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Meinung | Madeline Düwert | am

Corona-Impfung: Ein Strohhalm in der Pandemie

Ausgangssperre, Kontaktverbot, Hygieneregeln - wir sind es leid. Da kommt der Vorschlag der Tierärzte gerade recht: Sie erinnern daran, dass sie auch impfen können.

Grandios! Hätten wir nur genug Impfstoff. Deren Herstellung zieht sich und lässt bei so manchem bereits Zweifel aufkommen: Muss Impfen überhaupt sein?

Pandemien enden immer auf zwei möglichen Wegen: Entweder medizinisch oder sozial. Letzteres ist eine bewusste Entscheidung in unseren Köpfen, unser Leben nicht mehr vom Virus kontrollieren zu lassen. Wir würden zur Normalität zurückkehren, ohne dass Corona weg wäre – ein verlockender Gedanke.

Alles hat seinen Preis

Er hat allerdings einen hohen Preis, und den zahlen die Menschen, deren Immunsystem dem Virus nicht gewachsen ist. Survival of the fittest hat Darwin mal gesagt, oder anders: Natürliche Auslese. Aber ob wir das wirklich wollen, sollten wir uns nochmal genau überlegen.

Keine natürliche Immunität bei Corona

Die andere Möglichkeit wäre ein medizinisches Ende: indem wir natürlich oder mit Hilfe der Impfung immun werden. Eine lebenslange, natürliche Immunität wird es beim Coronavirus allerdings nicht geben. Berichte von Menschen, die sich mehrmals angesteckt haben, legen das nahe.

Keine Zeit zu warten

Vielleicht haben wir so viel Glück, wie bei der Spanischen Grippe. Sie konnte innerhalb weniger Stunden Menschen dahinraffen, mutierte aber irgendwann in eine schwächere Variante. Die gleichen Erreger kennen wir heute als Grippe. Und die ist wohl weitaus harmloser als das Fieber vor gut 100 Jahren. Allerdings können wir es uns nicht leisten, darauf zu hoffen, dass Corona auch irgendwann seine Zähne verliert.

Hoffen auf rasche Impfung

Hoffen könnten wir stattdessen auf die Impfungen. Bei den Pocken hat das wunderbar funktioniert, seit 1978 gilt die Krankheit als ausgerottet. Dabei war die Pockenimpfung die erste Impfung, die es überhaupt gab – und gleich ein Erfolg.

Also immer her mit den kleinen Glasfläschchen. Aber genau daran hapert es momentan: Es gibt nicht einmal genug Flaschen, die eine Temperatur von -80°C aushalten, bei der die Impfdosen gelagert werden müssen. Zu wenige und zu kleine Firmen können sie herstellen. Das gleiche gilt für die Fette, die für die Produktion der Impfstoffe benötigt werden.

Impfstoffproduktion ausweiten

Trotzdem will der Bund die Produktion von Impfstoffen in Deutschland ausweiten. Biontech, Astra Zeneca, Novavax, Cure Vac und eventuell Sputnik V und Johnson & Johnson – sie alle sollen hier produzieren. Der Pharmariese Bayer hat zudem angeboten, bei der Produktion zu helfen. Sehr lobenswert, nur wird das bis Ende des Jahres sowieso nichts. Der Grund ist typisch deutsch: die Bürokratie.

Auf ungenutzte Ressourcen setzen

Die Voraussetzungen sind also nicht gut, aber wir sind auf die Impfungen angewiesen – ein Dilemma. Umso mehr sollten wir auf ungenutzte Ressourcen setzen:

Ein Pharmakonzern, der Impfstoff-Herstellern hilft, Waschmittel-Fabriken, die ihre Produktion auf die dringend benötigten Fette umstellen oder eben Tierärzte, die Menschen impfen. Ungewöhnliche Wege, aber sie können die Lösung sein. Dazu braucht es nur den Griff nach dem Strohhalm – oder eben den Gang in die Tierarztpraxis.

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