Symbolbild-Geld
Meinung | Gabi von der Brelie | am

Direktzahlungen: Gut fürs Land?

Wenn es ums Geld geht, hört für den Volksmund der Spaß auf. Landwirte in Niedersachsen müssen sich in Geldfragen zurzeit über die Argumente zur Umverteilung der Direktzahlungen die Augen reiben.

Das Agrarbudget im EU-Haushalt verschlingt den dicksten Batzen Geld, diese platte Aussage wird in Medien gern weitergegeben.

Kritik an Direktzahlungen

Dabei wird wohlweislich verschwiegen, dass außer der Agrarpolitik kein anderer Politikbereich ausschließlich in Brüssel geregelt wird. Kritiker der EU-Agrarpolitik nutzen die Höhe des Agraretats vielmehr als Argument, um die Direktzahlungen zu kritisieren. Und in einem weiteren Schritt sollen diese in die 2. Säule geschoben werden und den Förderprojekten für den ländlichen Raum zugutekommen.

Gabi von der Brelie

Mit treuem Augenschlag wird dann auch noch beteuert, dass in der 2. Säule die EU-Finanzen mit den Förderprojekten für den ländlichen Raum eine weitaus bessere Wirkung für das ganze Land entfalten könnten. Hier argumentieren Politikerinnen und Politiker leider an der Wirklichkeit vorbei!

Geschönte Zahlen

So reden sie ihre Beschlüsse schön, wenn sie bei der Kürzung der Direktzahlungen einen Betrag von 4,50 Euro je Hektar nennen. Ein Blick ins Kleingedruckte der Beschlüsse lässt das gesamte Ausmaß offenbar werden - wer nachrechnet kommt zu einem Betrag von 16 Euro je Hektar. Das ist schon eine völlig andere Hausnummer.

Wer wider besseres Wissen mit den geschönten Zahlen über Land zieht, verbreitet eindeutig „fake news“. Der Ideenreichtum zur Verwendung der Brüsseler Agrargelder ist groß, der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Deutlich weniger kreativ fällt die Suche nach neuen Geldquellen aus. So animiert die EU-Kommission in ihren Vorschlägen zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik dazu, nationale Kofinanzierungen zuzuschießen und deren Anteile zu erhöhen. Hier gilt die Devise: Was dem Mitgliedstaat wichtig ist, sollte ihm auch etwas wert sein.

Die ländlichen Räume werden geschwächt

Die Direktzahlungen fließen direkt auf das Konto der Betriebsleiter, auf vielen Höfen machen sie etwa die Hälfte des Betriebsergebnisses aus. In den Trockenjahren haben viele Bauern ihren Gewinn ausschließlich aus den Transferzahlungen generiert.

Wer hier Hand anlegt, sollte offen die beabsichtigte Kürzung kommunizieren und nicht mit geschönten Zahlen den Blick vernebeln. Geld ist nichts, aber viel Geld ist etwas anderes, hat der irische Dramatiker Bernard Shaw einmal gesagt. Wer den Landwirten ins Portemonnaie fasst, darf sich nicht beklagen, dass immer mehr Bauern ihre Höfe abgeben. Die ländlichen Räume und die Dörfer werden damit nicht gestärkt, sondern erheblich geschwächt. Es muss also stark bezweifelt werden, dass die Umverteilung tatsächlich gut fürs Land ist…

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Zukunft der Fleischindustrie
  • Geld und Recht: Vorsorgeleistungen bei Hofübergabe vertraglich klar regeln
  • Pflanzenbau: Zwischenfrüchte zur Futternutzung
  • Technik: Vergleich zwischen Rad- und Teleskoplader
  • Forstwirtschaft Steuerhilfen in Krisensituationen
  • Leben auf dem Land: Schmiede-kunst im ostfriesischen Werdum

12 Ausgaben für 12€

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