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Birgit Greuner | am

Niedersachsen weist nitrat- und phosphatsensible Gebiete aus

Die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete in Niedersachsen stehen jetzt fest. Hier Details.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies haben heute in Hannover die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete im Bundesland vorgestellt. In diesen Gebieten besteht aufgrund der aktuellen Belastung ein hoher Handlungsbedarf.

Zuvor hatte das Kabinett der Freigabe des Entwurfs der Niedersächsischen Verordnung über düngerechtliche Anforderungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat oder Phosphat (NDüngGewNPVO) zur Verbandsbeteiligung zugestimmt.

Jetzt haben die Verbände drei Wochen Zeit, zum Verordnungsentwurf Stellung zu nehmen. Denn Mitte November soll das Kabinett die Verordnung verabschieden.

Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft verringern

„Wir haben intensiv daran gearbeitet, die Vorgaben des Bundes und der EU zu erfüllen“, sagte Barbara Otte-Kinast. Die Länderverordnung soll dabei helfen, die Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft in belastete Wasserkörper zu verringern und so die Umweltziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zu erreichen. Außerdem will die Landesregierung so weiteren Verfahren der EU-Kommission wegen Nichtumsetzung der EG-Nitratrichtlinie entgegenwirken.

Um die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete ausweisen zu können, seien umfangreiche wasserwirtschaftliche Auswertungen erfolgt, erklärte Umweltminister Olaf Lies. „Eine bundesweite Vorreiterrolle nehmen wir mit der Ausweisung der phosphatsensiblen Gebiete ein“, betonte er.

"Nitrat-Kulisse"

Die Gebietskulisse Grundwasser („Nitrat-Kulisse“) umfasst rund 39 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Das sind etwa eine Millionen Hektar. Die Bewertung der Grundwasserkörper erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren.

NICHT von der Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete betroffen sind:

  • Emden,
  • Wilhelmshaven,
  • Hameln-Pyrmont,
  • Holzminden,
  • Northeim,
  • Göttingen und
  • Goslar.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen 37 Landkreise und acht kreisfreie Städte.

Auflagen in nitratsensiblen Gebieten

Pressekonferenz zur Veröffentlichung der Roten Gebiete

In den nitratsensiblen Gebieten werden folgende Auflagen für die Bewirtschaftung verhängt:

  • Verpflichtende Wirtschaftsdüngeranalysen vor Aufbringung auf die Flächen, um den genauen Nährstoffgehalt zu kennen und so die Düngung noch präziser gestalten zu können.
  • Das Einarbeiten von Wirtschaftsdünger und Gärresten innerhalb von einer Stunde.
  • Erhöhung der Mindestlagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger und Gärreste auf sieben anstatt sechs Monate.

"Phosphat-Kulisse"

    Die Gebietskulisse Oberflächengewässer („Phosphat-Kulisse“) umfasst etwa ein Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Das entspricht etwa 35.000 Hektar. Weitere Untersuchungen laufen noch, somit könnten die grauen Gebiete noch größer werden.

    Folgende Landkreise haben Flächenanteile in der „Phosphat-Kulisse“:

    • Ammerland,
    • Osnabrück,
    • Diepholz,
    • Cuxhaven,
    • Region Hannover,
    • Nienburg (Weser),
    • Schaumburg und
    • Göttingen.

    Betroffen sind die Einzugsgebiete folgender Wasserflächen:

    • Steinhuder Meer,
    • Dümmer,
    • Zwischenahner Meer,
    • Bederkesaer See,
    • Dahlemer/Halemer See,
    • Flögelner See,
    • Balksee und
    • Seeburger See.

    Auflagen in phosphatsensiblen Gebieten

      Folgende Auflagen sind in den phosphatsensiblen Gebieten vorgesehen:

      • Verpflichtende Wirtschaftsdüngeranalysen vor Aufbringung auf die Flächen, um den genauen Nährstoffgehalt zu kennen und so die Düngung noch präziser zu gestalten.
      • Erhöhung der Mindestlagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger und Gärreste auf sieben anstatt sechs Monate.
      • Auf hoch und sehr hoch versorgten Böden ist nur eine reduzierte P-Düngung möglich, um eine P-Anreicherung im Boden zu erzielen.

      Übergangsfristen vorgesehen

        Um eine Anpassung auf den Betrieben zu ermöglichen, sind für zwei Maßnahmen Übergangsfristen vorgesehen:

        • Die erhöhten Anforderungen an den Lagerraum gelten ab Juli 2021.
        • Die Regelungen zur reduzierten P-Düngung gelten in gestaffelter Form ab Januar 2021.

        Niedersachsen: Welche Flächen gehören zu welcher Gebietskulisse

        Die Kulisse (Grund- und Oberflächengewässerkulisse) ist für die rechtssichere Ausweisung auf 1.585 Karten im Maßstab 1:10 000 Karten abgebildet.

        Die Karten zu den Kulissen (Gebietskulisse Grundwasser in Rosa, Gebietskulisse Oberflächenwasser in Grau) und weitere Infos finden Sie hier. Zu beachten ist folgendes:

        In der interaktiven Karte, die Sie mit dem Link aufrufen, sind vier Häkchen zu setzen, damit die Gebiete vollständig angezeigt werden:

        • Düngeverordnung (auch wenn das schon ein Haken hinter dem Kasten steht)
        • Entwurf NDüngGEWNPVO
        • Entwurf Gebietskulisse Oberflächengewässer
        • Entwurf Gebietskulisse Grundwasser

        ...

        ENNI erwartet

        Ziel ist es, die Düngung erheblich effizienter zu machen, um nachhaltige Verbesserungen beim Wasserschutz zu erreichen. Dazu beitragen soll auch die Einführung elektronischer Nährstoffmeldungen im gesamten Land über eine zentrale Datenbank namens „ENNI“ (Elektronisches Nährstoffmanagement Niedersachsen).

        Diese ist in der Verordnung zu §13 Absatz 6 DüV geregelt, der sogenannten Meldepflicht für die Ermittlung des Düngebedarfs und des Nährstoffvergleichs. Diese soll voraussichtlich am 17. September verabschiedet werden.

        Einen Kommentar zum Thema "Ausweisung Roter Gebiete" von Landvolkpräsident Albrecht Schulte to Brinke lesen Sie hier...

         

        Mit Material von Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium
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