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Wiebke Herrmann | am

Höfen geht die Luft aus: Sauenhalter senden Weckruf an Cem Özdemir

Mit Videobotschaften in den sozialen Medien richten sich Schweinehalter mit Weckrufen an Cem Özdemir.

Schweinehalter sind in Alarmstimmung und fordern von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, ein Gesamtpaket mit einer geeigneten Haltungs- und Herkunftskennzeichnung, einer Finanzierung der Tierwohlmaßnahmen auf den Betrieben und einer Anpassung des Bau- und Immissionsschutzrechts.

Enno Garbade, Vorsitzender des Arbeitskreises Sauenhaltung im Landvolk Niedersachsen, erläutert im Video: „Wir müssen für das Deckzentrum bereits in spätestens zwei Jahren Betriebs- und Umbaukonzepte vorlegen.“ Um Planungssicherheit zu bekommen, müssten zumindest die Fristen der Tierschutznutztierverordnung (TierSchNV) angepasst werden. „Seit zwei Jahren haben wir Sauenhalter versucht, die Verluste zu kompensieren. Leider geht uns mittlerweile die Luft aus, und immer mehr Betriebe fahren vor die Wand“, beschreiben die AKS-Vorsitzenden die dramatische, inzwischen für viele Kollegen fast aussichtslose Lage.

Forderung der Schweinehalter: „Mehr realisierbares Tierwohl in Deutschland wagen!“

Die Sauenhalter im Arbeitskreis Sauenhalter haben zu den Konzepten für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konkrete Anmerkungen und Forderungen:

  • Sie sehen es positiv, dass das BMEL die Vorschläge seines Kompetenznetzwerks zur Nutztierstrategie wieder aufgegriffen hat. Um den Zusammenbruch der Sauenhaltung zu verhindern, müsse sofort gehandelt werden.
  • Oberhalb des gesetzlichen Standards fordern die Sauenhalter das Einführen einer Stufe „Stallhaltung Plus“, die ohne Außenklima durch kleine Umbauten im Stall umgesetzt werden kann und die anerkannt und gefördert wird. Anderenfalls würden Betriebe, die sich im Rahmen der Imitative Tierwohl (ITW) für mehr Tierwohl engagieren, nicht mehr gewürdigt. Wird diese Haltungsstufe nicht ausgewiesen bestünde die Gefahr, dass die hier mitwirkenden betriebe wieder zum gesetzlichen Standard zurückkehren. Zudem werden viele Familienbetriebe aus Baurechts- und Immissionsschutzgründen, aber auch aufgrund von Förderbedingungen (AFP), nur in der vorhandenen Ställen Veränderungen vornehmen können.
  • Die Nummerierung der verschiedenen Haltungsformen sollte zudem nicht im Konflikt mit der Haltungskennzeichnung des Handels stehen. Eine Ziffernreihenfolge von 0 (Bio/Premium) bis 3 (gesetzlicher Standard) würde im Nebeneinander mit der bei gutem Bekanntheitsgrad etablierten privatwirtschaftlichen Kennzeichnung von 1 (Stallhaltung) bis 4 (Premium) zu erheblicher Verwirrung unter den Verbrauchern führen.

Schweinehalter warten auf Perspektiven

Die Schweinehalter ordern, die Nutztierstrategie zeitnah umzusetzen. Es fehle an Perspektiven. Schon jetzt werden nur noch Dreiviertel der Ferkel in Deutschland erzeugt. „Wir warten dringend auf Perspektiven, die uns zum Weitermachen ermutigen“, fassen die Schweinehalter des Arbeitskreises zusammen. „Eine weitere Verlagerung der Erzeugung ins benachbarte Ausland würde dem Tierwohlgedanken nicht gerecht werden und ist zu verhindern.“

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