Bernd Althusmann, Wirtschaftsminister
Maren Diersing-Espenhorst | am

Landwirtschaft in Niedersachsen neu ausrichten?

Niedersachsen ist von einer gut funktionierenden Landwirtschaft geprägt, so Bernd Althusmann. Deshalb wolle die Landesregierung Niedersachsen gemeinsam mit der Branche Perspektiven entwickeln.

„Die gegenwärtige agrarpolitische Entwicklung bereitet uns große Sorgen“, sagt Thomas Sprock von der Firma Urban bei einem Treffen der Interessengemeinschaft (IG) Landwirtschaft mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann in Hude. „Es werden Gesetze durchgewunken, die mit Sachverstand nicht zu erklären sind.“

Die Folgen seien für die landwirtschaftlichen Betriebe und die Unternehmen im vor- und nachgelagerten Bereich untragbar. „Wir müssen den Eindruck gewinnen, dass besonders die Tierhaltung in Deutschland aufgegeben werden soll“, betont Sprock. Prognosen würden zeigen, dass es im Jahr 2040 nur noch 100.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland geben werde – 167.000 Höfe weniger als heute.

Landwirt Jan-Bernd Stolle aus Großenkneten fügte hinzu, dass er mit unzähligen Berufskollegen im Austausch sei, die mit ihren Kräften am Ende seien und nicht mehr wüssten, wie es weitergehen solle. Man scheine zu vergessen, dass an einem landwirtschaftlichen Betrieb zehn Arbeitsplätze in der angegliederten Agrarbranche hängen. In der Summe wären das 1,67 Mio. Arbeitsplätze in Deutschland, die neben den landwirtschaftlichen Betrieben gefährdet seien.

Perspektiven für Niedersachsens Landwirtschaft

„Wir sind in Niedersachsen von einer gut funktionierenden Landwirtschaft geprägt“, sagte Dr. Bernd Althusmann. Deshalb wolle die Landesregierung gemeinsam mit der Branche Perspektiven entwickeln. Er wisse aber, dass zu viele Dinge angefangen bei der Düngeverordnung über den Niedersächsischen Weg bis hin zur aktuellen Lage in den schweinehaltenden Betrieben aufgrund der Coronakrise und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gleichzeitig auf die Landwirte und die ganze Branche zu gekommen sein.

Zudem sei den Menschen der Wert der Lebensmittelproduktion nicht mehr ausreichend bewusst. Das müsse sich ändern, denn „wir müssen die Akzeptanz der Bevölkerung für die Landwirtschaft hinter uns haben“, so Althusmann. So müsse man den Wunsch der Bevölkerung nach beispielsweise mehr Tierwohl erfüllen. „Dies könne wir auch mit entsprechenden Ausgleichsleistungen erreichen“, sagte der Minister.

Preiskampf ruiniert Betriebe

Gebrochen werde müsse zudem die große Macht des Lebensmitteleinzelhandels, so der Wirtschaftsminister weiter. „Der Preiswettkampf, der die Betriebe teilweise ruiniert, ist ein ernsthaftes Problem“, betonte Althusmann.

„Ich habe mir immer gewünscht, dass auf Bundesebene auch dieses Thema viel stärker in den Fokus rückt.“ Der in der Gesellschaft verbreitete Widerspruch nach mehr Tierwohl und Umweltschutz einerseits und der Schnäppchenjagd andererseits müsse beseitigt werden. „Qualitativhochwertige Lebensmittel dürfen auch mehr kosten und der muss Landwirt für seine Leistung entsprechend entlohnt werden“, zeigte sich Althusmann überzeugt. Landwirte sorgten aber nicht nur für die Erzeugung von Lebensmitteln, sondern seien gleichzeitig Umweltschützer, Tierzüchter und Ackeranbauer.

Landwirtschaft neu ausrichten?

Deutschland müsse deshalb versuchen die Wirtschaftskraft der Agrarbranche stärker gegenüber der EU deutlich zu machen, erklärte der Wirtschaftsminister. „Die Landesregierung ist getragen von einer Verantwortung für unsere Urproduktion und die vor- und nachgelagerten Bereiche in Niedersachen“, so Althusmann.

„Mit einer klugen Förderpolitik versuchen wir das auszugleichen, was an Auflagen über den Niedersächsischen Weg, Farm-to-Fork oder sonstigen Bereichen kommt.“ Denn wenn die Politik die Landwirtschaft neu ausrichten wolle, dann müsse sie auch Anreize schaffen, damit dies auch umsetz- und leistbar sei.

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