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Renate Bergmann | am

Feinstaub: Tierhaltung im Fokus

Zum Auftakt der Grünen Woche gerieten Ammoniakemissionen der Tierhaltung in die Schlagzeilen. Laut einer Studie sind sie für jährlich 50.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Doch es gibt Zweifel an Zahlen und Methode.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) haben die landwirtschaftliche Tierhaltung als einen der Hauptverursacher der Feinstaubbelastung in Deutschland ausgemacht. Laut einer bislang nicht veröffentlichten Studie des MPIC, über die das ARD-Magazin „Monitor“ voriger Woche berichtete, verbindet sich der Ammoniak aus der Gülle mit Abgasen aus der Industrie und dem Straßenverkehr und bildet so Feinstaub.

Unseriöse Folgerungen

Insgesamt ist die Landwirtschaft laut MPIC für 45 % der Feinstaubbelastung hierzulande verantwortlich, die jedes Jahr zu 120.000 vorzeitigen Todesfällen bei Menschen führe. Aus ihren Ergebnissen schlussfolgern die Forscher, dass alleine aufgrund der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft jedes Jahr rund 50.000 Menschen in Deutschland vorzeitig sterben.

Ende der Massentierhaltung gefordert

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Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, kritisierte die Studie. Die von den Autoren gezogenen Schlussfolgerungen seien „hochgradig unseriös, geradezu unmoralisch“.
Rukwied wies darauf hin, dass es bereits eine Reduktionsstrategie für Ammoniak aus der Tierhaltung gebe. Die Studienlage zum Thema Feinstaub sei in hohem Maße volatil.
 

Von den Grünen im Bundestag kamen indes Rufe nach neuen Vorgaben für die Abluftreinigung in der Tierhaltung und auch nach einem „Ende der Massentierhaltung“.

Feinstaubbelastung seit Jahren rückläufig

Dabei ist noch gar nicht bekannt, was genau in der Studie steht. Über die Hochrechnung von möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen auf vorzeitige Todesfälle wurde bereits vor einem Jahr im Zusammenhang mit Feinstaub aus Dieselmotoren kritisch diskutiert. Sie gilt als statistisch nicht haltbar. Zudem unterhält das Umweltbundesamt (UBA) ein flächendeckendes Messnetz für Luftschadstoffe. Demnach ist die Feinstaubbelastung seit Jahren rückläufig, die Konzentration in Ballungsräumen höher als im Umland.

Cloppenburg: Keine Grenzwertüberschreitung

Die Landwirtschaft hat nach UBA-Messungen bei größeren Staubpartikeln (PM 10) einen Anteil von etwa 15 %, bei den für die Atemwege schädlicheren kleineren Partikeln (PM 2,5) sind es knapp 5 %. Dieser Anteil blieb über die Jahre stabil.

Für die Luftbelastung mit Feinstaub gibt es seit 2005 Grenzwerte für PM 10, seit 2015 auch für PM 2,5. Die im Fernsehbericht erwähnte Messtelle im niedersächsischen Bösel, Landkreis Cloppenburg, meldete zu keiner Zeit Grenzwertüberschreitungen, teilte der Landkreis Cloppenburg auf Anfrage mit.

Richtig ist, dass auch Ammoniakemissionen zur Bildung von Feinstaub beitragen. Der Anteil der Landwirtschaft an diesen Emissionen beträgt etwa 95 %. Zur Reduzierung passiert derzeit eine ganze Menge: Abluftreinigungen, Abdeckung von Güllelagern, stickstoffreduziertes Futter, die Vorgaben der Düngeverordnung, etwa zur Einarbeitung von Gülle.

Informationen dazu, wie das MPIC die noch unveröffentlichte Studie erarbeitet hat, liegen nicht vor. Das Institut teilte lediglich mit, dass es sich um Schlussfolgerungen aus mehreren internationalen Studien handele.

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