Erzeugerseite zu schwächen.“ Das Gegenteil müsste eigentlich vom Lebensmitteleinzelhandel erfolgen. „Ein positives Signal, dass dieser die Lieferantenbeziehung fördert und eine sichere Warenversorgung im Vordergrund steht, wäre stattdessen angebracht. Dieses Geschäftsgebahren, die der Riese Aldi Global Sourcings gerade erkennen lässt, ist dagegen nicht nur kurzsichtig, sondern wird für viele Milchbauern finanzielle Auswirkungen haben“, befürchtet Schulte to Brinke.
 

Aldi: Zunehmende Eskalation auf verschiedenen Ebenen

Auf Anfrage von LAND & FORST gab Aldi an, dass man sich für die Verhandlungen an Weltmarktpreisen orientiere. „Aktuelle globale Entwicklungen wie die Verbreitung des sogenannten Coronavirus beeinflussen zwar die Weltmarktsituation und damit die Weltmarktpreise (wie derzeit auch bei zahlreichen anderen Rohstoffen), sind aber in keiner Weise ausschlaggebend für den Zeitrahmen unserer Verhandlungen“, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens.

Des Weiteren sei der Vorwurf, man hätte den Stichtag für Verhandlungen aus taktischen Gründen vorgezogen, falsch. „Obwohl die Verhandlungen erst kommende Woche in die finale Phase eintreten sollten, beobachten wir eine zunehmende Eskalation auf verschiedenen Ebenen. Als Zeichen einer Deeskalation verlängern wir den Angebotszeitraum mit unseren potentiellen Lieferanten. Darüber hinaus suchen wir auch den aktiven Dialog mit Landwirten und Erzeugern.“

Gleichzeitig verurteilte der Konzern vereinzelte Anfeindungen aus Landwirtschaftskreisen, in denen unter anderem zu Straf- und Gewalttaten gegen unsere Filialen und Mitarbeiter aufgerufen worden sei.

DMK: Landwirte fühlen sich nicht verstanden

Das Deutsche Milchkontor (DMK) sagte auf Anfrage von LAND & FORST, dass sich die Landwirte, was Preisgestaltung von Nahrungsmittel im Lebensmitteleinzelhandel beträfe, nicht verstanden fühlten. Das sei nachvollziehbar.

Aus vertraglichen und Wettbewerbsgründen könne man derzeit nicht auf Kontraktdetails eingehen, aber „wir sind ein Unternehmen der Landwirte - entsprechend positionieren wir uns auch in Gesprächen mit dem Handel und erklären dort die Situation auf den Höfen und verhalten uns auch so in Preisverhandlungen“, so Oliver Bartelt, Global Head of Corporate Communications des DMK.

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