Ein Küken im Stall
Anne-Maria Revermann | am

Deutschland ist Vorreiter: Verbot des Kükentötens kommt

Bundeskabinett beschließt Gesetzentwurf von Julia Klöckner. Deutschland ist erstes Land, das gesetzlich aussteigt - und damit weltweit Taktgeber.

Ausstieg Kükentöten Anfang 2022

Die Bundesministerin für Landwirtschaft, Julia Klöckner, will das Töten männlicher Eintagsküken ab Ende 2021 in Deutschland flächendeckend verbieten. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf der Ministerin hat das Kabinett am Mittwoch (20. Januar) beschlossen.

Die in der Legehennenproduktion übliche Praxis, männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen aus wirtschaftlichen Gründen zu töten, wird dadurch beendet.

Klöckner: "unethische Praxis beenden"

Julia Klöckner dazu: „Mit meinem Gesetz sorge ich dafür, dass in Deutschland nur noch Eier ohne Kükentöten produziert werden. Diese unethische Praxis gehört dann der Vergangenheit an. Das ist ein bedeutender Fortschritt für den Tierschutz: Weltweit sind wir die ersten, die so klar vorgehen.“


Den Betrieben stehen – neben der Aufzucht von Bruderhähnen und der Verwendung von Zweinutzungshühnern – marktreife Alternativen zur Geschlechtsbestimmung im Brutei zur Verfügung. Diese Verfahren wurden vom Bundesministerium mit mehreren Millionen Euro gefördert.

Geflügelverband: Gesetz hat "schwerwiegende Mängel"

Das Verbot des Kükentötens für Deutschland ziehe immense Wettbewerbsnachteile für die heimische Geflügelwirtschaft nach sich, kritisiert hingegen Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG):

"Der Ausstieg aus dem Kükentöten ist richtig. Wir als deutsche Geflügelwirtschaft begrüßen diesen Schritt ausdrücklich (...)." Allerdings sieht die deutsche Geflügelwirtschaft in dem jetzt verabschiedeten Gesetzesentwurf einen nationalen Alleingang der Bundesregierung.

Das Gesetz habe keine ausreichende Faktenbasis und gelte nicht im europäischen Ausland. Das seien zwei schwerwiegende Mängel, kritisiert der Verband und ergänzt: "Wir wollen den Ausstieg mit praktikablen Mitteln!"

Eier und Junghennen aus EU

Die Folge seien laut ZDG immense Wettbewerbsnachteile für die deutsche Geflügelwirtschaft, da innerhalb der EU weiter Eier aus Brütereien verkehren, die männliche Küken am ersten Lebenstag töten. Diese Eierprodukte stehen ganz legal im deutschen Lebensmitteleinzelhandel oder werden im Großverbrauchersegment verarbeitet.

Hinzu komme, dass weibliche Küken aus ausländischen Brütereien, die Kükentöten praktizieren, weiterhin in Deutschland als angehende Junghennen eingestallt werden dürfen.

Kleinere Brütereien vor dem Aus

Diese Tatsache werde kleinere deutsche Brütereien die Existenz kosten. Gerade die deutschen Züchter und Brüter seien es aber, die maßgeblich zum aktuellen Tierwohlfortschritt beigetragen hätten, verdeutlicht Ripke.

"Wenn die Politik durchschlagendes Interesse daran hätte, männliche Küken vollumfänglich zu schützen, müsste sie entschlossen auf EU-Ebene aktiv geworden sein, mit dem Ziel, einen verbindlichen Rechtsrahmen für den europäischen Wirtschaftsraum zu schaffen. Alles andere ist Augenwischerei. Das führt nur dazu, dass unser niedriger deutscher Selbstversorgungsgrad bei Eiern von rund 70 % weiter sinkt und Arbeitsplätze in der deutschen Geflügelwirtschaft gefährdet werden", so der ZDG-Präsident.

 

Kosten für Legehennenhalter und Brütereien zu hoch

Henner Schönecke, Vorsitzender vom Bundesverband Ei, unterstreicht, dass die Umsetzung für die deutschen Brütereien und Eiererzeuger unter den aktuellen Voraussetzungen kaum zu leisten sei - selbst wenn sämtliche heute verfügbaren Lösungsansätze wie Geschlechtsbestimmungsverfahren, Zweinutzungshühner und Junghahnaufzucht eingesetzt würden.

"Dazu sind die Kosten dafür unverhältnismäßig hoch und mit den derzeitigen Eier-Erlösen nicht zu decken."
 

Mit Material von BMEL, ZDG
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