Wolf_in_Stadt_Symbolbild

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Kristina Wienand | am

Ministerium prüft nach Wolfstour durch Hannover Abschuss

Nachdem ein einzelner Wolf eine Tour durch den Norden Hannovers gemacht hat, zieht das Umweltministerium einen Abschuss in Erwägung. Denn der Wolf habe in der Innenstadt nichts zu suchen.

Für den Fall, dass das Tier in der Stadt ein weiteres Mal gesichtet wird, werde eine entsprechende Ausnahmegenehmigung vorbereitet, teilte das Niedersächsische Umweltministerium am Mittwoch auf Anfrage mit. Das erfolge in Zusammenarbeit mit den Unteren Naturschutzbehörden. erklärte Umweltminister Olaf Lies demzufolge einen Tag nach der Sichtung in Hannover.

"Ein Wolf, der sich nicht selber durch Menschen, Autos oder ähnliches aus einer Stadt zurückzieht und immer wieder auftaucht, sollte entnommen werden. Das werde ich der Region Hannover genauso vorschlagen", sagte Lies. 

Wolfsspaziergang ohne Zwischenfälle

Wolf_Karte-Bewegungsprofil

Der Wolf war am Dienstagmorgen im Norden von Hannover gesichtet worden. Wie das zuständige Umweltministerium mitteilte, war das Tier, welches sich in der Nordstadt in der Nähe der Schulenburger Landstraße aufhielt, zunächst der Polizei gemeldet worden.

Diese hätten dann das Wolfsbüro des Landes informiert. Über Videoaufnahmen konnte das Tier als Wolfsrüde identifiziert werden. Da es danach keine weiteren Meldungen mehr gab, geht das Umweltministerium davon aus, dass das Tier die Stadt wieder verlassen hat.

Risiko für Menschen zu hoch

Umweltminister Olaf Lies betonte: „Auch wenn es bislang keine Vorfälle gegeben hat, bei denen Menschen durch Wölfe in Niedersachsen verletzt wurden, ist eines ganz klar: Ein Wolf gehört nicht in die Innenstadt von Hannover!“ Ein Risiko, auch wenn es noch so gering ist, werde er weder einfach hinnehmen noch akzeptieren, sagte Lies nach Ministeriumsangaben.

„Für den Fall, dass der Wolf ein weiteres Mal in einem derart belebten Umfeld auftaucht, empfehle ich der zuständigen Region Hannover, den Wolf zu entnehmen. Wir werden der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde alle Daten übergeben und ihr empfehlen, eine entsprechende Ausnahme vorzubereiten“, sagte Lies weiter.

Demonstration von Weidetierhaltern

Wölfe bald auch in der Stadt heimisch?

Natürlich sei es positiv, dass der Wolf in Niedersachsen wieder heimisch geworden ist, erklärte Lies zudem und beschrieb: Die Jährlinge verlassen in der Regel ihr Rudel und suchen sich eigene Territorien. „Dabei ist es in unserer Kulturlandschaft normal, dass sie auch durch bebaute Bereiche streifen. In den ländlichen Bereichen kommen Meldungen über Wölfe in Dörfern daher regelmäßig vor. Dass ein Wolf so tief in belebte Bereiche einer Stadt eindringt, ist jedoch neu in Niedersachsen“, schilderte Lies.

Der NABU Niedersachsen kritisiert Lies' Aussagen und spricht von Panikmache. „Minister Lies vermittelt den Eindruck, der Wolf im Norden Hannovers hätte offensichtliches Interesse oder gar Aggression gegenüber Menschen gezeigt. Es handelt sich wohl eher um ein junges Tier, dass sich auf der Suche nach einem eigenen Revier verlaufen hat“, sagte NABU-Niedersachsen-Geschäftsführerin Monika Maintz.

Die Biologin erklärte, dass auf dem aufgenommenen Video erkennbar sei, dass sich das Tier unwohl fühlte und vermutlich versuchte, die urbanen Bereiche wieder zu verlassen. "Das der Wolf sich erneut in einem so dichten Siedlungsbereich aufhalten wird, ist eher nicht anzunehmen", schlussfolgerte Maintz. Auch für den NABU stehe die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle. Panikmache seitens der Behörden sei jedoch nicht angebracht.

Besseres Wolfsmanagement muss her

Der Minister ist angesichts der stark gestiegenen Wolfspupulation in Niedersachsen der Überzeugung, dass die rechtliche Situation „tatsächlich dringend geändert und an die heutigen Lebensverhältnisse angepasst werden muss“.

Lies fügte hinzu: „Wir versuchen schon seit langer Zeit, Einfluss insbesondere beim Bund zu nehmen, damit wir zu einem besseren regionalen Wolfsmanagement kommen. Heißt: Besser regulierend eingreifen können, wenn es zu viele Wölfe in Teilen Niedersachsens gibt und einzelne Tiere insbesondere den Weidetierhaltern große Probleme bereiten.“

Der Wolf ist in Niedersachsen erst vor Kurzem ins Jagdrecht aufgenommen worden. Damit ist Jagd auf Wölfe allerdings nur dann zulässig, wenn eine Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz vorliegt. Diese hat enhält jeweils räumliche und zeitliche Beschränkungen zur Entnahme des betroffenen Tieres.

Wolf-Wald

Etwa 350 Wölfe in Niedersachsen

In Niedersachsen leben derzeit nach Angaben des Umweltministeriums schätzungsweise 39 Wolfsrudel und vier Einzelwölfe, was etwa 350 Wölfen entspricht.

Exakte Zahlen sind schwer, zu erheben. Die qualifizierte Schätzung stützt sich sowohl auf den Monitoringdaten des Landes als auch auf Erfahrungswerte aus des letzten Monitoringjahren und der Literatur zur Größe von Wolfsrudeln. Hinzu kommt, dass einzelne Wölfe einerseits genetisch identifiziert und andererseits auch durch Fotofallenaufnahmen nachgewiesen werden können. Zusätzlich werden die dokumentierten Welpen berücksichtigt. Auch Aspekte wie Wanderungsbewegungen und Wölfe, die Opfer von Unfällen wurden, fließen in die Schätzung mit ein.

Das Bundesamt für Naturschutz (BFN) prognostiziert eine Zunahme des Wolfsbestandes auf etwa 1200 Wölfe in Niedersachsen. Diese Zahl wäre bei anhaltendem strengen Schutz des Wolfs etwa 2030 erreicht, teilte das Umweltministerium mit. 

Mit Material von Niedersächsisches Umweltministerium

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