Meinung | Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks | am

Landvolk: QS-System muss für einheitliche Regelungen sorgen

Die derzeitigen Diskussionen über das QS-System sind schon bemerkenswert, sagt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers.

Liebe Landwirtinnen und Landwirte, die derzeitigen Diskussionen über das QS-System sind schon bemerkenswert.

Jörn Ehlers, Landvolk-Vizepräsident

Es ist gut, wie sich Wissenschaft, das QS-System selbst, aber auch Landwirte insbesondere für die Standards der Tierhaltung einsetzen und einbringen. Das spiegelt die Bedeutung des Qualitätssicherungssystems für alle Beteiligten wider.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Die gesetzlichen Grundlagen in der Tierhaltung entfernen sich jedoch in den europäischen Mitgliedsstaaten immer weiter voneinander. Dafür ist die Ferkelkastration nur ein Beispiel von vielen. Die erst kürzlich beschlossenen Änderungen in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung werden die Unterschiede der Schweinehaltung, insbesondere der Sauenhaltung, zwischen den Hauptwettbewerbsländern im gemeinsamen Markt weiter vergrößern.

Sowohl für Tierhalter als auch für Verbraucher muss es wichtig sein, diese Unterschiede zumindest erkennen zu können, um auch im Preis eine angemessene Differenzierung zu rechtfertigen.

Folgen: Marktverwerfungen

Wie groß solche Marktverwerfungen sein können, hat das Thünen-Institut kürzlich am Beispiel der Ferkelkastration ausgeführt. Etwa 25 Prozent der in Deutschland benötigten Ferkel werden aus Ländern importiert, deren Standards hierfür einen Kostenvorteil von zwei bis vier Euro je Ferkel generieren. Die erheblichen direkten negativen Auswirkungen auf den Gewinn pro Sau hat das Thünen-Institut ebenfalls errechnet.

Unlauterer Wettbewerb

Für mich ist nun unverständlich, wie sich QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff über die Anerkennung in Deutschland nicht zugelassener Kastrationsmethoden durch QS äußert. In meinen Augen darf QS nicht zum Türöffner für jegliche Qualität und jeden Standard missbraucht werden. Es kann nicht Ziel sein, um jeden Preis eine möglichst hohe Marktabdeckung von QS durch Anerkennung ausländischer Verfahren zu erzwingen.

Hierdurch wird das Vertrauen der QS-Beteiligten und der Konsumenten in das QS-System aufs Spiel gesetzt. Eine juristische Beurteilung durch Rechtsanwalt Andreas Doose, veröffentlicht im Jahresbericht 2018 des Erzeugerrings Westfalen, kommt zu dem Schluss, dass „die Aufstellung von Zertifizierungsbedingungen, die hinter dem rechtlichen Standard zurückbleiben, unter bestimmten Voraussetzungen schon als unlautere geschäftliche Handlung im Sinne des Wettbewerbsrechts geahndet werden können.“

Forderung: Einheitliche Standards

Auch aus diesem Grund muss unsere Forderung an QS sein, eine Einheitlichkeit der Regeln für alle Beteiligten zu gewährleisten. Es geht nicht um die Abgrenzung anderer Marktteilnehmer, es geht um die Abgrenzung anderer Standards – also das, was immer die ureigenste Aufgabe eines Qualitätssicherungssystems sein sollte.

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