Nitratmessstelle, Grundwasser
Edith Kahnt-Ralle | am

Düngeverordnung: Messtellen mit erheblichen Mängeln

Wenn weite Gebiete in Niedersachsen als nitratverseucht gelten, muss das nicht unbedingt mit Überdüngung zu tun haben. Es könnte auch am fehlerhaften Messsystem liegen.

Bei der Mitgliederversammlung des Vereins landwirtschaftlicher Unternehmer Bersenbrück (VLU) informierte der Gutachter der Landvolkverbände, Dr. Stephan Hannappel, über „hydrogeologische und gesetzliche Grundlagen der Ausweisung von roten Gebieten in Niedersachsen“. Hannappel ist Geschäftsführer der Hydor Consult GmbH in Berlin. Im Auftrag der Kreislandvolkverbände in Niedersachsen erstellt der Geologe und Bodenkundler ein Gutachten über die vom Land ausgewiesenen Grundwassergebiete.

Die Grundwasserverordnung (GrwV) regelt, wie ein Grundwasserkörper zu beurteilen ist. Demnach sei der chemische Grundwasserzustand gut, wenn an keiner Messstelle der Wert von 50 Milligramm pro Liter überschritten werde. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Grundwasserkörper als schlecht und damit als rotes Gebiet eingestuft werden, wenn schon an einer Messstelle der Schwellenwert überschritten wird.

Mehrere Messtellen-Mankos

Hannappel bemängelt, dass wenige Messstellen repräsentativ sein sollen. Er untersuchte mit seinem Team einen Großteil der Grundwasserkörper. Dabei zeigte sich, dass die Anzahl der Messstellen im Bereich des Ackerlandes deutlich höher ist, als der Anteil des Ackerlandes an der Gesamtfläche. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Messstellen die Landnutzung gleichmäßig repräsentieren.

Hannappel schaute sich die Messstellen genauer an. „Ein Manko aus meiner Sicht ist auch, dass nicht klar festgelegt ist, in welcher Tiefe die Nitratwerte gemessen werden sollen“, so der Experte. Tatsächlich zeigte sich bei der Untersuchung ein deutlicher Unterschied. Das sei ein Problem, da der natürliche Nitratabbau in größeren Tiefen zunehme. An einer höheren Stelle könne der Nitratwert höher sein als in tieferen Grundwasserschichten. Wie der Geologe feststellte, stammten Messergebnisse überdurchschnittlich häufig aus den oberen Schichten.

Bewertungsschema muss sich ändern

Mit der Düngeverordnung von 2019 wurde die „Gebietskulisse Grundwasser“ ausgewiesen. Diese „Nitrat-Kulisse“ umfasst 39 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Hier gelten besondere Auflagen für die Bewirtschaftung. Auch diese Flächen hat sich Hannappel angeschaut. Dass die Flächen, die für Niedersachsen ausgewiesen wurden, durchschnittlich 6.600 Hektar groß seien, sei nicht nachvollziehbar. Auch stelle sich die Frage, warum ähnliche Flächen, die gleiche Merkmale aufwiesen, unterschiedlich bewerten worden seien.

Die Messstellen seien nach den Untersuchungen der Hydor Consult GmbH teilweise in schlechtem Zustand. Viele Messstellen seien bereits recht alt. Häufig liegt jedoch überhaupt keine Dokumentation über das Alter vor, bemängelt Hannappel. Hinsichtlich der Qualitätssicherung finden sich bei allen Messstellen Mängel. Der Geologe nannte das Ergebnis „erschreckend“ und sieht ein grobes Vergehen. So entspreche in 41 % der untersuchten Messstellen der Innendurchmesser nicht der Norm, 39 % der Messstellen seien zu wenig mit Filterkies überschüttet. Auch in anderen Qualitätskriterien sind laut Gutachter signifikante Abweichungen vom Regelwerk erkennbar.

In Kürze will Hannappel sein Gutachten vorlegen. Wie die Behörde reagiert, bleibt abzuwarten. Der Experte spricht sich für eine Änderung des Bewertungsschemas aus. Für die Landwirte ist klar, dass sie ihre Position massiv verteidigen wollen, wenn nötig auch mit rechtlichen Schritten.

Weitere Informationen erhalten Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 13/2020.

Mit Material von Dr. Siegrid Schüler (Text)

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