Interview mit Ministerin Barbara Otte-Kinast
Anne-Maria Revermann | am

Lebensmittel-Gipfel: Erzeugerpreise decken Kosten nicht ab

Barbara Otte-Kinast drängt auf eine klare Lebensmittelkennzeichnung für regionale Produkte. Nur durch eine höhere Wertschätzung durch Kunden könne Wertschöpfung für die Bauern entstehen. Das sind die weiteren Forderungen.

"Den Landwirten wird viel abverlangt, aber es spiegelt sich in den Erzeugerpreisen nicht wider", betont Barbara Otte-Kinast am Mittwoch (13. Januar) zu bei einem Spitzengespräch per Videokonferenz mit rund 40 Vertretern von Landwirtschaft, Handel, Verarbeitern und Verbrauchern.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann nahm ebenfalls an der Konferenz teil und zeigt Verständnis für die Lage der Landwirte: "Wir haben uns im Dialog bemüht eine Konfliktsituation zu lösen. Denn die Erzeugerpreise decken die Erzeugerkosten nicht ab", bestätigt auch er.

Beide sprechen sich für eine starke Landwirtschaft in Niedersachsen aus. Der Lebensmitteleinzelhandel müsse sein Marketing konsequent auf heimische Erzeugnisse ausrichten. "Nur dann kann aus der Wertschätzung durch die Kunden wirklich Wertschöpfung für die Bauern werden", erklärt Otte-Kinast.

Landwirte in Niedersachsen sind derzeit stark von Umsatzausfällen durch die Corona-Krise betroffen. Hinzu kommt der Preisdruck durch die Afrikanische Schweinepest und die Vogelgrippe. Deshalb demonstrierten sie kürzlich vor Zentrallagern des LEH für bessere Preise.

Neues Preisbewusstsein schaffen

Die verbindliche Tierwohlkennzeichnung werde derzeit parallel auf EU-Ebene vorangetrieben. „Wir können bereits jetzt mit Hilfe des Einzelhandels die Umsetzung beginnen. Und zwar bei allen Produkten. Die Unternehmen müssen nur wollen“, sagt Otte-Kinast.

Der Lebensmitteleinzelhandel profitiere von der Qualität landwirtschaftlicher Produkte, so Althusmann. Hohe Qualität habe jedoch auch ihren Preis, daher sollte sich der LEH nicht dem stetigen Preiskampf hingeben, sondern vielmehr gemeinsam mit den Landwirten an einer angemessenen Preisgestaltung arbeiten.

"Am Ende gilt es, auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ein neues Preisbewusstsein für die qualitativ hochwertigen Produkte zu schaffen.“

 

Landwirte frustriert

Die teilnehmenden Landwirte reagierten enttäuscht über den Ausgang des Treffens, wie der NDR berichtet. Es sei zwar viel über die bekannten Probleme gesprochen worden, aber nicht darüber, wie diese zu lösen seien.

Ohne konkrete Ergebnisse wurde die Sitzung daher vertagt. Die Stimmung sei gereizt gewesen. Der LEH wies jegliche Kritik an Dumping-Preisen zurück und verwies auf die Politik.

Das fordern die Minister

Am Ende der Konferenz stellten die niedersächsischen Minister gemeinsam folgende Forderungen auf:


1. Transparente, flächendeckende Lebensmittelkennzeichnung für regionale Produkte
2. Marketing durch den Einzelhandel für heimische Produkte für mehr Wertschätzung und Wertschöpfung
3. Konsequente Umsetzung der UTP-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken
4. Verschärfung des Wettbewerbsrechts für mehr Chancengleichheit und Einrichtung einer Beschwerdestelle
5. Verhaltenskodex als Basis einer fairen Partnerschaft zwischen Handel, Verarbeitern und Landwirten
6. Angemessene Honorierung höherer Umwelt- und Tierwohlstandards in der Landwirtschaft (neuer Gesellschaftsvertrag)
7. Sensibilisierung der Verbraucherinnen und Verbraucher für den Wert von Lebensmitteln und – gemeinsam mit der Wirtschaft – Stärkung der Verbraucherbildung

Mit Material von ML
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