Bauerndemo Klöckner
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Bauernmilliarde: Nichts verstanden?

Eine Milliarde Euro ist sehr viel Geld. Aber nicht, wenn man es auf vier Jahre und knapp 270.000 Höfe verteilt. Dann erhält jeder Betrieb jährlich nicht einmal 950 Euro. Was soll das Ganze überhaupt?

Ist das moderner Ablasshandel, mit dem sich die große Koalition ein ruhiges Gewissen kaufen will? Ist man in Berlin tatsächlich der Meinung, dass man die Bauern mit einem so durchsichtigen Manöver beruhigen und zum Schweigen bringen kann?

Meiner Ansicht nach haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner noch immer nicht verstanden, was den Landwirtinnen und Landwirten wirklich Sorge bereitet und vor welchen unglaublichen Herausforderungen sie stehen.

Eine finanzielle Beruhigungsspritze

Da hilft eine finanzielle Beruhigungsspritze nicht weiter. Denn mit dieser kann sich kein landwirtschaftlicher Betrieb verlässliche und fachlich korrekte, politische Rahmenbedingungen kaufen. Und das ist es, was die Branche will und braucht.

Es müssen endlich sachlich richtige und sinnvolle Fakten von der Politik geschaffen werden. Sie, liebe Landwirtinnen und Landwirte, fordern diese zu Recht. Denn ohne politische Leitplanken, die Planungssicherheit für Investitionen bieten, können Sie Ihren Betrieb nicht für die Zukunft rüsten.

Ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig

Sie benötigen ein Düngerecht, das auf fachlichen Grundlagen und nicht auf ideologischen Träumereien basiert. Sie verlangen eine Strategie für den Ackerbau, mit der man erfolgreich nachhaltig arbeiten kann – und zwar ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig.Sie brauchen Tierwohlstandards, die sinnvoll für Nutzvieh sind und nicht zur Vermenschlichung der Tiere beitragen. Nur mit verlässlichen Antworten auf die dringenden gesellschaftlichen Fragen, können Sie tatkräftig, wie der Berufsstand nun einmal von Natur aus ist, in die nächsten Jahre schreiten.

Das hilft nicht weiter

Solange von politischer Seite kein durchdachtes Konzept für die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland vorgelegt wird, bringen uns weder Milliarden an Euro noch Gipfeltreffen im Kanzleramt weiter, bei denen mit lauwarmen Worten ein fairer Umgang miteinander gefordert wird. Das ist eine weitere wirkungslose Beruhigungsspritze mit Placeboeffekt.

Das wirkt nicht und hilft nicht weiter – und vor allen Dingen, ist das kein Zeichen von Respekt. Und das ist es, was sich die Bäuerinnen und Bauern nach wie vor am meisten erhoffen: Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit und Leistung für die Gesellschaft. Denn schließlich sind sie es, die täglich 83 Millionen Deutsche mit Nahrungsmitteln versorgen. Das können sie aber nur, wenn man ihnen dazu auch die Möglichkeit gibt – und das muss man in Berlin endlich begreifen.

 

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