Julia Klöckner bei der Eröffnung des Zentrums Weidetiere und Wolf
Christel Grommel | am

Klöckner eröffnet "Bundeszentrum Weidetiere und Wolf"

Das Zentrum befindet sich in Eberswalde und soll mit verschiedenen Maßnahmen die Koexistenz zwischen Wolf und Nutztieren verbessern.

Dazu gehören etwa die Optimierung von bestehenden Schutzmaßnahmen oder der Vorschlag neuer Forschungsprojekte zur Entwicklung neuer Maßnahmen. Auch die Verfahren nach einem Übergriff sowie die Entschädigungspraxis sollen verbessert werden.

Seit Jahren nimmt die Zahl der in Deutschland lebenden Wölfe zu. 128 Rudel und 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzeltiere sind nach Daten des Bundesamtes für Naturschutz für das Monitoringjahr 2019/20 bestätigt. Sehr viele Tiere sind in Niedersachsen heimisch. 

Immer wieder kommt es zu Angriffen von Wölfen auf Weidetiere. Die Anzahl verwundeter und getöteter Tiere erhöhte sich von 40 im Jahr 2006 auf rund 2900 im Jahr 2019, wie es aus dem Ministerium hieß. Besonders gefährdet seien ungeschützte Weidetiere.

Wesentliche Aufgaben des Bundeszentrums

  • Erstellung einer jährlichen, länderübergreifenden Übersicht der angewandten Herdenschutzmaßnahmen (Zaun, Herdenschutzhunde) insbesondere in Wolfsgebieten, einschließlich der Erfassung der bei diesen Maßnahmen dennoch stattgefundenen Übergriffe – mit Ursachenforschung.
  • Optimierung von angewandten Schutzmaßnahmen unter anderem durch Rückkopplung mit Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaft, betroffenen Praktikern und Verbänden.
  • Entwicklung neuer Forschungsprojekte zu Herdenschutzmaßnahmen, auch unter Nutzung der Digitalisierung.
  • Optimierung von Abläufen nach einem Wolfsübergriff sowie Verbesserung der Verfahren der Entschädigungspraxis in Zusammenarbeit mit den Ländern.
  • Klärung von Finanzierungsfragen des Herdenschutzes.
  • Förderung des Dialogs zwischen Weidetierhaltern, den Verbänden des Naturschutzes und der Öffentlichkeit.
  • Rechtliche Klärung der naturschutzrechtlichen Einstufung des Wolfes sowie strategische Überlegungen zur Regulierung.

Das Bundeszentrum ist Teil der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Das Zentrum wird für 2021 und 2022 mit jeweils 300.000 Euro und drei Vollzeitstellen ausgestattet.

Bauernverband fordert konsequente Entnahmen

DBV-Präsident Rukwied kritisierte das fehlende Wolfsmanagement in Deutschland: "Die bisherigen Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz zur Regulierung von Wölfen sind für den Schutz der Weidetierhaltung faktisch nutzlos und bleiben weit hinter dem europarechtlich Machbaren zurück. Das zeigt der Vergleich zum Wolfsmanagement in anderen europäischen Staaten wie Schweden und Frankreich. Unsere Weidetierhalter haben die Erwartung, dass das bestehende europäische Naturschutzrecht jetzt endlich umgesetzt wird. Vor allem müssen Wölfe und Rudel, die wiederholt Weidetiere reißen, konsequent entnommen werden."

Die Einrichtung eines Bundeszentrums Weidetiere und Wolf sei richtig und greife die Forderung des DBV auf, die mit der Ausbreitung der Wölfe in Deutschland auftretenden existentiellen Probleme bei der Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und anderen Weidetieren endlich zu beheben. Das Bundeszentrum dürfe sich aber nicht auf Fragen des Zaunbaus und Herdenschutzes beschränken, sondern müsse auch die Regulierung des Wolfes mit einbeziehen. 

Nur eine Verlagerung des Problems?

Das Zentrum sei keine Lösung, sondern nur eine Verlagerung der Probleme in die Hände des Bundes, der nicht mal den günstigen Erhaltungszustand ausrufen könne oder wolle, erklärte Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung (FDS).

"Seit Jahren fordern wir ein wirkliches aktives Wolfsmanagement statt einer Wolfsverwaltung. Die Gefühlswelt der Weidetierhalter und ihrer Tiere ist nicht verstanden worden und wird durch dieses neue Zentrum nicht besser. Im Ergebnis ist man also nicht viel weiter als zuvor", zeigt sich Schmücker enttäuscht.

Es sei noch nicht in den Köpfen der Entscheidungsträger angekommen, dass Herdenschutz seine Grenzen habe. Es gebe keine praktikable Herdenschutzmaßnahme, um Wolfsrisse zu verhindern.

Der FDS fordere eine Regulierung der Wölf und somit aktives Wolfsmanagement.

Mit Material von BMEL, DBV, dpa, FDS
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