Barbara Otte-Kinast Portrait
Christel Grommel | am

Gesellschaftsvertrag: Sechs Fragen an Barbara Otte-Kinast

Noch sind viele Fragen zum von Otte-Kinast geplanten Gesellschaftsvertrag offen. Klar ist jedoch, dass dieser noch in der Amtszeit der Ministerin kommen soll. Die LAND & FORST stellte sechs Fragen zum Thema.

Welchen konkreten Nutzen sehen Sie für die Landwirte im geplanten Gesellschaftsvertrag?

Die Demos in den letzten Monaten haben uns gezeigt, dass die Bauern in Unruhe sind. Sie fühlen sich unverstanden und an den Rand gedrängt. Gleichzeitig fordern sie quasi vom Treckersitz aus einen Dialog mit den Bürgern. Dass das schon wegen des Höhenunterschieds nicht gelingt, frustriert die Landwirte.

Hier brauchen wir eine moderierte Lösung. Einerseits wollen wir eine leistungsfähige Landwirtschaft, die uns mit hochwertigen Lebensmitteln versorgt. Andererseits erwartet die Gesellschaft Gemeinwohlleistungen. Das können Landwirte aber nur erfüllen, wenn sie ein angemessenes Einkommen erzielen. Nur wenn es gelingt, den Konflikt aufzulösen, werden beide Seiten wieder miteinander versöhnt.

Wie realistisch schätzen Sie eine solide Finanzierung des Vertrags ein?

Als wir von Kernkraft auf Erneuerbare Energien umgestiegen sind, sollte eine Umlage, die alle über den Strompreis zahlen, diesen Umstieg erleichtern. So stelle ich mir das auch bei der Tierwohlabgabe vor. Die Verbraucher wollen, dass Tiere tiergerechter gehalten werden, gleichzeitig wollen sie möglichst wenig für Fleisch ausgeben. Bundesministerin Julia Klöckner hat in diesem Zusammenhang von 40 Cent mehr pro Kilo Fleisch gesprochen.

Was sehen Sie als die größte Hürde im anstehenden Prozess an?

Da gibt es ein Bündel von nicht ganz einfachen Fragen, die im Zusammenhang mit der Umlage geklärt werden müssen. Wie kann so etwas sozialverträglich gestaltet werden? Müssen möglicherweise die Hartz-IV-Sätze erhöht werden? Außerdem müssen wir den Gesellschaftsvertrag als Prozess exzellent moderieren und kommunizieren, damit wir viele Menschen auf dem Weg mitnehmen. Das wird eine große Herausforderung.

Wie sollen Verbraucher zum Umdenken, zur Wertschätzung von Lebensmitteln und zum Konsumverzicht gebracht werden?

Um es klar zu sagen: Es geht mir nicht um Verzicht. Ich gönne jedem seine Grillwurst, wünsche mir aber, dass bewusster gekauft und konsumiert wird. Da hilft die Krise vielleicht etwas. Während in den letzten Jahren Lebensmittel im Überfluss vorhanden waren und die Verschwendung stark angestiegen ist, machen wir uns plötzlich wieder Gedanken über eine sichere Versorgung. Der Gedankenprozess, dass Lebensmittel keine Wegwerf-Ware sind, muss bereits bei Kindern und Jugendlichen einsetzen.

Welche Zugeständnisse müssen aus Ihrer Sicht von Seiten der Landwirtschaft kommen?

Der Gesellschaftsvertrag ist nur dann wirkungsvoll, wenn sich beide Partner aufeinander zubewegen. Ich erwarte deshalb auch seitens der Landwirtschaft konkrete Angebote. So wie jetzt beim "Niedersächsischen Weg". Da ist es gelungen, dass sich Naturschutzverbände, Politik und Landwirtschaft auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Heimische Landwirte fühlen sich im Wettbewerbsnachteil gegenüber Importware. Wie kann der Gesellschaftsvertrag hier ausgleichend wirken?

Ich bin davon überzeugt: Der Gesellschaftsvertrag kann die Aufmerksamkeit auf diese Problematik lenken und zur Wertschätzung von regional erzeugten Produkten beitragen.

Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Unkraut einfach weglasern - neue Möglichkeiten in der Landwirtschaft
  • Der Putenmarkt reagiert drastisch auf hohe Futterkosten und niedrige Erlöse
  • Das Winterprogramm der Niedersächsischen Landjugend ist da!
  • Investoren bedrängen Landwirte: Freiflächen-Photovoltaik

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen