In Marklohe starteten über 230 Traktoren zu Bauerndemo nach Hannover.
Meinung | Anne-Maria Revermann | am

Bauerndemos: Sie haben etwas bewegt

Die Treckerdemos haben etwas in den Köpfen bewegt. Das hat Hochachtung verdient. Ein Kommentar von Anne Revermann, LAND & FORST.

Liebe Landwirtinnen und Landwirte,

Wenn ich mich an die dutzenden Signalleuchten im Dunkeln erinnere, an die kilometerlangen Trecker-Konvois, an die Plakate – macht mich das immer noch sprachlos. Und unglaublich stolz. Was Sie in den letzten Wochen geschafft haben, war nicht nur eine organisatorische Höchstleistung, es war vor allem eines: sehr bewegend.

Denn im Zuge der „Bauerndemos“, die in den vergangenen Wochen in ganz Deutschland stattfanden, trafen nicht nur unterschiedliche Generationen aufeinander. Egal, ob Schweinehalter, Schäfer oder Ackerbauer – alle waren da, ein bemerkenswerter Zusammenhalt. Dieser ist ein starkes Zeichen dafür, wie viele Menschen es unter ihnen gibt, die ihren Beruf so sehr lieben, dass sie keinen Aufwand und Arbeitsausfall scheuen, sich auf den zum Teil so weiten Weg zu machen. Mit dem Ziel, mutig für das einzustehen, was Ihnen am Herzen liegt: Für Ihre Betriebe, Ihr Lebenswerk und die Zukunft der Landwirtschaft. Dafür haben Sie den größten Respekt und vor allem Hochachtung verdient.

Politische Lage inakzeptabel

Was Ihre Aktionen vor allem aber zeigten: Die Lage in der Landwirtschaft wird von immer mehr Landwirten als zunehmend ernst und als nicht mehr akzeptabel eingeschätzt. Politische Entscheidungen, die auf den ersten Blick bei einem Großteil der Wähler gut ankommen, können weitreichende Folgen für landwirtschaftliche Familienbetriebe haben. Ihre Forderung, mitsprechen zu dürfen, ist somit mehr als gerechtfertigt. Veränderungen in der Landwirtschaft funktionieren nicht allein durch Beschlüsse, die ohne Sie getroffen werden. Sie funktionieren nur gemeinsam mit Ihnen. Denn Sie sind diejenigen, die mit ihnen leben und sie umsetzen müssen.

Sie wurden gehört

Dafür haben Sie sich stark gemacht und suchten den Austausch. Bezeichnend ist, dass umgekehrt dieser Mut teilweise fehlte. Nicht alle Politiker waren bereit, sich diesem Dialog zu stellen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist auch noch nicht absehbar, wie die Politiker von Bund und Ländern auf Ihre Forderungen reagieren und ob diese in die Tat umgesetzt werden – ich wünsche es Ihnen sehr.

Was aber klar ist: Durch Ihren friedlichen und hoch emotionalen Protest haben Sie sich fest in den Köpfen der Politiker verankert. Und nicht nur dort. Kaum eine Tageszeitung, ein Radio- oder Nachrichtensender hat am vergangenen Donnerstag nicht über Sie berichtet. Sie und Ihre Trecker wurden in der Öffentlichkeit gesehen, Ihre Stimme wurde gehört.

Nicht allein die Demos waren bewegend. SIE bewegen etwas.

Auf nach Berlin!

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