Schweine_im_Stall_Symbolbild

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Kristina Wienand | am

Massive Kritik am ASP-Krisenmanagement - über 15 Mio. Euro Schaden

Schweinestau, schwere Tiere und bis zuletzt Fleisch aus der ASP-Restriktionszone, das niemand will. Die Folgen des ASP-Ausbruchs sind für Betriebe sehr belastend. Nun ist die Überwachungszone aufgehoben.

Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Mittlerweile gibt es einen gut durchdachten Plan für den Krisenfall. So breitete sich der ASP-Ausbruch im Sommer im Emsland nicht weiter in Niedersachsen aus. Trotzdem endete er für die Halter mehrere Monate lang im Desaster, wie ein betroffener Landwirt unter geändertem Namen nun dem NDR („Hallo Deutschland“) berichtet.

Seit gestern (Mi., 5.10.) ist die Restriktionszone wieder aufgehoben worden. Schweine aus dem Gebiet können nun somit wieder ohne Beschränkungen vermarktet werden. Dies betrifft 260 Betriebe mit mehr als 200.000 Tieren, die in der Überwachungszone lagen.

Doch laut ISN hinterlässt der Ausbruch einen finanziellen Schaden von mehr als 15 Mio. Euro. Auch wenn die Abstimmung zwischen den landwirtschaftlichen Organisationen und den Behörden vor Ort sehr gut funktioniert hätten, so ISN-Geschäftsführer Dr. Thorsten Staack.

Die Schlussrechnung steht noch aus, da derzeit noch unklar ist, welche Erlöse, für die in den nächsten Wochen abzuliefernde Schweine tatsächlich erzielt wird. Viele Betriebe mussten, um diese Phase zu überstehen, Kredite aufnehmen, sind in Zahlungsverzug bei den Lieferanten geraten oder ganz aus der Schweinehaltung ausgestiegen.

Kein Platz für frisch geborene Ferkel

Ein Rückblick: Noch vor wenigen Tagen waren die Sorgen vieler Schweinehalter kaum noch zu ertragen. Auf dem Hof von Familie Meyer (Name von der NDR-Redaktion geändert) mussten zuletzt 1.000 Schweine mehr unterkommen als normalerweise. Auf dem Tierwohl-Betrieb gibt es unter normalen Umständen 300 Sauen und 2.500 Mastschweine.

Weil Meyers Hof seit Juli in der ASP-Überwachungszone lag, konnte die Familie ihre gesunden Tiere seit rund drei Monaten nicht mehr verkaufen. Es gab keine Abnehmer. Das Dilemma: Die Tiere wurden immer größer und die Bucht dadurch gleichzeitig immer kleiner. Zudem werden fast jede Woche neue Ferkel geboren, auch diese brauchten Platz.

Mastschweine in einer Bucht, Maststall

Schweine sogar verschenkt

Um Platz zu schaffen, mieteten die Meyers einen zusätzlichen Stall in der Nähe an. Aber das reichte nicht, um die Tiere weiterhin artgerecht halten zu können. Vor lauter Verzweiflung verschenkte Familie Meyer schließlich einen Teil ihrer Mastschweine: Zwei Mal 150 Schweine für null Euro. Sogar die Transportkosten von insgesamt 1.600 Euro mussten sie selbst zahlen. Normalerweise hätten die 300 Tiere mindestens 60.0000 Euro gebracht.

Fleisch liegt im Regal des Schlachthofs in Geldern

Insgesamt hätten in den vergangenen drei Monaten laut Interessengemeinschaft der Schweinhalter Deutschlands (ISN) 60.000 Tiere in der Überwachungszone geschlachtet werden müssen. Doch nur rund 17.000 gingen an den Schlachthof. 14.000 davon wurden allein in Geldern in Nordrhein-Westfalen geschlachtet.

Dort heißt es: „Für mehr als 90 Prozent der Tiere, die wir geschlachtet haben, haben wir noch keinen Käufer gefunden“, sagte Schlachthofbetreiber Heiner Manten dem NDR. Dabei hat das Fleisch laut Manten keine Mängel. „Die Tiere sind stichprobenweise sieben Tage vor Schlachttermin untersucht worden. Also eigentlich, wenn man ehrlich ist, sichereres Fleisch gibt es nicht.“

Nun liegt das Fleisch tiefgekühlt im Hochregallager im Schlachthof in Geldern. Bezahlt wird das Lagern des Fleisches Manten zufolge bis zum Jahresende vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium.

Barbara-Otte-Kinast_Landwirtschaftsministerin-Niedersachsen

Auch Bundeswehr möchte das Fleisch nicht

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) erklärt, dass man immer wieder zu Runden geladen und sich mit allen Akteuren auseinandergesetzt habe. „Wir haben selbst das Versorgungsamt der Bundeswehr angefragt, wir haben die Verteidigungsministerin angeschrieben. Wir haben wirklich versucht, alle Kanäle aufzuzeigen, wohin das Fleisch gehen könnte. Aber niemand habe das Fleisch gewollt und deswegen wurde nicht geschlachtet. Das heißt, die Kette, die eigentlich gut ineinander greift, die hat überhaupt nicht funktioniert.“ 

Mit Material von NDR, ISN

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