Wildblumen mit drei Menschen im Hintergrund
Christel Grommel | am

EU stellt Pläne für "Green Deal" vor

Europa soll nach dem Willen der EU-Kommission zum Vorreiter für nachhaltige Ernährung und biologische Vielfalt werden. Heute legte die Brüsseler Behörde ihre Pläne vor.

Die Pläne für mehr biologische Vielfalt und eine umweltfreundlichere Produktion von Lebensmitteln sind Teil des europäischen "Green Deal" für ein klimaneutrales Europa bis 2050 und dürften sich auf die Ernährung von Millionen Verbrauchern auswirken.

Im Kern geht es um eine "Vom Hof auf den Teller"-Strategie. Zu den Zielen gehört dabei, weniger Pestizide, Antibiotika und Düngemittel einzusetzen, Tierschutz zu verbessern und Fischerei nachhaltiger zu gestalten. Auch Verschwendung von Lebensmitteln und Müll durch Verpackungen sollen reduziert werden. Außerdem soll ein verpflichtendes Nährwertlogo für Lebensmittel eingeführt werden.

Konkret soll der Einsatz bedenklicher Pflanzenschutzmittel in der EU nach Ansicht der EU-Kommission innerhalb von zehn Jahren halbiert werden. Der Gebrauch von Dünger soll bis 2030 mindestens um 20 Prozent zurückgehen, der Verkauf von Antibiotika und anderer Wirkstoffe etwa für Nutztiere und Aquakulturen um 50 Prozent. 

In einer zweiten Strategie soll die Artenvielfalt gesichert werden. Zentrale Punkte des Biodiversitäts-Plans ist die Ausweitung von Schutzgebieten: 30 Prozent der europäischen Land- und Meeresfläche sollen unter Schutz gestellt werden und 10 Prozent unter besonders strengen Auflagen quasi naturbelassen bleiben. Mindestens 25 Prozent der Ackerfläche soll in Europa dem Ökolandbau vorbehalten sein.

Die Kommission sagte den Landwirten und Fischern finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung zu.

DBV übt Kritik

Der Deutsche Bauernverband (DBV) nannte die Pläne einen "Generalangriff auf die europäische Landwirtschaft".

DBV-Präsident Rukwied äußerte sich in einer Pressemitteilung äußerst kritisch: "Wir wollen den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Landwirtschaft weitergehen und weiterentwickeln. Aber dieser Vorschlag ist der falsche Weg." 

Er bemängelte, dass in den vorgelegten Strategiepapieren dringend notwendige Anpassungen, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, nicht berücksichtigt worden seien. "Die Ernährungs- und Versorgungssicherheit der Menschen in Europa mit heimischen Nahrungsmitteln muss in den Mittelpunkt dieser Strategie gerückt werden."

Rukwied will auf Kooperation statt neuer Auflagen setzen, damit eine produktive, wettbewerbsfähige und ressourcenschonende Landwirtschaft erreicht werden könne. "Die europäische und deutsche Landwirtschaft ist bereit, ihren Teil zu einem verbesserten Umwelt- und Biodiversitätsschutz beizutragen und eine Transformation der Lebensmittelerzeugung hin zu noch mehr Nachhaltigkeit mitzugestalten." Nur so seien die ambitionierten Ziele des Green Deals erreichbar.

Er warnte davor, Landwirte mit den Auflagen allein zu lassen: "Die Bäuerinnen und Bauern dürfen mit den Kosten für mehr Umwelt- und Klimaschutz nicht allein gelassen werden. Die Konsequenz wäre eine zunehmende Abwanderung der europäischen Lebensmittelproduktion in Drittstaaten."

Auch Julia Klöckner sieht die Pläne kritisch. Sie mahnte, theoretische Anforderungen müssten mit der Praxis und dem Arbeitsalltag auf den Höfen in Einklang gebracht werden. "Denn die Kernaufgabe der Landwirtschaft ist, Nahrungsmittel zu produzieren." Die Ernährungssicherung müsse stets im Vordergrund stehen. "Und das wird immer Umwelteinflüsse haben." Die Verantwortung für das Erreichen der Ziele dürfe nicht allein bei einer Branche abgeladen werden. 

Mit Material von dpa und DBV

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