Hummel auf einer Blüte
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Naturschutz: Was wir wollen und was wir brauchen

Eigentlich wollten sie gemeinsam mit Landwirten einen Niedersächsischen Weg für den Naturschutz finden. Doch das geht den Naturschützern vom Nabu noch nicht weit genug: Sie starteten das Volksbegehren "Artenvielfalt", um den Naturschutz als Gesetz zu verankern. Ein Kommentar von Chefredakteurin Maren Diersing-Espenhorst.

Moin liebe Leserinnen und Leser,

„mehr Vielfalt in der Landwirtschaft, weniger Pestizide, mehr Ökolandbau, artenreiche Wiesen, Lebensräume erhalten, naturnaher Wald, mehr Wildnis wagen“. So liest man auf der Website von Volksbegehren Artenvielfalt Niedersachsen. Die Überschrift dazu lautet: „Was wir wollen“. 


Dieser Satz hat mich zum Grübeln gebracht, denn dort steht nicht: Was wir brauchen. Nein, es heißt ausdrücklich: Was wir wollen. Für mich besteht zwischen diesen zwei Sätzen ein erheblicher Unterschied. Zwischen wollen und brauchen, können Welten liegen. Sie können sich gar nicht vorstellen, was ich alles will – das meiste davon brauche ich nicht wirklich. Denn was ich brauche, ist in der Regel lebenswichtig und was ich will, ist meistens Luxus. 


Gerade erst hat die Landesregierung beschlossen, wie die Haushaltsüberschüsse verwendet werden sollen: 150 Mio. Euro von diesen Überschüssen werden in den Klimaschutz investiert und weitere 120 Mio. Euro in den Artenschutz. In der Summe sind das 270.000.000 Euro, die Niedersachsen für Umwelt- und Klimaschutz ausgeben wird. Ich schreibe die Zahl aus, da ich finde, erst so wird ihre Tragweite wirklich deutlich. 

 

Freiwillige Verhandlungen bleiben unerwähnt

Das reicht den Initiatoren des Volksbegehrens „Artenvielfalt.Jetzt!“ nicht. Sie nennen es einen „ersten Schritt“. Dieser reiche jedoch nicht aus. Ein konkreter Gesetzentwurf der Landesregierung läge bislang nicht vor, heißt es in einer Pressemitteilung auf der Homepage weiter. 
Dass aber seit etwa einem halben Jahr mit eben diesen Akteuren sowie wie Vertretern aus Politik, Landwirtschaft und Umweltschutz über einen freiwilligen „Niedersächsischen Weg“ verhandelt wird, bleibt unerwähnt. 


Dass über ein solches Papier gemeinsam verhandelt wird, zeigt, dass sich die Landwirtschaft dem Arten- und Naturschutz alles andere als widersetzt. Im Gegenteil, es sind die Landwirte, die Umweltschutz umsetzen. Schon immer betreiben sie auf vielfältige Art und Weise Natur-, Arten- und Klimaschutz. Durch das Volksbegehren wird meines Erachtens alles andere als im Sinne des Artenschutzes gearbeitet. Denn so ein Volksbegehren muss einige Phasen durchlaufen, die mehrere Monate, wenn nicht gar Jahre, in Anspruch nehmen können. Das kann nicht im Sinne der Umweltverbände und schon gar nicht im Sinne des Artenschutzes sein.

Wir brauchen einander

Deshalb sollten sich die Initiatoren des Volksbegehrens noch einmal fragen, was sie wirklich brauchen. Ohne Sie, liebe Landwirtinnen und Landwirte, die schon immer in und mit der Natur gearbeitet haben, wird es nicht gehen.

Landwirte wissen, dass sie eine intakte Natur für ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften brauchen – und noch viel wichtiger: Sie wollen diese selbstverständlich auch. In den vergangenen Monaten haben wir zudem gelernt, dass wir einander brauchen und es nur gemeinsam funktioniert. Das gilt auch in diesem Fall.

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