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Kristina Wienand | am

Biogas könnte großen Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten

Mit gut gefüllten Energievorräten in den Winter starten. Beim Thema Versorgungssicherheit könnte Biogas massiv helfen, sagen Verbände.

Händeringend versucht die Bundesregierung im Moment, sich von russischen Gas- und Öllieferungen unabhängig zu machen und gleichzeitig die gesteckten Erneuerbare-Energien-Ziele in den kommenden Jahren zu erreichen. Verbände fordern: Bitte Biogasanlagen verstärkt nutzen!

Als Vorbereitung für den Winter sollen kurzfristig mehr fossile Energieträger wie Kohle und Erdgas durch Fracking genutzt werden. Unter anderem hat die Regierung in einem Ankaufprogramm rund 950 Millionen Kubikmeter Erdgas erworben und bis Ende Mai in die Speicher gebracht.

Außerdem sollen zusätzliche Kohlekraftwerke für die Stromversorgung - auf Abruf - bereitstehen, um im Notfall Gaskraftwerke zu ersetzen. Diese Lösung ist bis zum 31. März 2024 befristet, weil es weiterhin Ziel ist, die Kohleverstromung idealerweise bis 2030 zu beenden.

Verbände: Biogas könnte Versorgung sichern

Angesichts dieser Maßnahmen rufen mehrere Verbände nun dazu auf, jetzt auch verstärkt auf Energie aus Biogasanlagen zu setzen, wie der Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. (BEE), der Fachverband Biogas e.V. (FvB) und der Deutsche Bauernverband e.V. (DVB) gemeinsam mitteilen.

„Aktuell haben viele Biogas-Bauern noch mehr als ausreichend Substratvorräte aus der Ernte von 2021. Diese können im kommenden Winter aktiviert und für die die Erzeugung von Strom, Wärme und Biomethan genutzt werden. Die Bundesregierung sollte dafür jetzt den Weg freimachen,“ fordert der Präsident des Bauernverbandes Joachim Rukwied.

Neue Regel an der Zeit?

Nach Angaben der Fachverbandes Biogas wäre es möglich, dass der derzeit bestehende Biogaspark in Deutschland kurzfristig die Produktion erhöht, allerdings stünden dabei noch gesetzliche Hürden im Weg. „Seit dem EEG 2014 ist die vergütungsfähige Stromerzeugung jeder Anlage auf einen fixen Wert der sogenannten Höchstbemessungsleistung begrenzt“, erklärt FvB-Präsident Horst Seide. Aufgrund der Notsituation sei es daher ein Gebot der Stunde für 2022 bis '24 die Begrenzung der Stromproduktion im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auszusetzen.

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Baurechtliche Beschränkungen

Weiteres Problem: Wegen baurechtlicher Beschränkungen ist die Biogasproduktion an vielen Standorten auf 2,3 Mio. Kubikmeter Biogas begrenzt. Auch diese Begrenzung sollte Seide zufolge zeitlich befristet ausgesetzt und notwendige Genehmigungsverfahren in diesem Zeitraum verkürzt werden. „So könnten wir sofort mehr Energie bereitstellen in Zeiten, in denen jede Kilowattstunde zählt. Kurzfristig lassen sich etwa 20 Prozent der aktuellen Leistung des Anlagenbestandes zusätzlich mobilisieren. Dies entspricht insgesamt also 19 Terawattstunden Gas bzw. 7 TWh Strom, was den Strombedarf von 2 Millionen Haushalten decken würde,“ rechnet Seide vor.

Unabhängigkeit durch verschiedene Schritte

Seit 23. Juni gilt die zweite Stufe des Notfallplans Gas – die Alarmstufe. Diese hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ausgerufen. Aufgrund der verringerten russischen Gaslieferungen hat sie sich die heimische Gasversorgung demnach erheblich verschlechert, auch wenn sie aktuell weiter gesichert ist. Wirtschaft und Privathaushalte sollten sich deshalb bemühen, ihren Verbrauch so gut wie möglich einzuschränken.

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Gleichzeitig ist der Anteil an Erneuerbaren Energien an der Produktion im Verlauf der vergangenen Jahre gestiegen: 2021 waren es 19,7 Prozent. Bis 2030 sollen es 30 Prozent werden. Um das zu erreichen, möchte die Bundesregierung auch den Ausbau von Windkraft an Land deutlich schneller planen und genehmigen. Dazu wurden vor Kurzem neue Regelungen getroffen. Nach Ansicht der Verbandsvertreter wird die Energie aus heimischen Biogasanlagen zu wenig in die Planungen eingebunden. 

Weniger fossile, mehr Bio-Energie

„Möglicherweise kommen wir, und in diesem Punkt stimme ich Minister Robert Habeck zu, für die komplette und kurzfristige Substitution von russischem Erdgas auch am Einsatz von fossiler Kohle zur Stromerzeugung nicht vorbei“, schildert Simone Peter, Präsidenten des Dachverbandes der Erneuerbaren Energien.

Peter betont zugleich: „Aber es ist klima- wie energiepolitisch vor allem geboten, die sofort nutzbare Biomasse in den bestehenden Bioenergieanlagen in dringend benötigte Energie umzuwandeln. So können bereits heute die Gasspeicher für den kommenden Winter geschont und der Bedarf zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken deutlich verringert werden.“ 

Mit Material von PM, Bundesregierung
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