Kälberhaltung
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Kälberhaltung: Bekommen wir ein Raus-Rein-System?

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich fand Iglus schon als Kind toll. Diese weißen, halbkugelförmigen Schneegebilde wirken gemütlich und irgendwie abenteuerlich.

Im Winter haben wir versucht, sie zu bauen – das hat natürlich nie geklappt, meistens, weil die Schneemengen, aber vor allem unsere Geduld fehlten. Umso begeisterter war ich, als mein Vater die ersten Kälberiglus für unsere Nachzucht anschaffte.

Was für eine clevere Idee: Die Jungtiere konnten auf Stroh, draußen an der frischen Luft gehalten werden. Sie hatten Sichtkontakt zu ihren Artgenossen, ohne dass Krankheitserreger durch direkten Kontakt übertragen wurden. Wir hatten jedes Kalb gut im Blick und konnten die Konstitution einschätzen. Ein Nachteil war das Reingekrabbel in die kleinen Hütten, wenn ein Tier mal nicht saufen wollte. Dennoch überwogen die Vorteile.

Ende der Kälberiglus?

Diese Haltungsform soll nun verboten werden. Auslöser ist die Bürgerinitiative „End the Cage Age“. Sie fordert ein komplettes Ende der Käfighaltung von Nutztieren. Neben Kastenständen in der Sauenhaltung und Legebatterien in der Hühnerhaltung, betrifft das unter anderem auch die Einzelhaltung von Kälbern.

Die Europäische Kommission bestätigte, dass sie bis Ende 2023 einen Vorschlag unterbreiten will, um die Verwendung von Käfigsystemen für alle in der Initiative genannten Tiere schrittweise zu beenden und schließlich zu verbieten.

Systemwechsel in der Rinderhaltung

Dies stellt die Rinderhalterinnen und Rinderhalter vor unglaubliche Herausforderungen, die durch den überraschenden Bundestagsbeschluss, nach dem Kälber voraussichtlich ab Herbst 2022 erst transportiert werden dürfen, wenn sie älter als 28 Tage sind, noch befeuert werden.

Durch diese beiden Entscheidungen könnte die gesamte Branche innerhalb kürzester Zeit zu einem Systemwechsel gezwungen werden, dessen Folgen noch gar nicht abzuschätzen sind.

Zurück in den Stall

Die Anschaffung größerer Einzeliglus wäre nur eine kurzfristige Lösung, da diese unter das Verbot der Käfighaltung fallen würden. Werden wir nach dem Rein-Raus-System jetzt ein Raus-Rein-System - raus aus der frischen Luft, rein in den Stall - bekommen? Denkbar.

Was dies dann mit Fachlichkeit, Tierschutz oder artgerechter Haltung zu tun hätte, erschließt sich mir nicht so ganz.

Folgen noch unklar

Welche Folgen das für die Gesundheit der Tiere haben wird, ist unklar. Steigt durch die Gruppenhaltung der Medikamenten- und Antibiotikaeinsatz in der Aufzucht, werden die Landwirte wohl erneut an den Pranger gestellt, da sie vermeintlich ihre Haltung nicht im Griff haben.

Strukturwandel wird befeuert

Zu erwarten sind auf jeden Fall steigende Kosten für Futter, Einstreu, Arbeit und natürlich die riesige Investition in neue Haltungssysteme. Die Wirtschaftlichkeit der rinderhaltenden Betriebe wird durch diese Vorhaben jedenfalls nicht befördert, denn dass dieser Mehraufwand auch entsprechend entlohnt wird, ist Wunschdenken.

Es ist zu befürchten, dass der Strukturwandel in diesem Sektor weiter vorangetrieben wird, da besonders kleinere Betriebe diesen Systemwechsel nicht leisten können.

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