Dr. Bernd von Garmissen

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Madeline Düwert | am

Neuer Direktor bei der LWK: Dr. Bernd von Garmissen

Mit Beginn des neuen Jahres übernimmt Dr. Bernd von Garmissen das Amt des Direktors der Landwirtschaftskammer. Im Interview erzählt der Landwirt und Agrarrechtsexperte, worauf es ihm in seinem neuen Job ankommt.

Sie werden sich als Kammerdirektor den Geschäften und den vom Land übertragenen Aufgaben annehmen. Sind Sie schon aufgeregt?

Die Aufgaben des Kammerdirektors sind sehr vielschichtig und mit einer großen Verantwortung versehen. Als gelernter Landwirt und Agrarjurist freue ich mich auf diese einzigartige Aufgabe. Dank einer mehrmonatigen Übergangszeit habe ich bereits viele Einblicke bekommen können. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", schreibt der Dichter Hermann Hesse und so gehe ich mit viel Vorfreude und mit großem Respekt ans Werk und bin vielleicht auch ein bisschen aufgeregt.

Auf welche Aufgaben freuen Sie sich am meisten?

Es gibt keinen Aufgabenbereich der LWK, der nicht vor großen Herausforderungen steht. Ihnen fühle ich mich gleichermaßen verpflichtet, da wird nicht immer nur Freude aufkommen. Und doch ist es wichtig, sich all dieser Themen gleichermaßen mit großer Aufmerksamkeit und Engagement zu widmen. Aber ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Menschen. Seien es unsere Mitglieder und Kunden, unsere vielen ehrenamtlich Verantwortlichen oder unsere engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ebenso freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit der Landesregierung und den vielen Verantwortlichen aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Was werden Sie als Erstes tun?

Zunächst möchte ich die LWK, ihre Menschen, die vielen Einrichtungen und regionalen Vertretungen kennenlernen und umgekehrt allen Beteiligten die Chance geben, mich kennenzulernen. Daneben wird es inhaltlich aber keine Schonfrist geben. Viele Herausforderungen unserer Landwirte und Landwirtinnen stehen unmittelbar auf der Agenda. Zum Beispiel die Verwerfungen im Schweinebereich, die Weiterentwicklung des Niedersächsischen Weges oder die Sicherung und Wiederbegründung unserer Wälder.

Sie sind Landwirt und Agrarrechtsexperte – was denken Sie, welche Erfahrungen Ihnen am meisten in Ihrem neuen Job helfen?

Durch die Berührungspunkte zur Land- und Forstwirtschaft habe ich tiefe Einblicke in nahezu alle Themenbereiche. Der tägliche Austausch mit den landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht mir eine praxisnahe Einschätzung vieler Herausforderungen. Gerade aus den mehr als eintausend Beratungen zum Generationswechsel in der Landwirtschaft habe ich viel über die wirklichen Sorgen und Hoffnungen der Landwirte gelernt.

Als Wittmunder sind Sie an Ihrer neuen Arbeitsstelle in Oldenburg auch Ihrer Heimat wieder näher, allerdings getrennt von Ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in Dassel im Kreis Northeim. Wie gehen Sie damit um?

Als gebürtiger Wittmunder mit Großeltern aus Lüchow-Dannenberg und einem beruflichen und betrieblichen Schwerpunkt in Südniedersachsen fühle ich mich allen Regionen Niedersachsens gleichermaßen verbunden. Den Betrieb im Solling bewirtschafte ich mit meinem Vetter Jobst von Garmissen gemeinsam. Nach der Betriebsübernahme 2009 war zunächst ich einige Jahre alleine vor Ort, nun wird es umgekehrt sein. Wir stimmen uns immer gut ab und freuen uns, den Hof für die Familie langfristig zu erhalten.

Was glauben Sie, sind die größten Probleme in der Landwirtschaft derzeit und wie kann die LWK sich da einbringen?

Die Land- und Forstwirtschaft steht unter hohem Anpassungsdruck. Dieser resultiert aus immer höheren Erwartungen einer Gesellschaft, die sich gleichzeitig immer weiter von einem selbsterlebten Verständnis für die Abläufe der Landwirtschaft entfernt hat. Gleich-zeitig werden uns die sich durch den Klimawandel deutlich ändernden natürlichen Rahmenbedingungen herausfordern, so wie keine andere Branche in Niedersachsen.

Bei diesen Änderungsprozessen bringt die LWK eine sehr hohe Kompetenz in Beratung und Begleitung der Betriebe mit und trägt dadurch eine hohe Verantwortung. Als einen wesentlichen Gradmesser des Erfolgs oder Misserfolgs der Transformationsprozesse erkenne ich die Entwicklung des Strukturwandels und die Anzahl der Menschen, die mit und von der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und dem Gartenbau leben können.

Wo sehen Sie Herausforderungen für die LWK und Ihre Zukunft?

Die LWK nimmt eine wichtige Mittler-Funktion ein. Sie hat eine nicht immer bequeme, aber sehr wichtige Aufgabe, nämlich dem Gesetz- und Verordnungsgeber die Sinnhaftigkeit und die Auswirkungen neuer Gesetze, Richtlinien und Verwaltungsanordnungen auf die praktische Land- und Forstwirtschaft zu vermitteln und Fehlentwicklungen oder das Ausbleiben des gewünschten Erfolges aufzuzeigen. Gegenüber den Land- und Forstwirten ist die LWK wiederum verpflichtet, über die aktuellen Vorgaben und gesetzlichen Auflagen aufzuklären und über ihre Anwendung zu beraten.

Es bedarf also der Fähigkeit, sich in die Denkweise der Gesetz- und Richtliniengeber hineinzuversetzen und dabei niemals das Wirtschaften, die Herausforderungen und die Nöte der praktizierenden Betriebe aus dem Blick zu verlieren. Die Vermittlung zwischen diesen beiden Ebenen könnte aber in keinen besseren Händen liegen als bei uns! Sie kann jedoch nur gelingen, wenn die LWK von allen Beteiligten als Garant der Fachlichkeit, der Sachkunde und des Zusammenwirkens aller Beteiligter anerkannt ist.

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