Brachfläche

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Meinung | Madeline Düwert | am

Flächenstilllegung: zwischen Ideologie und Menschlichkeit

Flächen stilllegen oder nicht? LAND & FORST-Fachredakteurin Madeline Düwert hat darauf eine eindeutige Antwort.

Menschenleben oder Insektenschutz – was ist mehr wert? Vor diese Wahl stellt uns die EU-Kommission. Denn sie ermöglicht den Mitgliedstaaten, die Regeln zum Fruchtwechsel und die Flächenstilllegung, die ab 2023 gelten sollen, für ein Jahr auszusetzen. Der Vorschlag fand breite Zustimmung unter den Ländern - aber was macht Deutschland? Es kann sich nicht entscheiden.

Vor was hat Özdemir Angst?

Vor was hat unser Bundeslandwirtschaftsminister Angst? Verliert er sein grünes Mäntelchen, wenn er Politik macht, die flexibel auf einen Krieg reagiert? Der Schaden für die Biodiversität sei so viel größer, meint Cem Özdemir, als dass die zusätzliche Produktion nützen würde. Bei den Brachflächen würde es sich ohnehin um Flächen handeln, auf denen sich nicht gut produzieren lasse und ihr Anteil sei auch viel zu klein. Mit anderen Worten: Das lohnt sich nicht. Hungernden Menschen etwas zu essen zu geben, lohnt sich nicht? Ich würde gerne sehen, wie Herr Özdemir in Afrika steht und das den Menschen erklärt.

Aussetzung muss ohnehin ausgeglichen werden

Wenn Länder von der Möglichkeit der Aussetzung Gebrauch machen, sind sie auch dazu angehalten, Agrarumweltmaßnahmen und Eco-Schemes in ihren GAP-Strategieplänen stärker zu gewichten. Es wäre also vorgesehen, zumindest einen Ausgleich für die Aussetzung von Fruchtwechsel und Stilllegung zu schaffen. Außerdem handelt es sich bei der Aussetzung der Regeln nur um ein Jahr – ob dann gleich die Bienen aussterben werden, wage ich zu bezweifeln.

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1,5 Millionen Hektar stünden zur Verfügung

Allein in Niedersachsen könnten etwa 70.000 Hektar zusätzlich bestellt werden, wenn auf die Stilllegung verzichtet wird, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. In ganz Deutschland könnte auf rund 200.000 Hektar zusätzlich Getreide angebaut werden, schätzt der Deutsche Bauernverband. Selbst wenn es sich dabei um Böden mit unterdurchschnittlichem Ertrag handelt, könnte beispielsweise mit einem Ertrag von 50 dt/ha rund eine Million Tonnen Getreide zusätzlich produzieren werden. EU-weit potenziert sich das Ganze noch weiter: Hier stünden rund 1,5 Mio. Hektar zusätzlich zur Verfügung, schätzt die EU-Kommission – ist das etwa „zu wenig“, wenn wir von Hunger sprechen? Wie kann man so vermessen sein und den „Nutzen“ berechnen, während Menschen hungern? Hier geht es doch um jede Tonne Getreide mehr, die wir ernten können. Und nicht darum, ob es „sich lohnt.“

Deutschland muss seinen Beitrag leisten

Deutschland muss jetzt seinen Beitrag leisten und zusammen mit den anderen EU-Ländern die GAP-Regeln aussetzen. Im Alleingang lieber am Schutz der Artenvielfalt festzuhalten – das schafft auch nur die Arroganz der vollgefressenen Deutschen. Wie überheblich ist es zu glauben, Deutschland allein könne die Welt retten, indem es sich – ein Jahr früher – auf den Schutz von Bienen und Blumen konzentriert. Lieber Herr Özdemir, ich finde, das lohnt sich nicht! Manchmal ist es ratsam, sich von der Ideologie aus Gründen der Menschlichkeit abzuwenden – zumindest für ein Jahr.

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