Brachfläche - Green Deal wird teuer
Maren Diersing-Espenhorst | am

Green Deal: Umsetzung wird teuer

Unter den deutschen Landwirten besteht eine hohe Bereitschaft für Eco-Schemes. Jeder Zweite wäre dafür mit einer Umschichtung von bis zu 30 Prozent der Mittel der Ersten in die Zweite Säule einverstanden.

Bei der Umsetzung des Green Deal setzt das derzeit dafür vorgesehene Budget enge Grenzen für die Honorierung von Eco-Schemes. Es sei grundsätzlich möglich, die mit dem Green-Deal angestrebten Ziele über freiwillige Maßnahmen - verbunden mit Kompensationszahlungen – anzusteuern. Das geht aus einer Studie eines Forscherteams um Prof. Uwe Latacz-Lohmann von der Universität Kiel hervor.

Hohe Bereitschaft zu Eco-Schemes

In einer Umfrage für die Untersuchung zeigte sich nach Angaben von Latacz-Lohmann eine hohe Bereitschaft der Landwirte zur Einführung von Eco-Schemes wie Grünbrachen, vielfältige Ackerkulturen, Altgrasstreifen oder eine Reduzierung des Mineraldüngereinsatzes. Dabei war etwa jeder zweite Teilnehmer damit einverstanden, dass 20 bis 30 Prozent der Gelder aus der Ersten-Säule für diesen Zweck bereitgestellt werden. Über die für entsprechende Eco-Schemes erreichbare Teilnahmefläche entscheidet nach Darstellung der Forscher nicht zuletzt die Höhe der Kompensationszahlungen.

Budget schnell überschritten

Für das Eco-Scheme „Grünbrache“ errechneten die Wissenschaftler aus den Angaben der an der Umfrage beteiligten Landwirte für die angestrebten sieben Prozent der deutschen Ackerfläche beispielsweise eine mittlere notwendige Kompensationszahlung von 733 Euro/ha. Dies würde 819.000 ha oder einem Prämienvolumen von 600 Mio. Euro entsprechen. Damit wäre von dem insgesamt zur Verfügung stehenden Budget für Eco-Schemes von gut einer Milliarde Euro bereits mehr als die Hälfte verbraucht, konstatieren die Kieler Forscher. Je nach regionaler Flächenverfügbarkeit gehen die vorausgesetzten Förderhöhen zudem deutlich auseinander.

Für die Senkung des Düngereinsatzes um ein Fünftel auf 60 Prozent aller Flächen wäre nach den vorliegenden Berechnungen eine Kompensation von 315 Euro/ha erforderlich. Würde man die im Green Deal angestrebte Reduktion des Düngemitteleinsatzes um 20 Prozent und die Minderung der Nährstoffverluste um die Hälfte zum Beispiel rein über das Eco-Scheme „Reduktion des Stickstoffbedarfs“ erzielen wollen, müsste dieses auf der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LN) Deutschlands umgesetzt werden, was außerdem eine Kompensation von 515 Euro/ha notwendig machen würde.

Agrarhaushalt reicht nicht für Ziele

Wie Latacz-Lohmann darüber hinaus feststellt, wären bei einer vollständigen Umsetzung des Green-Deal-Ziels für einen Bracheanteil von bundesweit zehn Prozent - davon drei Prozent nichtproduktive Fläche und weitere sieben Prozent Grünbrache - insgesamt rund 820 Mio. Euro an staatlichen Beihilfen erforderlich; für das Reduzieren des Düngereinsatzes auf 60 Prozent der Fläche seien es etwa 3,2 Mrd. Euro und für breitere Fruchtfolgen auf der Hälfte der deutschen Ackerfläche immerhin eine Milliarde Euro.

Verfügbar zur Finanzierung der Eco-Schemes seien absehbar aber nur etwa 1,1 Mrd. Euro pro Jahr, gibt der Kieler Agrarökonom zu bedenken. Deshalb sei es mit dem derzeitigen Agrarhaushalt nicht möglich, mehrere Ziele des Green Deal zu finanzieren. Für deren Erreichung hält Latacz-Lohmann daher flankierende Maßnahmen wie die Agrarumweltprogramme im Rahmen der Zweiten Säule für erforderlich, schließt aber auch ordnungsrechtliche Vorgaben nicht aus.

Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert

Mehr zu diesem Thema

 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Die Wegweiser: Was bringt die Zukunft für die Landwirtschaft?
  • Wir haben uns mit Kurzschwanzmäusen beschäftigt
  • Lof-Anhänger: alles über das 25 km/h-Schild
  • Wie Wildfleisch erfolgreich vermarktet werden kann

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen