Maren Diersing-Espenhorst
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Kein Fisch, kein Fleisch

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich esse gerne Fleisch. Ich brauche es nicht jeden Tag, aber ich mag Schinken, Steak, Wurst oder Geflügelfleisch.

Deshalb bin ich froh, dass ich an keinen EU-Sitzungen im Bereich Umwelt unter der Führung des Bundesumweltministeriums teilnehmen muss. Dort will man nämlich bei der Bewirtung sowohl auf Fisch als auch auf Fleisch verzichten. Das heißt wohl, dass es keine Wurstbrötchen geben wird, keine Fleischspießchen, keine Hackbällchen. Nichts!

Keine Wahl

Das ist erzwungener Vegetarismus! In gewisser Weise werden die Teilnehmer entmündigt. Denn es wird ihnen die Entscheidung abgenommen, ob sie Fleisch essen möchten oder nicht. Sie haben keine Wahl mehr – und das in einer Demokratie. Das finde ich nicht richtig! Wäre es nicht sinnvoller, man würde sich häufiger vor Augen führen, was es bedeutet, Fleisch zu essen und woher dieses wertvolle Nahrungsmittel kommt?

Bewusst essen

Ich bin mir bewusst, dass ein Tier sein Leben lässt, damit ich sein Fleisch essen darf. Ein Tier, das auf einem landwirtschaftlichen Betrieb gezeugt, geboren und aufgezogen wurde, das vom Landwirt gepflegt, gefüttert und möglichst gut gehalten wurde. Ein Tier, das, wenn es ausgemästet ist, auf einen Schlachthof gebracht und dort getötet wird. Sein Körper wird dort zerlegt, weiterverarbeitet und verpackt, bis er in den Lebensmittelhandel und schlussendlich bei mir daheim auf den Tisch kommt. Ich weiß also durchaus, was es bedeutet, Fleisch essen zu dürfen und wie wertvoll Fleisch ist. Sie, liebe Landwirtinnen und Landwirte, wissen das auch. Aber machen sich das alle Menschen bewusst? Ich denke nein.

Ein gutes Beispiel ist löblich, aber....

Der bewusste Verzehr – oder in diesem Fall Verzicht – von Fleisch ist übrigens nicht der Grund, den das Umweltministerium angibt. Dessen Begründung ist, dass Umwelt und Klima während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft möglichst wenig belastet werden sollen. Deshalb würden Veranstaltungsorte gewählt, die beispielsweise Ökostrom nutzen oder eine günstige Lage hätten.

Dass das Umweltressort mit gutem Beispiel voranschreiten will, ist löblich. Der komplette Verzicht auf Fleisch – und Fisch – ist es nicht. Es hat nach alldem, was in den vergangenen Monaten passiert ist, einen unschönen Beigeschmack. Es fühlt sich so an, als solle hier erneut die Landwirtschaft abgestraft werden. Eine Branche, die auch für alle anderen hochwertigen Lebensmittel sorgt, die hierzulande oder in Brüssel auf den Tisch kommen.

Lebensmittel sind wertvoll

Deshalb fände ich es viel schöner, wenn man den Teilnehmern dieser Runden vor Augen führen würde, wie, wo und vor allen Dingen von wem die Nahrungsmittel, die dort genossen werden, erzeugt werden. Denn unsere Lebensmittel sind wertvoll. Es braucht viel Hingabe und Arbeit, bis sie von uns oder den Vertretern der Europäischen Union gegessen werden können.

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