Kasse im Supermarkt
Christel Grommel | am

Lebensmittelpreise steigen

Die Preise für frische Lebensmittel steigen und liegen in diesem April fast zehn Prozent über dem Vorjahresniveau.

Das geht aus den Daten der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) hervor. 

Dabei habe auch Corona einen Einfluss auf Produktion und Preise für Lebensmittel, spiele aber nicht ausschließlich eine Rolle dabei, so AMI-Experte Els. 

Die Landwirte bekommen die Einschränkungen rund um Corona mit geschlossenen Restaurants, Kantinen und Catering-Diensten zu spüren. Bei Fleisch sind die Erzeugerpreise im Sinkflug, beim Milchmarkt sind Zulieferer für den Einzelhandel gut aufgestellt, wer an Großverbraucher liefert, steht unter Druck.

Bei den Privatverbrauchern kommen diese Verwerfungen nicht an, die Preise sind gestiegen. Das liege aber laut Els nicht nur am Coronavirus, sondern bei Äpfeln beispielsweise an einer knappen Ernte im Vorjahr, beim Schweinefleisch an einer hohen weltweiten Nachfrage. 

Wie sieht es auf den Marktsegmenten für Lebensmittel aus?

Milch

Bei der Milch ist die Zweiteilung des Milchmarkts extrem. Den Molkereien, die Großverbraucher beliefern, ist der Absatz plötzlich weggebrochen. Darunter leiden auch die Landwirte, die Verträge mit diesen Molkereien haben. Die Auszahlungspreise in Niedersachsen lagen im März bei 32 bis 34 Cent für den Liter Milch. 

"Einige Molkereien haben schon angekündigt, den Auszahlungspreis senken zu wollen, wenn sich die Situation nicht bessert", sagt Feuerriegel von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Die Krise treffe die Milchbauern in einer schwierigen Zeit, denn nach zwei Dürrejahren gehe es den Betrieben ohnehin nicht gut. Wegen der schlechten Ernte mussten die Betriebe Futter zukaufen. Im Nordwesten kommt noch eine Feldmausplage hinzu.

Rindfleisch und Schweinefleisch

Laut AMI-Fleischmarktexpertin Cloppenburg habe sich die Dürre der vergangenen zwei Jahre schon seit längerer Zeit auf die Erzeugerpreise für die Rinderhalter ausgewirkt. 

Viele Landwirte mussten ihre Tierbestände reduzieren, weil Futter fehlte. Aufgrund der Corona-Krise schlage nun der fehlende Absatzmarkt für Restaurants und Kantinen durch. Aufgrund dessen fehlten auch das wichtige Ostergeschäft sowie Feiern wie Kommunion und Firmung. 

Auch die Schweinemäster spüren einen deutlichen Rückgang des Schlachtpreises, der aktuell bei 1,75 Euro pro Kilo liegt. Der coronabedingte Rückgang des Asiengeschäfts vor allem mit China wirke sich laut Cloppenburg aus; im vergangenen Jahr hatte die hohe Nachfrage aus China hohe Erzeugerpreise beschert. Inzwischen laufe der Absatz in China aber langsam wieder an, so Pohlschneider von der ISN. 

Die Landwirte bemerkten auch den ins Stocken geratenen Warenfluss innerhalb Europas. 

Wildbret und Gemüse

Die Wildhändler nehmen bundesweit kaum noch Wildbret ab, weil die Kühlhäuser voll sind. Die Ursache liegt in den Corona-Einschränkungen: Die Gaststätten als Hauptabnehmer fallen zurzeit aus.

Die Preise sind stark gefallen, bis auf die Hälfte bis zu einem Drittel des üblichen Niveaus. Je Kilogramm Reh oder Rotwild erhalte ein Jäger einen statt drei Euro, für Wildschwein nur noch 50 Cent.

Beim Gemüse sei im April ein Preisaufschlag von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verzeichnen, sagt AMI-Experte Els. Dafür verantwortlich sei vor allem Kohlgemüse wie Brokkoli oder Blumenkohl, das zu dieser Jahreszeit in Frankreich und Spanien geerntet werde. Hinter der Preissteigerung könnte ein Mangel an Erntehelfern wegen der Reisebeschränkungen stecken.

Mit Material von dpa

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