Drohne fliegt über Acker
Maren Diersing-Espenhorst | am

Digitalisierung in der Landwirtschaft

Dr. Dirk Ippen hat im Laufe der Jahre einen großen Verlagskonzern aufgebaut. Trotzdem verbringt er jeden Sommer als Landwirt in Ostfriesland. Wir fragten ihn, was ihn an der Landwirtschaft so begeistert und wie er die Digitalisierung sieht.

Das Verlagsgeschäft wird seit Jahren durch die Digitalisierung vor große Herausforderungen gestellt. Sehen Sie hier Parallelen zur Landwirtschaft?

Digitalisierung ist zunächst eine Herausforderung, weil man Dinge schon immer auf eine Weise gemacht hat und sie nun auf eine andere Weise tun muss. Im Verlagsgeschäft führt die Digitalisierung zu weniger Umweltbelastung, etwa beim Papier, das digitale Zeitungen nicht mehr brauchen. Auch in der Landwirtschaft kann die Umweltbelastung gesenkt werden, weil Ressourcen effizienter genutzt werden.

Nehmen die Landwirte die Möglichkeiten der Digitalisierung ausreichend wahr?

Vor allem die ältere Generation ist in einer Phase des schweren Umlernens. Doch mit jeder neuen Maschine hält die Digitalisierung unweigerlich mehr Einzug auf den Betrieben.

on_Foto Dirk Ippen

Zu den Zeitungen des Verlegers Dr. Dirk Ippen gehören unter anderem der Münchner Merkur, die Hessische/Niedersächsische Allgemeine und der Westfälische Anzeiger. Zudem hat er einen landwirtschaftlichen Betrieb in Niedersachsen.

Google hat kürzlich ein Projekt vorgestellt, bei dem Roboter Felder analysieren. Wie sehen Sie das Engagement der Technologieriesen in der Landwirtschaft?

Man kann bedauern, dass es nur einige Riesen sind. Wir haben es in Europa nicht geschafft, ein zweites Google zu entwickeln. Aber nehmen Sie egal welchen Landtechnikhersteller: Dort weiß man schon besser als viele Landwirte selbst, wie gut welcher Quadratmeter Boden ist und wie viel dort geerntet wird. Irgendwann können diese Unternehmen wahrscheinlich auch die Betriebe managen, denn sie wissen alles darüber.

In der Verlagswelt ist der Familienunternehmer auf dem Rückzug. Passiert das auch mit dem bäuerlichen Familienbetrieb?

Den Wandel zu wenigeren und größeren Betrieben gibt es schon lange. Der Gemischtbetrieb, der vor 100 Jahren modern war, würde in dieser Form wegen hygienischer Mängel heute sofort geschlossen werden. Die grüne Ideologie, welche die Natur so fotografieren und erhalten will, wie sie heute ist, verkennt, dass auch die Natur sich ständig ändert. Die schöne und heile Landschaft, die wir heute haben, ist dabei der Verdienst der Landwirte.

Welche Fürsprecher für die Landwirtschaft sehen Sie derzeit in Gesellschaft und Politik?

Die deutsche Ernährungsindustrie ist ein großartiger Industriezweig, den jeder in diesem Land braucht. Alle Partner stehen für eine fortschrittliche Weiterentwicklung. Wir müssen aber auch den Staat in die Pflicht nehmen: Man kann nicht unfaire Erzeugerpreise im Handel beklagen und gleichzeitig eine Ministererlaubnis zum Kauf von Tengelmann durch Edeka geben, gegen einen klaren Entscheid des Kartellamtes. Durch diese Beschränkung des Wettbewerbs wurde die Einkaufsmacht weniger Ketten nochmals verstärkt. Das geht zu Lasten der Landwirte, denen die Politik angeblich helfen will.

Was halten Sie vom Niedersächsischen Weg?

Ich fürchte, dass zum Beispiel die Gewässerrandstreifen für kleinere Betriebe schwerwiegende Folgen haben werden. Sie verlieren grundsätzlich einen höheren Anteil ihrer Fläche als größere Betriebe. Eine zu hohe Nitratbeslastung gibt es übrigens allenfalls in Betrieben, die im Verhältnis zu viel Vieh haben, nicht in den Ackerbaubetrieben. Die Politik sagt, man wolle kleinere Familienbetriebe, aber man handelt anders. Gerade den kleineren Betrieben werden unüberwindliche Hindernisse in den Weg gelegt.

Sehen Sie eine Gefahr der Radikalisierung der Landwirte?

Nein. Landwirte sind gewohnt, langfristig zu denken und zu wirtschaften. Mit ihrer Naturverbundenheit und als Realisten sind sie die Gruppe in unserem Volk, die am wenigsten Gefahr läuft, radikal zu werden. Landwirte sind seit Generationen selbständig arbeitende Menschen, die ihre Freiheit lieben. Es gibt zwar unterschiedliche Bewegungen in der Berufsgruppe, aber das sind keine radikalen Menschen; sie wollen einen eigenen Weg gehen.

Warum haben Sie neben dem Verlagsgeschäft noch einen landwirtschaftlichen Betrieb?

Mein Großvater hatte bei Norden in Ostfriesland einen 60 ha großen Pachtbetrieb. Ich habe als junger Mann ein einjähriges landwirtschaftliches Praktikum absolviert. Seit den 1970er-Jahren habe ich dort, wo schon Großeltern und alle Vorfahren tätig waren, einen größeren Ackerbau Betrieb Schritt für Schritt entwickelt. Dieser wird heute in einer Betriebsgemeinschaft mit zwei benachbarten Landwirten bewirtschaftet.

Ich verbringe immer meine Sommerurlaube auf dem Betrieb und sitze dann auch schon mal als Beifahrer mit auf dem Traktor oder dem Mähdrescher. Mehr trau ich mich nicht.

Was begeistert Sie an der Landwirtschaft?

Das langfristige Denken, die Naturverbundenheit, die Selbständigkeit. Landwirtschaft war schon immer eine gute Art zu leben, weniger zum Geld verdienen. Unsere Betriebe strahlen etwas Dauerhaftes, etwas Bleibendes aus. Dort haben schon die Großeltern gewirtschaftet und das werden auch die Enkel können. Diese Kontinuität finde ich beeindruckend.

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