Edeka Plakat in Hannover
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Essen hat natürlich einen Preis verdient

Wir alle wünschen uns Wertschätzung – auch und besonders Landwirtinnen und Landwirte, die täglich dafür sorgen, dass hochwertige Lebensmittel auf den Tischen landen.

Moin liebe Leserinnen und Leser, wie kann es nach all den Proteste, Kundgebungen und Aktionen der vergangenen Wochen und Monaten sein, dass ein Lebensmittelkonzern Werbeplakate präsentiert, auf denen Komiker Otto Waalkes zum 100-jährigen Firmenbestehen mit dem Spruch „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten.“ abgebildet ist?

Wie kann dieses Unternehmen gleichzeitig eine Kampagne fahren, in der es heißt: „Wir lieben Lebensmittel.“ Das spottet jeder Beschreibung und jeglicher Wertschätzung – nicht nur gegenüber Nahrungsmitteln, sondern vor allem gegenüber ihren Erzeugern.

Dies wird untermauert, wenn man die Entwicklung von Löhnen und Preisen vergleicht. Mitte der 1980er Jahre lag der durchschnittliche Bruttolohn in Deutschland bei umgerechnet 18.095 Euro und im Jahr 2018 bei 35.189 Euro. Der Lohn hat sich in dieser Zeit also knapp verdoppelt.

Ganz anders sieht es bei beispielsweise bei den Erzeugerpreisen für Milch aus. Im Jahr 1984, als die Milchquote eingeführt wurde, erhielten die Milchviehhalter 70 Pfenning (etwa 36 Cent) pro Liter Milch. Im vergangenen Jahr waren es 33 Cent! 3 Cent weniger als vor 35 Jahren! Dass gleichzeitig die Erzeugungskosten deutlich gestiegen sind, scheint dabei nicht ins Gewicht zu fallen.

Faire Wettbewerbsbedingungen?

Der Lebensmitteleinzelhandel trägt diesem Kostenanstieg und der Inflationsrate kaum Rechnung: 1984 zahlte der Verbraucher für einen Liter Milch durchschnittlich 1,21 DM – das entspricht etwa 0,62 Euro – an der Ladenkasse. Im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich circa 0,80 Euro pro Liter Milch – also 18 Cent mehr als 35 Jahre zuvor. Würde man aber die Inflationsrate einbeziehen, müsste ein Liter Milch mindestens 1,14 Euro kosten.

Vergleichen wir das doch mal mit dem liebsten Spielzeug der Deutschen: dem Auto. Ein Neuwagen kostete in den 1980er-Jahren umgerechnet durchschnittlich 8.420 Euro. Im Jahr 2019 waren es 26.450 Euro mehr – nämlich 34.870 Euro. Mehr als viermal so viel wie in den 1980er zahlen die deutschen Verbraucher heute für einen Neuwagen, aber die Landwirte erhalten drei Cent pro Liter Milch weniger! Von fairen Wettbewerbsbedingungen kann also keine Rede sein. Kurzsichtig ist es außerdem, denn die heimische Landwirtschaft wird so aus dem Markt gedrängt.

Jetzt Thema im Kanzleramt

Hoffentlich thematisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel dies bei ihrem Treffen mit den Handelsketten in der kommenden Woche. Denn diese sollten sich darüber im Klaren sein, dass auch sie von einer gesunden Landwirtschaft im eigenen Land profitieren – und zu deren Erhalt kann und muss der Lebensmitteleinzelhandel seinen Beitrag leisten.

 

Lesen Sie auch: Edeka sucht nach Treckerdemo das Gespräch mit Bauern

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Verein LAND.SCHAFFT.WERTE - Einblick in die vielfältige Arbeit
  • Agrarpolitik: Amtswechsel beim Landvolk
  • Pflanzenbau: Neubewertung der Roten Gebiete

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✔ Mehrleser-Funktion

✔ Artikel merken und teilen

✔ exklusiv: Audio und Video

✔ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✔ 3 Endgeräte
✔ Merkliste
✔ Audio und Video
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Verein LAND.SCHAFFT.WERTE - Einblick in die vielfältige Arbeit
  • Agrarpolitik: Amtswechsel beim Landvolk
  • Pflanzenbau: Neubewertung der Roten Gebiete

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen