Eine Gruppe des Landvolks vor dem Brandenburger Tor
Traktoren vor dem Brandenburger Tor
Ein Sattelschlepper mit drei geladen LKW's.
Ein Traktor wir auf einen LKW-Anhänger verladen.
Kindertraktoren auf einem Platz in Berlin
Ein Protestschild auf der Bauerndemo in Berlin
Birgit Greuner | am

Bauernproteste: Auch Niedersachsens Landwirte fordern mehr Mitsprache

Traktor-Kolonnen und Transparente: Auch Niedersachsens Landwirte machten gestern mit einer Demo in Berlin ihrem Ärger Luft.

Tausende Landwirte aus ganz Deutschland kamen gestern (26. November) zu einer Großdemo nach Berlin. Aus Niedersachsen kamen nach Landvolkangaben 3.000 Landwirte mit 2.000 Traktoren angereist. Sie brauchten zum Teil viele Stunden, um mit ihren Traktoren bis in die Nähe des Brandenburger Tores zu kommen.

Insgesamt versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund 40.000 Teilnehmer mit 5.600 Fahrzeugen, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren. Bis weit über das Regierungsviertel hinaus waren viele Straßen schon seit dem frühen Morgen in Bauernhand.

Dicht an dicht standen schwere Traktoren teils in mehreren Reihen nebeneinander. Vorn am Brandenburger Tor machten die Landwirte mit Trillerpfeifen ihrem Ärger Luft.

Landwirte fordern Wertschätzung

Die Landwirte forderten mehr Mitsprache bei Neuregelungen zum Umwelt- und Tierschutz und mehr Wertschätzung für ihre Branche. „Wir Landwirte haben es satt, die Buhmänner der Nation zu sein“, sagte Norbert Stamm aus der Nähe von Leverkusen.

„Wir ackern uns gern für die Bevölkerung ab, aber nur mit dem gebotenen Respekt sowie der passenden Entlohnung“, formulierte es ein Redner auf der Bühne. Auf Transparenten stand: „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert“ oder „Gemeinsam statt gegeneinander“.

Umweltministerin Schulze ausgebuht

Am Mittag kam Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu den Demonstranten. Sie hatte wenig überraschend keinen leichten Stand. Sie warb für klare Regeln zum Schutz von Grundwasser und Insekten.

Schließlich hätten auch die Bauern ein Interesse daran, dass es in Zukunft noch sauberes Wasser und Bestäuber gebe. Sie wurde ausgebuht. Während sie sprach, drehten viele ihr demonstrativ den Rücken zu, nach etwa fünf Minuten verließ sie unter Pfiffen die Bühne.

Klöckner ruft zum Dialog auf

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) rief zum Dialog auf und sagte Hilfen bei Änderungen zu. „Haben Sie schon mal eine Mistgabel in der Hand gehabt?“, brüllte ihr ein Landwirt zu. Klöckner parierte auch andere Zwischenrufe: Die Bauern wollten keine pauschalen Urteile, das gelte aber auch umgekehrt.

In der Sache verteidigte sie die geplanten Neuregelungen und bot mehr Beteiligung der Landwirte an. Beim Insektenschutz solle jede Maßnahme mit ihnen besprochen werden. Wo zu viel Nitrat im Grundwasser gemessen werde, „da müssen wir reagieren“, sagte sie mit Blick auf neue Düngeregeln.

Klöckner beklagte auch Erwartungen an mehr Umwelt- und Tierschutz, während es in Supermärkten Billigpreise für Fleisch und Wurst gebe. Es sei unanständig, so etwas anzubieten - aber auch, so etwas zu kaufen.
Insgesamt blieb sie mehr als eine Stunde und kündigte an, dass sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 2. Dezember mit 40 Landwirtschaftsorganisationen zu einem Agrargipfel treffen wolle.

"Land schafft Verbindung" als Veranstalter

Zu dem Protest hatte die Initiative „Land schafft Verbindung“ aufgerufen, in der sich Zehntausende Bauern zusammengetan haben. Die Veranstalter sprachen von „unglaublicher Solidarität“, Landwirte könnten etwas bewegen, wenn sie zusammenhielten.

Agrarpaket brachte Bauern auf die Straße

Akuten Ärger ausgelöst hat vor allem das „Agrarpaket“, das das Kabinett im September auf den Weg gebracht hatte. Unter anderem zum Insektenschutz soll der Einsatz von Unkraut- und Schädlingsgiften stark eingeschränkt werden.

Für Verbraucher soll ein neues Logo kommen, das Schweinefleisch aus besserer Tierhaltung kennzeichnet - wenn Bauern freiwillig mitmachen. Aus den wichtigen EU-Agrarzahlungen an die Höfe wird mehr Geld für Umweltmaßnahmen reserviert.

8.600 Traktoren insgesamt

Auf den Straßen Berlins hatte der Protest noch längere Auswirkungen. Unter lautem Hupen machten sich die Traktoren am Nachmittag auf den Rückweg. Die Polizei wollte die Fahrzeuge in Konvois auf sechs Routen aus der Stadt herausführen, wie ein Sprecher sagte - eine immense Herausforderung: Insgesamt waren laut Polizei 8.600 Traktoren im Stadtgebiet, aber nicht alle kamen bis ans Brandenburger Tor.

Mit Material von dpa

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