Özdemir und Mykola Solskyi beim G7

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Josef Koch | am

G7-Agrargipfel: Hilfen für Ukraine und Kampf gegen Exportstopps

Was die G7-Agrarminister gegen den drohenden Versorgungsengpass unternehmen wollen. Proteste führten zum Umzug der Delegationen.

Stuttgart Die G7-Agrarminister waren bei ihrem Treffen am Wochenende (13./14.5.) besorgt. Aber nicht nur über die weltweite Versorgungslage bei Lebensmitteln, sondern auch um ihre Sicherheit. Wegen Protesten von Bauern und Tierschützern mussten die Delegationen am Samstag (14.5.) kurzfristig in ein anderes Hotel umziehen, um das Treffen fortsetzen zu können.

Weltweit werden Nahrungsmitteln immer knapper. So berichtete der ukrainische Agrarminister Mykola Solskyj, dass sich rund die Hälfte der ukrainischen Weizenanbaufläche im Kampfgebiet befänden. Aktuell lägen in der Ukraine rund 20 Mio. t Getreide auf Lager, die aber wegen der Hafenblockade nicht exportiert werden könnten. Insgesamt rechnet die Ukraine dieses Jahr mit Getreideausfuhren von rund 30 bis 40 Mio. t. Allerdings drohen wegen der Hitzewelle in Indien dramatische Ernteeinbußen von 25 %. Auch in den USA soll die Weizenernte fallen.

Hilfen für ukrainische Exporte

Daher haben die G7-Agrarminister beschlossen, alles zu unternehmen, um die Getreideexporte der Ukraine zu beschleunigen. Vor kurzem hatte die EU-Kommission dazu ebenfalls mehrere Maßnahmen angekündigt. Gleichzeitig wollen die Staaten mithelfen, die Versorgungslage mit Lebensmittel in der Ukraine sicherzustellen, so Bundesagrarminister Cem Özdemir, der in der G7-Runde den Vorsitz hat. Ebenso wolle man die ukrainischen Bauern mit Dünger, Diesel, Saatgut, Technik und Pflanzenschutzmittel unterstützen.

Märkte intensiver beobachten

Preise von Betriebs- und Lebensmitteln wollen die G7-Länder stärker überwachen. Dazu soll das Agrarmarktinformationssystem der G20 (AMIS) ausgebaut werden. Dazu erhöhen die Staaten ihre finanzielle Beteiligung. „Deutschland wir seinen Beitrag auf 80.000 Dollar verdoppeln“, kündigte Özdemir an. Mit der verbesserten finanziellen Ausstattung sollen vor allem die Düngermärkte besser beleuchtet werden.

Exportstopps verurteilt

Um die Agrarpreise nicht noch weiter in die Höhe zu treiben, appellieren Agrarminister an alle Staaten, auf Exportstopps zu verzichten. Das Thema soll auch im Juni auf dem G20-Gipfel in Elmau auf der Tagesordnung stehen, so Özdemir. Hier sollen Indonesien und Indien überzeugt werden, auf ihre Exportstopps für Palmöl und Weizen zu verzichten. Ziel seien offene Agrarmärkte ohne Handelsverzerrungen, um übermäßige Lagerbestände zu vermeiden. Ebenso kündigten die G7-Agrarminister an, jegliche spekulative Verhaltensweisen bekämpfen zu wollen. Wie das konkret umgesetzt werden soll, bleib aber im Unklaren.

Özdemir spricht sich für Tierhaltung aus

Erneut betonten die G7-Staaten in ihrem gemeinsamen Papier, die Agrar- und Ernährungssystem nachhaltiger und widerstandsfähiger machen zu wollen. Dazu zählen unter anderem ein verringerter Einsatz von Pflanzenschutz-, Düngemitteln und Antibiotika, entwaldungsfreie Lieferketten sowie eine angepasste Tierhaltung. „Sie gehört zu einer nachhaltigen Landwirtschaft dazu“, betonte Özdemir.

Verstärken wollen die G7-Länder ihre Maßnahmen zum Klimaschutz. So schnell wie möglich – spätestens jedoch bis 2050 – will man Netto-Null-Treibhausgasemissionen erreichen. Dazu sollen Methoden der nachhaltigen und klimaintelligenten Landwirtschaft – einschließlich Methanreduktionsverfahren – sowie die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und die Senkung des Energieverbrauchs unterstützt werden.

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