Schweine auf Stroh

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Meinung | Rainer Fricke, LWK Niedersachsen | am

Landwirte: Zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und Ökonomie

Auf der Kammerversammlung in der vergangenen Woche hat Kammerpräsident Gerhard Schwetje die Unternehmensergebnisse des vergangenen Wirtschaftsjahres dargestellt.

Einmal mehr unterstreichen sie, in welch schwierigem Prozess sich die landwirtschaftlichen Betriebe nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit aktuell befinden.

Das ist nicht zu leisten

Die Gesellschaft fordert neue Standards bezüglich Klima-, Umwelt-, Arten-, Gewässer- und Tierschutz. Auf der anderen Seite soll die wirtschaftliche Stabilität der Familienbetriebe die Grundlage dafür bilden, diese Forderungen umzusetzen. Die mittlerweile für jedes Bundesland vorliegenden Ergebnisse beweisen, dass die allermeisten Betriebe dazu derzeit nicht in der Lage sind.

Niedersächsisches Testbetriebsnetz

Insgesamt 1.500 repräsentativ ermittelte Betriebe aus ganz Niedersachsen stellen im November eines jeden Jahres ihre Jahresbilanzen zur Verfügung, um die wirtschaftliche Situation auf den Höfen darzustellen. Die vergleichenden Auswertungen von 800 identischen Haupterwerbsbetriebe aus dem niedersächsischen Testbetriebsnetz machen deutlich, wie groß das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und ökonomischer Realität ist.

Rainer Fricke, Leiter Sachgebiet Testbetriebsnetz und Sachverständigenwesen der Landwirtschaftskammer

Gewinne in Höhe von 62.000 Euro für einen 120 Hektar großen Marktfruchtbetrieb oder 53.000 Euro für einen Futterbaubetrieb mit 105 Milchkühen reichen nicht aus, um zukunftsorientiert wirtschaften zu können. Die Unternehmensergebnisse der Veredlungsbetriebe stellen mit Blick auf das laufende Wirtschaftsjahr eine verheerende Situation dar.

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Mit dem Brennglas betrachtet wird das noch deutlicher. Jeder sechste Haupterwerbsbetrieb der Vergleichsgruppe hat nicht einmal einen positiven Jahresabschluss vorlegen können und musste Verluste hinnehmen. Ein Schicksal, das bei den Veredlern sogar ein Viertel aller ausgewerteten Betriebe teilen.

Keine zukunftsorientierte Betriebsentwicklung

Auch der Blick in die letzten Wirtschaftsjahre zeigt kein anderes Bild. Das fünfjährige Gewinnmittel bietet mit rund 60.000 Euro ebenfalls noch keine Basis für zukunftsorientierte Betriebsentwicklungen, wenn daraus Lebenshaltung, private Versicherungen und Steuern zu entrichten sind.

Allein für Krankenkasse, Alterskasse und Baraltenteil kommt schnell ein Betrag von 20.000 Euro pro Jahr zusammen. Außerdem abzuziehen sind private Steuern und die für einen wettbewerbsfähigen Betrieb unumgänglichen Neuanschaffungen.

Und das alles bei mehr als 2.200 Stunden pro Jahr, die viele Landwirtinnen und Landwirte auf dem Acker, im Stall und im Büro arbeiten. Ein angemessenes Entgelt für die Arbeit der Familienangehörigen oder auch die Entlohnung des eingesetzten Kapitals und für die unternehmerische Tätigkeit ist da unmöglich.

Existenzbedrohende Spirale

Eigenkapitalverluste sind die Folge, das heißt die Familien leben erneut von Ersparnissen, die zu Altersabsicherung geplant waren. Investitionen in neue Technik oder vorgeschriebene bauliche Veränderungen sind nur noch durch Fremdkapital finanzierbar. Für den überwiegenden Teil der Betriebe eine existenzbedrohende Spirale.

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