Biogemüse in Kisten
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Die Moral in der Geschicht – die gibt es nicht

Wer für sich das Recht auf Entscheidungsfreiheit in Anspruch nimmt, muss auch daraus resultierende Pflichten und Konsequenzen akzeptieren, sagt LAND & FORST-Chefredakteurin Maren Diersing-Espenhorst.

Moin liebe Leserinnen und Leser, es ist so bequem mit dem Auto schnell zum Einkaufen zu fahren. Ich habe genug Platz im Kofferraum; der Gepäckträger des Rads ist für den Wochenendeinkauf doch nie ausreichend. Und ehrlich gesagt, muss ich mich dann auch nicht selbst abstrampeln und nicht verschwitzt und nach Luft japsend im Laden ankommen.

Ich habe damit eine Entscheidung getroffen, die Konsequenzen für mich und andere hat. Und wenn ich dann im Supermarkt nach dem billigsten Fleisch im Angebot greife, hat auch dies Auswirkungen.

Tagtäglich treffe ich Entscheidungen und ich muss danach mit den Folgen leben. Das nennt man Freiheit, genauer gesagt Entscheidungsfreiheit. Diese lässt mich aber meiner Meinung nach nicht nur mit Rechten, sondern durchaus auch mit Pflichten zurück.

Auch die Pflichten sehen

Eine Pflicht, so sehe ich es zumindest, ist, dass ich meine Handlungen kritisch hinterfrage. Eigentlich hätte ich jetzt die Pflicht, mich zu fragen: Habe ich einen sozialen, wirtschaftlichen oder umwelt- und ressourcenschonenden Entschluss getroffen?

Ehrlich gesagt, wird aber nahezu immer das Angebot gewählt, das das beste Preis-Leistungs-Verhältnis verspricht und somit in diesem Augenblick den höchsten Nutzen bringt.

Wer bedenkt die Konsequenzen?

Das hält mich natürlich keinesfalls davon ab, hehre Ansprüche an andere Menschen zu stellen. Und das geht auch anderen so. Deshalb beanspruchen auch Naturschützer für sich das Recht, von den Landwirten umweltschonendes Handeln zu fordern.

Noch besser: Sie unterstellen sogar, dass Bauern es derzeit noch nicht tun. Tierschützer verlangen von Landwirten, dass sie den Wolf akzeptieren, auch wenn das für sie wirtschaftliche Schäden bedeutet – von den psychischen Belastungen reden wir gar nicht erst.

Man kann fordern, dass sie keine Antibiotika bei ihren Tieren einsetzen, um sie gesund zuhalten. Man kann sogar gleichzeitig verlangen, dass die Viehhalter ihre Tiere vor Schaden bewahren. Man kann so vieles von anderen Menschen verlangen und bedenkt dabei in den meisten Fällen nicht, welche Konsequenzen es hat: für den Menschen, die Zukunft oder die Gesellschaft.

Die zwei Seiten der Medaille

Deshalb ist eine reine Anspruchshaltung nicht nur falsch. Sie ist unmoralisch. Naturschutz beispielsweise geht uns alle an und so sollten wir uns auch verhalten.

Ja, ich weiß, ich stelle hier einen Anspruch an Sie, liebe Leserinnen und Leser, an die Gesellschaft, die Politik, aber eben auch an mich! Es geht nämlich nicht, dass ich nur fordere. Ich muss auch handeln und entsprechende Angebote unterbreiten, welchen Beitrag ich leisten kann – und vor allen Dingen auch will und werde.

Alles andere wäre der fadenscheinige Versuch, mir ein gutes Gewissen auf Kosten anderer zu kaufen. Das kann nicht der richtige Weg sein. Damit wären mir jeglicher Anstand und jegliche Moral abhandengekommen. Ein gutes Gewissen kann und darf ich dann schlicht und ergreifend nicht haben.

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