Arbeiter bei der Spargelernte
Christel Grommel | am

Gastronomie-Mitarbeiter & Flüchtlinge als Erntehelfer? (aktualisiert)

Saisonarbeiter könnten in der anstehenden Erntesaison fehlen, weil sie aufgrund der Corona-Krise nicht mehr nach Deutschland kommen könnten. Bundesagrarministerin Klöckner schlug nun eine unkonventionelle Lösung dafür vor.

Nach Ansicht von Klöckner könnten Beschäftigte der Gastronomie als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft aushelfen. Viele Saisonarbeiter kämen aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus zur Erntesaison nicht mehr nach Deutschland und würden fehlen. Gleichzeitig würden in der Gastronomie die Gäste ausbleiben und Mitarbeiter dort hätten immer weniger zu tun. 

"Ob diejenigen Mitarbeiter, die in der Gastronomie leider immer weniger zu tun haben, in der Landwirtschaft einspringen können und möchten - auch so etwas müssen wir überlegen", sagte Klöckner angesichts der Corona-Krise. 

Es müsse daher geprüft werden, ob während der Krise bürokratische Anforderungen heruntergefahren werden könnten, um diese "unkonventionellen Wege" zu ermöglichen. 

Landwirt: "Gewagte Idee"

Die LAND & FORST holte dazu ein Statement von Helmut Bleckwenn ein, Landwirt und Vorsitzender des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer. 

"Ich halte das für eine gewagte Idee. Sie ist medienwirksam, aber ich denke, dass die Resonanz nicht groß sein wird. Denn grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht, aber keine Lösung für das Problem. Die Bedingungen der beiden Berufsfelder sind doch zu unterschiedlich, da müsste die wirtschaftliche Not schon groß sein, damit die betroffenen Arbeitnehmer aus der Gastronomie daran interessiert sind. Zudem muss ja auch an den Schutz dieser Menschen gedacht werden."

"Hätte ich Bedarf, würde ich diese Mitarbeiter einsetzen. Probleme mit fachfremden Arbeitern sehe ich nicht, man kann jeden einarbeiten, wenn man es gut macht. Und manche Saisonarbeiter, die sonst kommen, sind ja auch neu."

Asylbewerber als Arbeitskräfte?

Agrarministerin Klöckner und CDU-Innenpolitiker Middelberg sprachen sich im Laufe der letzten Woche auch dafür aus, Asylbewerber und Flüchtlinge als Erntehelfer einzusetzen. 

Gegenwärtig stünden in Deutschland über 600.000 Personen aus den wesentlichen Asylherkunftsländern dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung. Die regionalen Jobagenturen sollten jetzt verstärkt die Integration anerkannter Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt vorantreiben. Auch Asylbewerber, die noch keine Anerkennung haben, dürften nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten. Asylbewebern, die noch keine Arbeitserlaubnis haben, könne kurzfristig eine Arbeitsaufnahme in der Landwirtschaft ermöglicht werden.

Auf dieses erhebliche Potenzial solle man nun zurückgreifen, so Middelberg. 

 

Einreise von Helfern aus Nachbarländern

Trotz strengerer Grenzregelungen sollen Erntehelfer aus direkten Nachbarländern weiter nach Deutschland kommen können. Zur Einreise müssten sie laut Bundesagarministerium Unterlagen wie Arbeitsverträge, Auftragsunterlagen und Grenzgängerkarten vorweisen.

Agrarministerin Klöckner stellte Erleichterungen und flexible Regelungen in Aussicht, um Saisonarbeitern aus nicht direkten Nachbarländern und Rumänien die Einreise zu erleichtern. 

Viele Betriebe hatten in Eigeninitiative Möglichkeiten geschaffen, um Arbeitskräfte aus Rumänien per Flugzeug nach Deutschland zu holen. Hier hatte es jedoch laut Landesbauernverbänden Schwierigkeiten bei der Einreise gegeben. Mit dem Innenministerium sei daher als Verfahren abgesprochen worden, dass Landwirte für Saisonarbeiter aus der EU vorab Informationen an die Bundespolizei der betroffenen Flughäfen schicken können. Das gab das BMEL in einer Pressemitteilung bekannt.

Folgende Informationen werden dazu erwartet

  • Herkunftsland der ankommenden Saisonarbeitskräfte
  • Namen und Geburtsdaten der ankommenden Saisonarbeitskräfte
  • Ankunftsort
  • Ankunftszeit
  • Flugnummer
  • Kontaktdaten des landwirtschaftlichen Betriebes, auf dem die Saisonarbeitskräfte arbeiten werden.
Mit Material von dpa und BMEL

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