Ernte von Silomais
Maren Diersing-Espenhorst | am

Landwirtschaft ist systemrelevant - sagen Spitzenpolitiker

Man kann die Herausforderungen der Landwirtschaft nur gemeinsam angehen, darin waren sich alle Teilnehmer des digitalen Agrarpolitischen Jahresauftakts des Deutschen Bauernverbands (DBV) einig. Das sagen Spitzenpolitiker über die Bedeutung der Landwirtschaft.

Zu Beginn hob DBV-Präsident Joachim Rukwied hervor, dass man in der Branche vor richtungsweisenden Entscheidungen stehe. Als Beispiele nannte er die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), den Green Deal, das Aktionsprogramm Insektenschutz und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung.

Klöckner: Landwirte wettbewerbsfähig halten

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärte, dass diese Zeit von intensiven und emotionalen Debatten geprägt sei, die die Situation in der Landwirtschaft wiedergeben würden. Viele Landwirten würden mit dem Rücken zur Wand stehen.

„Sie führen seit Generationen Betriebe und wissen nicht, ob die nächste Generation diese übernimmt“, erklärte Klöckner. Sie stellte klar, dass es ohne ein konstruktives Miteinander und auch Wertschätzung gegenüber den Landwirtinnen und Landwirten nicht gehe. Man müsse die Realität anerkennen. Deshalb müssten weitere Umwelt- und Tierschutzvorgaben für die Landwirten/innen wirtschaftlich umsetzbar gestaltet.

„Es geht nicht um entweder oder“, sagte Klöckner. Es sei wichtig, die Betriebe wettbewerbsfähig zu halten. Denn „wer regionale Produkte haben will, der braucht auch regionale Bauern“, fügte sie hinzu.

Brinkhaus: Geht es Tieren heute schlechter?

Ralph Brinkhaus (CDU) betonte, dass geklärt werden müsse, wie die Umstrukturierung der Landwirtschaft bezahlt werden solle. Es bedürfe aber auch eines Bürokratieabbaus, um beispielsweise Stallumbauten zu ermöglichen.

Er stellte aber auch fest, dass die Landwirtschaft in der Vergangenheit nichts falsch gemacht habe. „Ich möchte hinterfragen, ob es den Tieren in den heutigen Ställen schlechter geht als vor 40 oder 50 Jahren“, so Brinkhaus. Man solle nicht nur sagen, was noch zu tun sei, sondern auch erkennen was bereits alles erreicht wurde.

Habeck: Landwirtschaft hat Deutschland reich gemacht

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) schloss sich an und hob hervor, dass die deutsche Landwirtschaft extrem leistungsfähig sei. Die Politik hätte in der Vergangenheit von den Landwirten gefordert günstig und viel zu produzieren.

„Das ist geleistet worden. Das hat Deutschland reich gemacht“, so Habeck. Das Deutschland ein reiches Land sei, läge an dieser Produktivität der Landwirtschaft. Denn die Menschen hätten einen geringeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen.

Aber „ein landwirtschaftliches System, das in der Vergangenheit richtig war, ist für die Gegenwart und Zukunft nicht mehr richtig“, fügte er hinzu. Das System müsse sich ändern und ökologische Leistungen bezahlt werden.

Lindner: Landwirtschaft hat Ernährungsfunktion

Christian Lindner (FDP) mahnte an realistisch zu sein. Er warnte davor ein romantisiertes Bild der Landwirtschaft zu zeichnen. „In unseren öffentlichen Debatten wird immer noch das romantisierte Bild des bäuerlichen Kleinbetriebes als Ideal verbreitet. Wir haben es aber mit einer Landwirtschaft zu tun, die eine Ernährungsfunktion hat“, sagte Lindner. Zudem forderte er wissenschaftliche Fakten in der Diskussion stärker zu berücksichtigen.

Protschka: Herstellungskennzeichnung im Einzelhandel

Für Stephan Protschka (AfD) ist das Ziel eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft im eigenen Land. „Wir brauchen die Produktion in Deutschland“, sagte er. „Lieber produziere ich es bei uns im Land und hab den Tier- und Umweltschutz in demokratischen Händen und nicht irgendwo in China oder Russland.“

Eine Herstellungskennzeichnung der Produkte im Einzelhandel sei sinnvoll, um den Verbrauchern Orientierung zu geben.

Dr. Matthias Miersch (SPD) forderte, dass man noch in diesem Jahr zu einem gesellschaftlichen Konsens über die künftige Ausrichtung der Landwirtschaft und die nötige Finanzierung kommen müsse.

Bartsch: Planungssicherheit für Landwirte

Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke) war auch überzeugt, dass ein Systemwechsel notwendig sei. „Man muss aber definieren, was dieser Systemwechsel sein soll“, sagte Bartsch. „Wir brauchen Planungssicherheit für die Landwirte.“

Er forderte, dass landwirtschaftliche Arbeit fair bezahlt wird. Man in diesem Jahr erlebt habe, dass die Grundversorgung mit Lebensmitteln so selbstverständlich sei, wie man es bisher immer angenommen habe. „Wir würden alle sehr schnell merken, wie systemrelevant dieser Beruf ist“, so Bartsch, wenn Landwirte/innen fehlten.

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