Bauerntag 2022

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Landwirtschaft muss raus aus der Opferrolle und zum Gestalter werden

Auf dem Bauerntag 2022 wurde viel diskutiert. Auch über ein neues Selbstbild für die Landwirtschaft, das die Opferrolle verabschieden soll: #Zukunftsbauern.

Moin liebe Leserinnen und Leser, der diesjährige Bauerntag in Lübeck hatte in mehrfacher Hinsicht mit Fischen zu tun. Klar, es gab Fisch am Buffet und die Hansestadt Lübeck liegt in Schleswig-Holstein zwischen Nord- und Ostsee und in beiden Meeren gibt es Fische.

Aber überraschender war die Diskussionsmethode, die auf der Bühne angewandt wurde: die sogenannte Fishbowl-Methode. Dabei diskutieren die Teilnehmer auf der Bühne – aber es können auch Zuschauer aus dem Publikum nach oben kommen und zur Debatte beitragen. Und diese Möglichkeit wurde von den Delegierten beim Deutschen Bauerntag reichlich in Anspruch genommen.

#Zukunftsbauern: Die Wertschätzung zurückbringen

Diskutiert wurden die „#Zukunftsbauern“. Damit möchte der Bauernverband (DBV) Wertschöpfung und Wertschätzung zurück auf die Betriebe bringen. Man will das Selbstbild der Landwirtschaft schärfen und kommunizieren, um so die Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. In einer Arbeitsgruppe habe man sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, warum die Gesellschaft die heimische Landwirtschaft brauche, erläuterte Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein.

Landwirtschaftliche Themen aktiv besetzen

Er betonte, dass die Landwirtinnen und Landwirte ein neues Selbstbild, ein neues Rollenverständnis und eine neue Kommunikation brauchten. Diese Veränderungen müssten von den Bäuerinnen und Bauern selbst ausgehen. In der mehrstündigen Debatte wurde zudem geäußert, dass man aus der derzeitigen Opferrolle heraus und hin zum Gestalter und Taktgeber kommen solle. Man müsse „vor die Welle“ der Themen kommen und diese aktiv besetzen. Eine Teilnehmerin erklärte: „Seien Sie frech und fröhlich“ in der Kommunikation mit den Mitmenschen. Man dürfe und müsse sogar witzig und unterhaltsam kommunizieren, um den Spaß an der Landwirtschaft und der Arbeit als Landwirt zu vermitteln.

Schlussendlich haben die Delegierten den Prozess „#Zukunftsbauern“ mit breiter Zustimmung gestartet, auch wenn einige Teilnehmer im Rahmen der Debatte anmerkten, dass der tatsächliche Inhalt den Mitgliedern nicht immer klar sei. Diese sollen nun erst entwickelt werden.

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Diskussion ist gut, aber nicht genug

Ob – und wie – das funktionieren kann? Wir dürfen gespannt sein. Als positiv werte ich, dass sich der DBV der Diskussion um das Selbstbild und das Rollenverständnis stellen will. Ich drücke die Daumen, dass es gelingt, auf einen Nenner zu kommen und diesen dann auch der Gesellschaft zu vermitteln.

Ob man es schaffen wird, vor die Welle der Diskussion zu kommen – nehmen Sie es mir nicht übel – das scheint mir unter den derzeitigen Bedingungen schwer zu werden. Zwar betonte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir bei seiner Rede während des Bauerntags „Landwirtschaft ist unverzichtbar“. Trotzdem fehlen den landwirtschaftlichen Betrieben noch immer zuverlässige Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und eine dauerhafte Perspektive. Und diese sind unentbehrlich für unsere Zukunftsbauern.

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