LsV Plakat
Johanna Michel | am

LsV Deutschland bricht auseinander

Ihren sofortigen Rückzug aus dem LsV-Dachverband haben die LsV-Ländervereine Hessen, NRW, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz heute (09.06.) erklärt. Die Interessen aller Bundesländer und im Dachverband selbst könnten nicht mehr zusammengeführt werden.

Seit Monaten gebe es im LsV-Dachverband erhebliche Meinungsverschiedenheiten und immer weiter auseinanderlaufende Strukturen, teilen die fünf Ländervereine in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Auch zwischen den Bundesländern könne keine Einigkeit mehr hergestellt werden. 

Darüber hinaus wollen sich die Ländervereine "gegenüber zweifelhaften politischen Symbolen [...] sowie unbedachten Aktionen gegen einzelne Politiker" distanzieren. 

Für eine transparente landwirtschaftliche Interessenvertretung sei eine ehrliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Verbänden der Branche - wie dem Deutschen Bauernverband (DBV) - notwendig. Der DBV werde aber von einigen Bundesländern abgelehnt.

Öffentlich ausgetragener Streit

Die Ländervereine bezeichnen die öffentlich ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten der LsV-Strömungen als untragbar. Einzelne Bundesländer und deren Vertreter hätten andere Ländervereine durch öffentlich geteilte Video- und Audiobeiträge, gefälschte Zeitungsberichte oder ungleiche Stimmberechtigungen denunziert. 

Außerdem seien in einigen Bundesländern Parallelstrukturen geschaffen worden. Gemeinsame Abstimmungen habe es nicht gegeben. Daher sei kein vertrauliches und einheitliches Auftreten mehr möglich. 

Die gegenseitigen Unterstellungen und Beleidigungen sowie die Ausschlussbegehren seien nicht mehr haltbar und satzungskonform. Inzwischen habe unter dem Dachverband das Vertrauen der Ländervereine untereinander einen "unüberwindbaren Punkt" erreicht.

Aufruf "Politiker kaputtmachen" widerspricht dem LsV-Leitbild

Ein Aufruf "Politiker kaputtmachen" sei von einigen Ländervereinen unterstützt worden. Dies verhindere nach Ansicht der fünf Ländervereine einen konstruktiven Dialog mit der Politik. Des Weiteren seien solche Aktionen nicht mit dem Grundgedanken von LsV vereinbar und die Positionierung aller Landwirte werde in eine ungewollte Richtung gelenkt. 

Weiterhin kritisieren die Ländervereine das Verhalten des Dachverbands im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl. Die dazu laufenden politischen Umfragen des LsV und anderer landwirtschaftlicher Verbände könnten nicht mitgetragen werden. Derartige Kampagnen und die Beeinflussung der Landwirte würden abgelehnt. 

Der Dachverband habe in den letzten Monaten deutlich an politischer Glaubwürdigkeit verloren. Sie sei nur "schwer wiederzuerlangen, da die gemeinsame, einstimmige und eindeutige
Abgrenzung zu bestimmten Aktionen nicht einheitlich erfolgt". 

Arbeit in den Bundesländern geht weiter

Wie die fünf Ländervereine mitteilen, werden sie sich auch weiterhin in ihren Bundesländern für die Interessen der Landwirte einsetzen. Dabei folgten sie verantwortungsvoll ihrer Berufung und dem Grundgedanken. 

Eine erneute Zusammenarbeit mit dem Dachverband werde darüber hinaus nicht ausgeschlossen. Voraussetzung dafür seien ein offener Verein für alle, eine klare interne Struktur sowie die Bekennung zum ursprünglichen Gedanken der Bewegung. 

LsV Niedersachsen reagiert überrascht

Auf Anfrage der LAND & FORST gab Dirk Koslowski, 1. Vorsitzender des LsV-Landesvereins Niedersachsen/Bremen, ein Statement zu den Austritten ab. 

"Das hat uns auch auf kaltem Fuß erwischt", so Koslowski. Die Nachricht sei überraschend gekommen, er habe auch erst heute aus der Presse davon erfahren. 

Es habe schon länger Unstimmigkeiten und persönliche Differenzen zwischen einigen Landesvereinen gegeben. Niedersachsen sei diesbezüglich eher neutral gewesen. Der Landesverein Niedersachsen/Bremen müsse nun selbst erst einmal schauen, wie man mit der Situation umgehen soll. "Es ist schwierig zu bewerten."

Koslowski bedauerte jedoch, dass es Austritte gab, statt weiter auf eine konstruktive Beteiligung zu setzen. "Und es ist nicht die feine englische Art, die Landesverbände nicht vorab zu informieren."

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