Gülle mit einem Schleppschuh-Gestänge ausbringen
Meinung | Gastkommentar von Christian Mühlhausen, Agrarjournalist | am

Ethik: Die Frage nach der Moral muss auf beiden Seiten stehen

Vor 50 Jahren noch hätten die meisten Landwirte ungläubig geschaut und mit den Schultern gezuckt. Der Hunger der Nachkriegsjahre war überwunden, die Landwirtschaft auf Rationalisierung, Effizienz und Fortschritt getrimmt.

Kosten senken, die Welt ernähren, so lautete das vorgebetete Mantra. Was sollte man sich da mit so einer philosophischen Frage beschäftigen, wie das Nachdenken über die Moral unseres täglichen Handelns?

Christian Mühlhausen

Die Zeiten haben sich gewandelt. Eine Google-Suche spuckt bei diesem Thema knapp 7,4 Millionen Treffer aus, Bücher und Kongresse beschäftigen sich damit.

Alle wissen es besser

Statt mit den Schultern, zucken wir Landwirte heute innerlich zusammen: Nicht etwa, weil wir etwas zu verbergen hätten, sondern weil wir die Bedeutung des Wortes heute längst einordnen können und den damit uns auflastenden Druck, der dahintersteht. Demos, Stalleinbrüche, Leserbriefe, Attacken in den sozialen Netzwerken - auch das alles verbindet sich damit.

Alle wissen es besser: Wie schlecht es den Nutztieren geht, wie wahlweise ausgelaugt oder überdüngt die Böden sind, wie scheinbar gedankenlos wir Glyphosat auf dem Acker und Antibiotika in der Nutztierhaltung einsetzen.

Der Druck steigt

Als wäre der betriebswirtschaftliche Druck auf den Höfen nicht schon groß genug: In einer Gemengelage von landwirtschaftskritischen Gruppen, einer von ihnen getriebenen, immer landwirtschaftsferneren Politik sowie Medien, die über vermeintliche und tatsächliche Missstände in der Branche berichten, steigt der psychische Druck.

Die landwirtschaftlichen Sorgentelefone können ein Lied davon singen, Fälle von Überforderung bis hin zum Suizid sind trauriger Beweis.

Selbstkritisch bleiben

Den Kopf in den Sand stecken und ein „weiter so“ wäre der falsche Weg: Wir als Landwirte müssen selbstkritisch bleiben und anerkennen, dass sich gesellschaftliche Ansprüche geändert haben.

Seien wir ehrlich: Auf der Rationalisierungsautobahn der vergangenen Jahrzehnte ist auch so mancher traditionelle Wert unter die Räder gekommen mit Folgen, die uns noch heute begleiten. Das haben auch viele Landwirtinnen und Landwirte erkannt, die ihre Praktiken heute stärker als bisher hinterfragen.

Kommunikationsdefizit

Aber: Das moralische Urteilen über das Handeln in der Landwirtschaft erfordert auch Wissen, so ein Teilergebnis der ASG-Tagung in Göttingen. Und das fehlt heute mehr denn je.

Trotz etlicher Bemühungen und vieler ideenreicher Ansätze der Agrarbranche hat die Landwirtschaft heute ein massives Kommunikationsdefizit. Da dürfen wir nicht nachlassen.

Anforderungen ändern sich

Erkennen wir an: Die Welt, das gesellschaftliche Bewusstsein hat sich gewandelt. Eine satte Republik hat heute andere Anforderungen an die Landwirtschaft als noch vor 50 Jahren. Dem müssen wir uns als Landwirtschaft stellen, denn wir arbeiten in, mit und für ebendiese Gesellschaft.

Bei all dem darf aber nicht vergessen werden, dass die Landwirte dabei mitgenommen werden. Denn Ethik in der Landwirtschaft sollte nicht nur fragen, wie Landwirte mit ihren Ressourcen wie Boden, Wasser, Tiere, Luft umgehen sollten - sondern auch, wie die Gesellschaft mit uns Landwirten umgeht.

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