Trecker pflügt Feld um

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Janina Schuster | am

Existenzbedrohende Verluste: das Einkommen schrumpft drastisch

Die Nerven liegen blank bei vielen Landwirtinnen und Landwirten. Ihre Existenz steht auf dem Spiel. Das verdeutlichen nicht nur die Proteste vor Lebensmittellagern, sondern vor allen Dingen aktuelle Zahlen.

"Die solide betriebliche Basis ist in vielen Betrieben in größter Gefahr", warnt Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Schwetje. Am Donnerstag (25. November) teilte die Kammer mit, dass die Unternehmensergebnisse im Wirtschaftsjahr 2020/21 im Durchschnitt um 33 Prozent zurück gingen. Erwirtschafteten die Betriebe im Vorjahr noch durchschnittlich 71.400 Euro, lag das Ergebnis in diesem Jahr bei nur 48.300 Euro. Besonders dramatisch sei die Situation bei  den Tiermastbetrieben. Diese stecken laut Schwetje in einer ruinösen Preis-Kosten-Falle.

Lage bei Tiermästern spitzt sich weiter zu

So fiel das Einkommen der Tiermäster von durchschnittlich 129.600 Euro auf nur noch 27.900 Euro, also rund 100.000 Euro weniger. Dazu trug auch die Corona-Pandemie einen erheblichen Teil bei. Aufgrund der Schließung von Gastronomie und Kantinen fehlte den Mästern ein wichtiger Abnehmer. Dazu kam das Exportverbot nach China und in andere asiatische Staaten aufgrund des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Dazu Schwetje: "Wir sind auf einem Niedrigpreisniveau für Schlachtschweine angelangt, das es seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gab."

Legehennen auf einer Wiese.

Situation im Ackerbau und der Milchwirtschaft

Nicht ganz so dramatisch stellt sich die Lage im Bereich der Milchwirtschaft dar. Dort schrumpften die Ergebnisse der Milchviehbetriebe von 56.500 Euro auf 53.000 Euro. Drei Jahre in Folge sind diese Zahlen nun bereits rückläufig. Auch die Ackerbaubetriebe mussten Einbußen hinnehmen. Ihre Ergebnisse lagen 2019/2020 noch bei 73.600 Euro und fielen nun auf 62.400 Euro im Jahr. Die Kammer bezeichnet diesen Wert als mäßigen Durchschnittswert. Derzeit profitiere der Ackerbau von wachsender Nachfrage bei Getreide und Raps.

Mastschweine mit Seil

Finanzieller Druck steigt

Der finanzielle Druck auf die Betriebe ist in Folge der negativen Entwicklung stark gestiegen. Häufig müsse mit Fremd- statt mit Eigenkapital gearbeitet werden. Dies läge bei einer Durchschnittshöhe von 336.000 Euro, heißt es. Auch die gestiegenen Anforderungen in Bereichen Klima-, Umwelt-, Arten-, Gewässer- und Tierschutz seien in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation kaum zu finanzieren. Laut Schwetje steigen viele Bauernfamilie derzeit teilweise oder ganz aus der Landwirtschaft aus, um sich neue Einkommensquellen zu suchen.

Überlastung in der Landwirtschaft

Wann geht es wieder bergauf?

Eine Trendwende ist nach Angaben der Kammer derzeit nicht zu erkennen. Im aktuellen Jahr belasten die stark gestiegenen Kosten für Energie, Dünger und Saatgut die Betriebe und mit jedem verkauften Mastschwein oder Ferkel machen die Landwirte laut Schwetje derzeit Verlust.

Die Landwirtschaftskammer wertet jährlich die Jahresabschlüsse von Bauernhöfen in ganz Niedersachsen im Auftrag der Bundesregierung aus. Die Datengrundlage für die Angaben der Kammer ist eine repräsentative Stichprobe von 850 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen.

Mit Material von dpa
Setzt auf Shiitake und Kräuterseitlinge: Bei Eckhard Janssen in Neuharlingersiel wachsen Edelpilze im ehemaligen Schweinestall.

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